Stand: 23.02.2017 19:30 Uhr

CDU-Abgeordneter: Promotion bei AfD-Politiker?

von Stefan Ludmann, Felix Pankok
Bild vergrößern
Anwalt und CDU-Bundestagsabgeordneter: Dietrich Monstadt. (Archivbild)

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Dietrich Monstadt gerät innerparteilich in Erklärungsnot. Grund ist seine Verbindung zum umstrittenen AfD-Landtagsabgeordneten und Greifswalder Jura-Professor Ralph Weber. Weber ist nach Recherchen des NDR Nordmagazins Doktorvater für Monstadts geplante Promotion.

Promotion zum Thema Wildschadensrecht

Monstadt - im Hauptberuf Anwalt - will zum Thema Wildschadensrecht promovieren. Er habe mit der Arbeit schon 2006 begonnen, teilte der CDU-Abgeordnete auf NDR Anfrage schriftlich mit. Vor Kamera und Mikrofon wollte sich der Unionspolitiker nicht äußern. Weber sei ihm seinerzeit als Betreuer für die wissenschaftliche Arbeit empfohlen worden. Damals habe der Jura-Professor noch an der Universität Rostock gelehrt und sei Mitglied in der CDU gewesen.

"Guter und engagierter Jurist"

Monstadt und Weber verbindet ein gemeinsames Hobby - die Jagd. Weber habe schon deshalb einen "praktischen Bezug" zum Promotionsthema, erklärte Monstadt. Er lobt seinen Doktorvater als "guten und engagierten Juristen". Wegen seiner zeitlichen Belastung als Abgeordneter ruhe die Promotion im Moment, er habe sich noch nicht entschieden, "ob, wann und wie ich meine Promotion fortsetzen" werde, so der 59-jährige Parlamentarier, der auch Landesschatzmeister der CDU ist. Weber wollte sich auf Anfrage des Nordmagazins nicht zu der Doktorarbeit äußern.

Kritik aus der eigenen Partei

Monstadts Verbindung zu Weber wird in der CDU kritisch gesehen. Das Streben nach akademischen Weihen ausgerechnet aus den Händen Webers sei "politisch unklug", hieß es. Öffentlich wollte sich jedoch niemand äußern. Andere erklärten, sie könnten in der Angelegenheit "keinen Aufreger" erkennen. Der AfD-Abgeordnete Weber gilt als Exponent des rechtsnationalen Flügels in der AfD. Bei der Wahl zum Vizepräsidenten des Landtags fiel Weber durch. Wegen seiner politischen Ansichten galt er auch in der CDU als nicht wählbar. Weber hat Ex-Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) wegen der Ostverträge in die Nähe des Verrats gerückt, er beklagt eine "Meinungsdiktatur" in Deutschland und prangert in einer Rhetorik, die an Nazi-Vokabular erinnert, eine "Umvolkung" an.

Weber vormals CDU-Mitglied

Schon vor seiner Mitgliedschaft in der AfD machte Weber Schlagzeilen durch seine Nähe zu rechtsextremen Positionen. Anders als andere Landespolitiker vermeidet der CDU-Bundestagsabgeordnete Monstadt eine klare Distanzierung: Über Webers "politische Orientierung" sei er "nicht glücklich", meint der Abgeordnete zurückhaltend. Darüber habe Weber mit ihm aber auch nicht gesprochen. Weber gehört nach Jahren in der CDU jetzt der Partei an, die lautstark von der "Kanzlerdiktatorin Merkel" spricht und eine "Merkel muss weg"-Politik vertritt.

Monstadt bekommt wohl sicheren Listenplatz

Die Kanzlerin und CDU-Bundesvorsitzende Angela Merkel ist an diesem Sonnabend Hauptakteurin beim Parteitag der CDU in Stralsund. Merkel soll dort zur Spitzenkandidatin der Landes-CDU für die bevorstehende Bundestagswahl gewählt werden. Mit dabei ist dann auch Dietrich Monstadt - er wird wahrscheinlich nur zwei Plätze hinter der Kanzlerin kandidieren. Er tritt für den als sicher geltenden Listenplatz 3 an.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 23.02.2017 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

05:01

Brüdgam und Koplin bilden neue Doppelspitze

18.11.2017 19:30 Uhr
Nordmagazin
02:30

Hansa gewinnt trotz Unterzahl in Wiesbaden

18.11.2017 19:30 Uhr
Nordmagazin
07:13

Türkei: David B. seit acht Monaten in Haft

18.11.2017 19:30 Uhr
Nordmagazin