Stand: 28.01.2016 16:04 Uhr

DDR-Doping: Grüne attackieren Sportbund

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Das Thema Doping in den drei früheren DDR-Nordbezirken soll wissenschaftlich erforscht werden. (Archivbild)

Die Landtagsfraktion der Grünen hat dem Landessportbund (LSB) Mecklenburg-Vorpommern massive Versäumnisse bei der Aufklärung des Zwangsdopings in der DDR und den Nordbezirken vorgeworfen. Die Abgeordnete Silke Gajek sagte im Landtag, Sportbund-Präsident Wolfgang Remer habe kein Interesse, mögliche Verfehlungen aufzuklären.

Gajek: "Systematisches Verschweigen"

Remer hatte mehrfach erklärt, er sehe keinen Sinn in weiteren Nachforschungen. Das Thema "Doping in der DDR" sei aufgearbeitet. Gajek meinte, Remer sei als ehemaliger Leiter einer DDR-Kinder- und Jugendsportschule selbst Teil des DDR-Leistungssportsystems. Er kehre die Dinge unter den Teppich, der LSB bekenne sich nicht zu seiner Verantwortung und sollte endlich die Scheuklappen ablegen. Der aktuelle Kampf gegen Doping verliere mit dieser Haltung an Glaubwürdigkeit. Gajek beklagte außerdem ein "systematisches Verschweigen" nicht nur beim Landessportbund, sondern auch bei den Sportschulen und bei vielen Sportvereinen.

SPD, CDU und Linke nehmen Remer in Schutz

Vertreter von SPD, CDU und Linken wiesen die Vorwürfe Gajeks als zu pauschal zurück. Sie betonten, dass der Landtag bereits Mittel bereitgestellt habe, um mit Forschungsaufträgen das Doping in den drei DDR-Nordbezirken aufzuklären. Der CDU-Abgeordnete Wolfgang Waldmüller und sein Kollege von der Linksfraktion, Peter Ritter, nahmen Remer ausdrücklich in Schutz. Auch Innen- und Sportminister Lorenz Caffier (CDU) sagte, Gajek sollte bei dem Thema "nicht mit Schaum vorm Mund" agieren. Die Spitzen des LSB würden sich sehr intensiv mit dem Thema befassen.

Remer bleibt bei seiner Meinung

Wolfgang Remer reagierte auf Anfrage von NDR 1 Radio MV gelassen auf die Vorwürfe Gajeks. Er stehe zu seiner Meinung, dass Doping ausreichend aufgeklärt sei. Die jetzt bereitgestellten 150.000 Euro für die Doping-Forschungsaufträge im Land begrüße er. Remer stellte klar, dass der LSB kein Rechtsnachfolger des DDR-Verbandes gewesen ist. "Wir haben 1990 bei Null angefangen." Als Leiter der Kinder- und Jugendsportschule (KJS) in Schwerin habe er offiziell nichts vom Doping gewusst. Remer sagte: "Die KJS war kein Teil des Doping-Systems".

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 28.01.2015 | 16:00 Uhr