Stand: 02.03.2016 19:20 Uhr

Flüchtlingshelfer wollen sich stärker vernetzen

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Die Hilfe von Ehrenamtlichen bleibt bei der Betreuung von Flüchtlingen unverzichtbar, da waren sich alle einig. (Themenbild)

Mehr als 23.000 Flüchtlinge sind im vergangenen Jahr in Mecklenburg-Vorpommern angekommen. Viele Ehrenamtliche kümmern sich um die Neuankömmlinge. Vor allem bei der Integration läuft noch nicht alles rund. Bei einer Konferenz an der Hochschule Neubrandenburg haben sich deshalb am Mittwoch Helfer getroffen, um sich auszutauschen.

Mehr Interessierte als Plätze

Selbst auf den Treppen wurde es eng. 120 Ehrenamtliche und Profis der Flüchtlingsarbeit drängten sich in dem Hörsaal der Hochschule - noch mehr hatten sich für die Konferenz angemeldet und keinen Platz mehr bekommen. Die zentrale Frage war: Wie lässt sich Integration noch besser gestalten?

Flüchtlingskommunen nach dem Vorbild Kaufbeurens

Flüchtlingskommunen könnten eine Lösung sein, glaubt Tilo Rau, der Leiter der Flüchtlingsunterkunft in Basepohl bei Stavenhagen (Kreis Mecklenburgische Seenplatte). Er habe Ärzte, Anwälte, Friseure oder Krankenschwestern erlebt, die hier nicht arbeiten könnten, so lange sie nicht bestimmte Anerkennungsmaßnahmen durchlaufen hätten. "Sie kosten nur Geld, obwohl die Leute selber gern arbeiten würden", meint Rau und schlägt vor, an Standorten wie Fünfeichen oder Basepohl eine kleine Kommune zu bilden, die dann der Dreh- und Angelpunkt der Integration oder der Inklusion sein könnten. "Dort könnte ein wunderbarer Stadtteil entstehen, Geschäfte, Werkstätten, da könnte man was machen", beschreibt der Unterkunftsleiter seine Vision. Vorbild, sagt Rau, sei das Bayerische Kaufbeuren, wo nach dem Zweiten Weltkrieg auf diese Weise die Integration von 18.000 Sudeten in die Gesellschaft gelang.

Stadt wünscht sich flexible Mittel für Integrationsmaßnahmen

Bis es in Mecklenburg-Vorpommern ein Kaufbeuren gibt, muss die Integration auf herkömmliche Weise gelingen. Ein Hindernis sind die Zuständigkeiten. In Neubrandenburg beispielsweise leben derzeit knapp 1.500 Flüchtlinge. Zuständig sind der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte und das Land. Wenn es aber Probleme gibt, ist oft die Stadt erster Ansprechpartner, sagt der Stellvertreter des Oberbürgermeisters, Peter Modemann. Lange Wartezeiten beim Arzt, weil die Behandlung von Flüchtlingen ohne Dolmetscher lange dauert oder fremde Nachbarn, die den Flur nicht fegen - mit solchen Probleme beschäftige man sich jetzt. Und dafür sei Geld nötig, das flexibel für verschiedene Integrationsmaßnahmen eingesetzt werden kann, meint Modemann: "Wir müssen uns ja auch um die Deutschen kümmern, die integrieren sollen. Wenn die nicht bereit dazu sind, werden wir alle Schiffbruch erleiden."

Ehrenamtliche bleiben unverzichtbar

Weil dieses Geld aber nicht da ist, waren sich alle einig, dass Flüchtlingsarbeit auch künftig nicht ohne ehrenamtliche Helfer auskommen wird. Auch der Chef des Jobcenters in Neubrandenburg, Andreas Wegner, setzt auf die Hilfe von Ehrenamtlichen, weil sie die Flüchtlinge oft schon besser kennen gelernt haben. Sie könnten bei der Übersetzung helfen oder beim Ausfüllen von Anträgen. In den letzten Jahren hätte sich außerdem gezeigt, dass Arbeitsvermittlung über das persönliche Netzwerk sehr befördert werden könne, so Wegner: "Da hoffe ich, dass die Helfer auch ein Netzwerk für Flüchtlinge bilden." Als Ergebnis des Fachforums in Neubrandenburg wollen sich Ehrenamtliche und Profis in der Flüchtlingsarbeit noch besser vernetzen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 02.03.2016 | 18:15 Uhr