Stand: 28.12.2015 17:05 Uhr

Löste Schuss Explosion auf Usedom aus?

Mindestens drei Menschen wurden bei der Explosion verletzt, der Verkaufsstand wurde völlig zerstört.

Hat ein Schuss aus einer Schreckschusspistole zur Explosion von Feuerwerkskörpern an einem Verkaufsstand in der Nähe von Ahlbeck auf Usedom geführt? Die Polizei im polnischen Swinemünde (Swinoujscie) geht offenbar entsprechenden Hinweisen nach, nachdem ein Urlauberpaar aus Brandenburg eine Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung und Sachbeschädigung bei der Polizei in Anklam erstattet hat. Eine Polizeisprecherin bestätigte dies NDR 1 Radio MV. Demnach sei das Paar Zeuge des Vorfalls vom Sonntagnachmittag gewesen. Die Jacke der 55-jährigen Frau sei demnach in Brand geraten, der 51-jährige Mann habe leichte Verletzungen erlitten. Der Schuss aus der Waffe sei zu Demonstrationszwecken abgefeuert worden.

Drei Verletzte, verbrannte Buden, beschädigte Autos

Die Ermittlungen der polnischen Polizei dauern derweil an. Derzeit würden die Brandstelle und die Reste der Feuerwerkskörper untersucht. "Wir kennen den Auslöser noch nicht", sagte eine Polizeisprecherin in Swinemünde (Swinoujscie) im polnischen Teil der Urlauberinsel. Dort waren am Sonntag laut Behördenangaben drei Menschen verletzt, fünf Verkaufsbuden zerstört und mehrere Autos beschädigt worden, als das Feuerwerk in einem Verkaufsstand detonierte und ein Brand ausbrach.

Messer fliegen durch die Wucht der Detonation durch die Luft

Zeugen berichteten von mehreren Detonationen und einem anschließenden ohrenbetäubenden Knall. In sozialen Netzwerken schrieben Menschen, die dort kurz zuvor eingekauft hatten, dass möglicherweise die Gasflasche, die den Stand beheizt hat, die angebotenen Böller in Brand gesetzt. Augenzeugen berichteten, dass dabei auch Messer von einem Nachbarstand nach der Detonation durch die Luft geflogen sind.

Ermittler untersuchen Brandort und Böller

In Amateurvideos ist zu sehen, wie die Feuerwehrleute den Brand nur liegend löschen konnte. Es sehe aus wie nach einem Bombenanschlag, sagten Feuerwehrleute. Zahlreiche Rettungskräfte waren im Einsatz. Nach ersten Schätzungen beläuft sich der Schaden auf 250.000 Zloty (59.000 Euro), wie der Fernsehsender TVN 24 berichtete. Die genaue Summe stehe noch nicht fest, erklärte die Polizeisprecherin. An dem grenznahen Handelsplatz decken sich Polen wie deutsche Touristen gern mit billigen Böllern und Raketen für Silvester ein.

Warnung vor "Polen-Böllern"

Am 29. Dezember beginnt in Deutschland offiziell der Verkauf von Silvesterfeuerwerk. Die Polizei warnt davor, sogenannte Polen-Böller zu kaufen. Diese sind oft qualitativ minderwertig, besitzen eine besonders große Explosionskraft und haben ein hohes Verletzungsrisiko. Die Bundesanstalt für Materialprüfung empfiehlt, nur deutsches Feuerwerk mit TÜV-Zertifikat zu verwenden.

40 Strafverfahren wegen "Polen-Böllern"

Die Polizei warnt seit Jahren vor dem Gebrauch der "Polen-Böller". Doch immer wieder werden große Mengen davon illegal nach Deutschland eingeführt. "In den vergangenen vier Wochen wurden deshalb schon mehr als 40 Strafverfahren eingeleitet", sagte Detlef Kähler vom Hauptzollamt Stralsund. In jedem einzelnen dieser Fälle sei versucht worden, 50 und mehr der hochgefährlichen Böller einzuführen. Der Zoll kontrolliere deshalb auf Autobahnen, bei Fußgängern und Radfahrern. Empfindliche Strafen bis zu mehreren Tausend Euro drohten. "Die Sprengwirkung kann niemand einschätzen, sie kann ungeheuer groß sein." Zumal oft ein Industriesprengstoff verwendet werde, der viel stärker als herkömmlicher Sprengstoff ist.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 28.12.2015 | 17:00 Uhr