Stand: 22.05.2014 20:11 Uhr

Ehrendoktor für Snowden: Veto des Rektors

Der US-Whistleblower Edward Snowden bekommt nun doch vorerst nicht die Ehrendoktorwürde der Universität Rostock. Universitätsrektor Wolfgang Schareck hat das Verfahren gestoppt. Nach Scharecks Angaben geht das Verfahren nun zunächst zurück an die Fakultät. Sollte dann keine Einigung erzielt werden, werde das Bildungsministerium in Schwerin hinzugezogen.

Ehrendoktoren der Universität Rostock

Fakultätsrat für Ehrendoktorwürde für Snowden

Der Rat der Philosophischen Fakultät hatte jüngst mit der notwendigen Dreiviertel-Mehrheit beschlossen, Snowden für dessen Enthüllungen über die Abhörpraktiken des US-Geheimdienstes NSA die Ehrendoktorwürde zu verleihen. Snowden habe die Funktion eines klassischen Aufklärers erfüllt, hieß es zur Begründung. Laut der Fakultät wäre es die weltweit erste solche Würdigung für Snowden. Schareck zollte der Fakultät Respekt für ihren Mut und die Diskussionen der vergangenen Wochen, die ihr in Bevölkerung und Universität Sympathien entgegengebracht habe.

Schareck: Ansehen bisheriger Ehrenpromotionen gerät in Gefahr

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Wolfgang Schareck, Rektor der Universität Rostock, stoppt das Verfahren für Ehrendoktorwürde für Edward Snowden.

Schareck erklärte, die Übergabe eines Datenbestandes an Medien mit dem Ziel der Veröffentlichung sowie die Auslösung eines wissenschaftlichen Diskurses über Aktivitäten von Geheimdiensten könne nicht als wissenschaftliche Leistung gewertet werden. Als Rektor müsse er auf die Einhaltung des Landeshochschulgesetzes, der Promotionsordnungen und auf den wissenschaftlichen Ruf der Universität achten, betonte Schareck. Auch könne das wissenschaftliche Ansehen bisheriger Inhaber von Rostocker Ehrenpromotionen in Gefahr geraten. Als Rektor muss Schareck über die Rechtmäßigkeit des Verfahrens entscheiden. Er hatte bereits zu Beginn des Verfahrens Zweifel geäußert.

Fakultätsdekan enttäuscht

Fakultätsdekan Hans-Jürgen von Wensierski reagierte enttäuscht auf das Veto Scharecks. Er sei aber darauf eingestellt gewesen. Die Fakultät werde nun die juristische Begründung des Rektors prüfen und sich über mögliche Konsequenzen kundig machen. "Wir sind weiter der Ansicht, ein korrektes Verfahren in Gang gesetzt zu haben", sagte von Wensierski. Er bedauerte, dass die Entscheidung Scharecks nun von den eigentlichen wissenschaftlichen Leistungen Snowdens ablenke und eine ausschließlich juristische Debatte in Gang setze.

Ströbele: "Hoffe, er besinnt sich noch"

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele, der den Informanten im vergangenen Herbst in Moskau besucht hatte, bedauerte die Entscheidung des Rektors. "Ich hoffe, er besinnt sich noch", sagte Ströbele. Snowden habe der freien und unkontrollierten Arbeit der Wissenschaft einen großen Dienst erwiesen. Dagegen verteidigte Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) den Rostocker Rektor: "Der Stopp des Verfahrens ist konsequent und richtig", so Caffier. Er bleibe dabei, dass es bei der Verleihung des Ehrendoktors in erster Linie um wissenschaftliche Leistungen gehen sollte. "Diese hat Herr Snowden jedoch weder für die Universität Rostock noch in der Wissenschaft allgemein erbracht."

Viele Kritiker

Auch Egbert Liskow, der hochschulpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, begrüßte die Entscheidung zum Stopp des Verfahrens. Bei der Verleihung einer Ehrendoktorwürde sollte es "um besondere wissenschaftliche Verdienste gehen", sagte er. Diese könne er bei Snowden "beim besten Willen nicht erkennen". Es wäre "absurd", Snowden in eine Reihe mit so bedeutenden Wissenschaftlern zu stellen wie Heinrich von Thünen, Albert Einstein oder Max Planck. Auch andere Politiker von SPD und CDU in Mecklenburg-Vorpommern hatten zuvor schon die Absicht, Snowden die Ehrendoktorwürde zu verleihen, kritisiert.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 22.05.2014 | 17:00 Uhr