Stand: 10.11.2017 14:17 Uhr

Polizei hat rechte Hooligans schon länger im Visier

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In dem Videoclip treten alls Mitglieder der Hooligan-Gruppe "Nordische Wut" maskiert auf.

"Wir stehen hier vor dem Ostsee-Stadion Rostock. Wir sind Mitglieder der Nordischen Wut." Mit verzerrter Stimme und maskierten Gesichter zeigen sich Hooligans in einem Internetvideo. Es wurde vor einigen Wochen veröffentlicht. Die Polizei in Mecklenburg-Vorpommern hat deshalb Ermittlungsverfahren eingeleitet. Denn die Hooligans prahlen mit Gewalttaten, zeigen organisierte Massenschlägereien.

Bis zu 80 Randalierer in der Gruppe

Das Innenministerium in Mecklenburg-Vorpommern schätzt, dass sich etwa 50 bis 80 Personen in dieser Hooligan-Gruppe formiert haben. Das geht aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion hervor, die dem NDR vorliegt. Regelmäßig würden sie sich zu Schlägereien mit Fans anderer Fußballclubs abseits der Stadien verabreden. Im Jahr 2015 hatte der Bundesgerichtshof entschieden, dass solchen Gruppierungen kriminelle Vereinigungen seien.

Die Anhänger von "Nordische Wut" stammen laut dem Innenministerium aus ganz Mecklenburg und besuchen Spiele von Hansa Rostock. Außerdem sollen sie in Kontakt zu anderen Hooligan-Gruppierungen unter anderem aus Kopenhagen stehen.

Mitglieder sind teils vorbestraft

28 Mitglieder der Hooligan-Gruppe sind laut der Antwort des Innenministeriums in der Polizei-Datei "Gewalttäter Sport" erfasst. In dieser bundesweiten Datenbank werden Personen gespeichert, die im Zusammenhang mit Fußballspielen Straftaten begangen haben sollen. Dabei geht es zumeist um Körperverletzungsdelikte, Sachbeschädigungen und Landfriedensbrüche. 16 Anhänger von "Nordische Wut" seien bereits vorbestraft, teilte das Innenministerium mit. Sie seien unter anderem wegen Körperverletzungen und Raubdelikten, aber auch wegen Volksverhetzung und dem Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verurteilt worden. Einige Mitglieder der Hooligan-Gruppe werden nach den bisherigen Erkenntnissen der Ermittler der rechtsextremen Szene zugerechnet.

Kritik an später Reaktion der Behörden

Der innenpolitische Sprecher der Linksfraktion, Peter Ritter, sieht in der Antwort einen Beleg dafür, "dass sich gerade im Bereich Sport gerne rechtsextreme, Gewalt suchende Personen" bewegen. Er kritisiert, dass erst jetzt - nach der Veröffentlichung des Videos - Ermittlungsverfahren aufgenommen wurden, obwohl die Gruppe offenbar "bereits seit längerem auf dem Schirm der Behörden" gewesen sei. Der Rostocker Polizei ist die Gruppierung seit ihrer Gründung vor mehr als einem Jahr bekannt. Man hätte den abgesprochenen Schlägereien deshalb bereits vorher nachgehen müssen, sagt Ritter.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 10.11.2017 | 15:12 Uhr

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