Stand: 14.03.2016 20:33 Uhr

Flüchtlingsintegration in Stern Buchholz gebündelt

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Ohne berufliche Integration sei eine erfolgreiche Integration nicht möglich, so Ministerpräsident Sellering (links).

Flüchtlinge sollen in Mecklenburg-Vorpommern gezielter in Kommunen vermittelt werden. Dabei helfen soll ein neuer Ablauf im Aufnahmeverfahren. Dafür werden alle ankommenden Asylbewerber mit Bleibeperspektive schon unmittelbar nach ihrer Ankunft in der Erstaufnahmeeinrichtung Stern Buchholz bei Schwerin zu Qualifikationen, Familienstand und Plänen befragt.

Verschiedene Aufgaben an einer Stelle gebündelt

In einem weiteren Schritt setzen sich Mitarbeiter von Agentur für Arbeit und Migrationsdiensten zusammen und suchen in den entsprechenden Netzwerken und Kommunen nach einer Perspektive wie Ausbildungs- und Praktikumsplätze, Jobs und Wohnungen für die Menschen. Das heißt, was bislang nach und nach und teilweise auch erst in den Städten und Gemeinden selbst stattgefunden hat, geschieht nun bereits in der Aufnahmestelle. Wenn die Suche einer Perspektive erfolgreich ist, zieht beispielsweise ein Elektrotechniker nach Crivitz, um dort bei einem Landmaschinenhersteller zu arbeiten.

Sellering: "Nicht jeden um jeden Preis halten"

"Eine erfolgreiche Integration gelingt nicht ohne berufliche Integration", betonte Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) am Montag beim Besuch des neu eingerichteten Integrationsbüros. Je genauer Voraussetzungen und Ziele der Betroffenen bekannt seien, desto besser könne nach Angeboten gesucht werden und desto größer seien damit auch die Erfolgsaussichten. "Wir wollen nicht jeden um jeden Preis halten", sagte Sellering. Wer in einem anderen Bundesland Arbeit finde und sich so ernähren könne, müsse nicht in Mecklenburg-Vorpommern von staatlichen Sozialleistungen leben.

Familien wagen den Neustart in Mecklenburg-Vorpommern

Im Vorjahr, als etwa 19.000 Asylsuchende im Land registriert worden waren, hatte sich ein Drittel entschieden, im Nordosten zu bleiben. Ein großer Teil nutzte die gewährte Freizügigkeit bei der Wahl des Wohnortes, um zu Verwandten und Bekannten oder wegen der besseren Jobaussichten in anderen Bundesländern weiterzuziehen. Vor allem bei Familien aber zeige sich eine zunehmende Bereitschaft, im Nordosten einen Neustart zu versuchen, sagte Sozialministerin Birgit Hesse (SPD). Wenn klar sei, welche Qualifizierungskurse möglich und welche sozialen Begleitmaßnahmen wie Kita oder Schule nötig seien, könne in enger Absprache aller Beteiligten gezielt nach geeigneten Wohnorten gesucht werden.

Täglich etwa 40 neue Flüchtlinge

Nach Angaben der Landesregierung ist die Zahl der in Mecklenburg-Vorpommern ankommenden Flüchtlinge gegenüber dem Vorjahr deutlich gesunken. Dem Land würden täglich etwa 20 Flüchtlinge zugewiesen, ähnlich viele meldeten sich direkt in einer der beiden Erstaufnahmeeinrichtungen. Derzeit kämen vorwiegend Menschen aus Syrien. Im Herbst 2015 waren an manchen Tagen mehrere Hundert Flüchtlinge im Nordosten angekommen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 14.03.2016 | 15:00 Uhr