Stand: 19.02.2016 18:04 Uhr

German Pellets: Die Pleite zieht Kreise

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German Pellets hatte seinen Expansionskurs mit Anleihen finanziert. (Archivbild

Seit knapp zwei Wochen ist German Pellets insolvent. Der Holzverarbeiter aus Wismar war vor allem offenbar durch Managementfehler in wirtschaftliche Turbulenzen geraten. Dazu kam die geringe Nachfrage nach Brennstoff durch milde Winter, auch der Verkauf von Holzpelletheizungen in Deutschland lief zuletzt schlecht. Die 150 Mitarbeiter in Wismar bekommen noch sechs Wochen Insolvenzgeld. Am Donnerstag wurden sie erstmals über ihre Situation informiert, bei einer Veranstaltung der Gewerkschaft IG Metall.

Weitere Anzeigen eingegangen

Bei der Rostocker Staatsanwaltschaft sind inzwischen weitere Anzeigen gegen das Unternehmen eingegangen. Diesmal geht es um Betrugsvorwürfe, die von Privatanlegern erhoben wurden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft handelt es sich um drei Anzeigen. Die angegebenen Schadenshöhen lägen zwischen 2.500 und 13.000 Euro. Bislang war eine Anzeige wegen des Verdachts auf Unterschlagung von rund 27 Millionen Euro eingegangen. Es sei damit zu rechnen, dass sich weitere Geschädigte melden, so der Sprecher. Insgesamt sind deutschlandweit bis zu 12.000 Anleger von der Entwicklung betroffen, sie hatten mehr als 200 Millionen Euro in das Unternehmen investiert.

Gläubigerausschuss erstmals zusammen gekommen

Unterdessen hat jetzt erstmals der Gläubigerausschuss getagt. Dort wurde unter anderem über die finanzielle Situation beraten. Die ist offenbar schlechter als befürchtet. Ein Sprecher der Insolvenzverwalterin bestätigte NDR 1 Radio MV, dass in den Firmenkassen nur noch wenige tausend Euro gefunden wurden.

Pleite kam nicht überraschend

Viele Mitarbeiter des insolventen Wismarer Holzverarbeiters German Pellets haben die Pleite offenbar kommen sehen. Nach Informationen von NDR 1 Radio MV berichteten einige Beschäftigte auf der Informationsveranstaltung der IG Metall von nahezu leeren Silos für fertige Pellets - Wochen vor der Pleite.

Beschäftigte wollen sich gewerkschaftlich organisieren

Auf der Veranstaltung wurde auch klar, dass sich viele der Mitarbeiter möglicherweise in der IG Metall organisieren wollen. Die Nachfrage unter den rund 70 anwesenden Mitarbeitern nach Mitgliedsanträgen war so groß, das diese nicht ausreichten. Die IG Metall möchte mit der Insolvenzverwalterin verhandeln, dazu müssten aber mehr als 50 Prozent der insgesamt 150 Mitarbeiter in der Gewerkschaft organisiert sein.

Mitarbeiter berichten über Einschüchterungsversuche

Nach NDR Informationen hatte die Geschäftsführung von German Pellets Kontakte zu der Gewerkschaft bislang unterdrückt. Viele Mitarbeiter äußerten in der Veranstaltung in Wismar ihren Unmut über den Führungsstil des Firmeninhabers. Einige sprachen von systematischer Überwachung oder Einschüchterungsversuchen seitens der Geschäftsführung. Die meisten Fragen drehten sich aber die um Rechte und Pflichten im Insolvenzfall. Ein Fachanwalt für Arbeitsrecht klärte die Angestellten bei der Veranstaltung darüber auf.

Insolvenzantrag gestellt

Das Unternehmen hatte seinen Expansionskurs mit Anleihen finanziert. Zum 1. April wird eine Anleihe mit einem Volumen von 52,4 Millionen Euro fällig. Vor rund einer Woche hatte das Unternehmen kurzfristig eine Gläubigerversammlung abgesagt und einen Insolvenzantrag gestellt. German Pellets ist bei Anlegern über zwei weitere, ebenfalls mit 7,25 Prozent verzinste Anleihen mit weiteren 172 Millionen Euro in der Schuld. Tausende Geldgeber fürchten nun um ihre Anlagen. Die Anleihen verloren zuletzt dramatisch an Wert.

Neuer Investor am Horizont?

Gerüchte, wonach es einen potenziellen Investor aus Deutschland geben soll, bestätigte der Sprecher dagegen nicht. Nur so viel: Es gebe mehrere Bewerber. Auch Unternehmen aus der Wismarer Holzbranche sollen sich zumindest für die Grundstücke von German Pellets interessieren.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 19.02.2016 | 17:10 Uhr