Stand: 29.01.2016 14:44 Uhr

DDR-Heimkinder: Fonds zahlt bis 2018 aus

In der gesamten DDR lebten zwischen 1945 und 1990 rund 135.000 Kinder und Jugendliche in Spezialheimen. (Archivbild)

Von den 3.853 registrierten Insassen von DDR-Spezialkinderheimen in Mecklenburg-Vorpommern haben bislang rund 500 Leistungen aus dem Heimkinderfonds erhalten. Wie die Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Anne Drescher, am Freitag bei der Vorstellung des Jahresberichts 2015 mitteilte, sollen die übrigen Antragsteller bis Ende 2018 entschädigt werden. Ein Großteil der Betroffenen lebt heute laut Drescher am Rande der Gesellschaft. Ohne abgeschlossene Schul- und Berufsausbildung hätten viele keine Chance gehabt, sich ein normales Leben aufzubauen. In den Heimen hätten sie Gewalt erfahren und jeder zweite auch sexuellen Missbrauch, so Drescher weiter.

150 Betroffene meldeten sich zu spät

Zwischen 2012 und 2014 hätten sich fristgemäß 3.853 Betroffene gemeldet. Nach Ablauf der Frist seien noch einmal rund 150 ehemalige DDR-Heimkinder dazugekommen. Diese hätten aber keine Chance mehr, in den Fonds hineinzukommen. Für die anerkannten Anträge werden jeweils maximal 10.000 Euro ausgezahlt. Vielen Betroffenen gehe es aber nicht in erster Linie um Geld, sondern um die Anerkennung, dass ihnen Unrecht geschehen ist. Die Zahl der Mitarbeiter in der Anlauf- und Beratungsstelle "Heimerziehung in der DDR" ist von drei auf 13 angewachsen. Sie sollen die insgesamt knapp 4.000 Anfragen bis September 2017 bearbeiten.

Drescher: BGH-Urteil macht Rehabilitierung schwierig

Drescher kritisierte zudem die Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom März 2015, nach der Menschen, die wegen der politischen Inhaftierung der Eltern in ein Heim kamen, nicht mehr als politisch verfolgt gelten. Dadurch werde deren Rehabilitierung erschwert. Die Gesamtzahl der Kinder und Jugendlichen, die zwischen 1945 und 1990 in Spezialheimen lebten, wird in Mecklenburg-Vorpommern auf 16.000 geschätzt, in den ostdeutschen Ländern zusammen auf 135.000.

Zwangsvereinigung SPD/KPD im Fokus

Im laufenden Jahr stehen bei der Behörde vor allem zwei Themen im Mittelpunkt: die Zwangsvereinigung von SPD und KPD sowie die Mauerbau vor 55 Jahren. Im April jährt sich der Beginn der Sowjetisierung des Parteiensystems in der ehemaligen DDR zum 70. Mal.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 30.01.2016 | 14:00 Uhr