Stand: 30.08.2015 09:24 Uhr

Die Toten Hosen überraschen Jamel

Mit einem Besucherrekord ist das Musikfestival "Jamel rockt den Förster" zu Ende gegangen. Mehr als 1.200 Menschen waren insgesamt in das Dorf bei Wismar gekommen, um Flagge zu zeigen für Demokratie und gegen Fremdenfeindlichkeit - fast doppelt so viele, wie im vergangenen Jahr. Überraschend war die bekannte Punkrock-Band Die Toten Hosen angereist und hat bei ihrem Auftritt gegen die rechtsradikale Nachbarschaft der Festivalveranstalter Stellung bezogen.

Die Toten Hosen auf einer Bühne vor Publikum

Die Toten Hosen zeigen Flagge in Jamel

Nordmagazin -

Das Festival "Jamel rockt den Förster" ist mit einem Besucherrekord zuende gegangen. 1.200 Besucher kamen zu dem Festival, auf dem überraschend auch Die Toten Hosen auftraten.

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Festival erstmals ausverkauft

Es sei eine Geste der Hochachtung für das, was das Ehepaar Lohmeyer dort leistet und für alle anderen, die sich nicht wegdrehen, wenn die Nazis Plätze für sich reklamieren, sagte Frontmann Campino. Am Samstagabend musste die Kasse zum ersten Mal in der Festival-Geschichte geschlossen werden, nachdem der Hof mit Besuchern komplett voll war.

Ehrung für Birgit und Horst Lohmeyer

Zuvor hatten Birgit und Horst Lohmeyer den Georg-Leber-Preis verliehen bekommen. Die mit 10.000 Euro dotierte Ehrung für Zivilcourage wird von der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) vergeben. IG-Bau-Bundesvorsitzender Robert Feiger begründete die Auszeichnung mit der vorbildlichen Entschlossenheit der Lohmeyers, sich nicht von Rechtsextremisten einschüchtern zu lassen und ihnen mit dem Festival sogar eine Alternative für eine bunte, demokratische Gesellschaft vor Augen zu führen. Zum neunten Mal veranstaltet das Ehepaar Lohmeyer das Open Air gegen Rechtsextremismus, auch bekannt unter dem Namen "Jamel rockt den Förster" in dem kleinen Dorf bei Wismar.

Prominente Gäste in Jamel

Am Freitag war das zweitägige Musik-Festival im Beisein von Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) eröffnet worden. Es sei wichtig, auch mit solchen Veranstaltungen Flagge zu zeigen und so gemeinsam Zeichen für Demokratie und Weltoffenheit zu setzen, betonte Sellering vor zunächst etwa 150 Besuchern. Das gelte gerade auch für Orte wie Jamel, "wo Nazis ihre menschenverachtende Gesinnung durchzusetzen versuchen". Sellering hatte sich nach dem Feuer, bei dem Mitte August die Scheune der Lohmeyers niederbrannte, entschlossen, erstmals das Musikfestival zu besuchen. Auch Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) kam nach Jamel, um "Flagge zu zeigen".

Forstrock in Jamel - Musik gegen rechts

Ermittler gehen von rechtsextremen Hintergrund aus

Der Brandanschlag hatte die Aufmerksamkeit erneut auf den Ort gelenkt. Die Ermittler hatten Hinweise auf Brandstiftung gefunden, die Täter haben sie aber noch nicht ermitteln können. Es wird von einem rechtsextremen Hintergrund der Tat ausgegangen. Schon unmittelbar nach dem Feuer hatte die Polizei ihre Kontrollen in Jamel verstärkt.

Links

"Forstrock - Für eine bunte Welt"

Mit einem jährlichen Konzert kämpft das Ehepaar Lohmeyer in Nordwestmecklenburg gegen den Rechtsextremismus im eigenen Dorf - "Jamel rockt den Förster". extern

Anschlag löst Solidarität aus

Nach dem Anschlag gab es zusätzliche Unterstützung bei der Organisation. Zahlreiche Initiativen riefen zu Spenden zugunsten des Festivals auf. Die Amadeu-Antonio-Stiftung in Berlin sammelte nach eigenen Angaben knapp 21.400 Euro für das Demokratie-Fest. In der abgebrannten Scheune hatten die Lohmeyers Bänke, Zelte und die Elektrik für das Festival gelagert.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 30.08.2015 | 09:00 Uhr