Stand: 21.02.2016 15:46 Uhr

AfD will mindestens 20 Prozent erreichen

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Spitzenkandidat Holm will bei der Landtagswahl mindestens 20 Prozent der Stimmen bekommen. (Archivbild)

Das erhoffte Signal der Geschlossenheit blieb in Demmin aus. Die AfD in Mecklenburg-Vorpommern geht mit einer sehr gemischten Bewerberliste in den Landtagswahlkampf. Auf ihr finden sich eher gemäßigte neben offen nationalistischen Mitgliedern. Als Aushängeschild der völkischen Strömung tritt die Schweriner Stadtvertreterin Petra Federau auf. Sie warnte vor einer "Umvolkung" und meinte, Deutsche seien fremd im eigenen Land. Federau wurde mit großer Mehrheit auf Listenplatz drei gewählt, sie wäre bei einem Einzug der AfD sicher im Landtag vertreten. Auch das Vorstandsmitglied Holger Arppe aus Rostock schaffte der Sprung nach ganz vorn, der wegen volksverhetzender Äußerungen zu einer Geldstrafe verurteilte AfD-Mitbegründer im Land erreichte Listenplatz 4 - von ihm sind regelmäßig nationalistische Aussagen zu hören. Beim Landesparteitag in Demmin zog sich diese Haltung wie ein roter Faden durch viele Redebeiträge. Tiefpunkt war am ersten Tag der Ausschluss der offenbar missliebigen Journalistin Andrea Röpke - auf Antrag eines einzelnen Mitglieds.

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Rechtsprofessor wettert gegen "Lügenpresse"

Viel Zuspruch erhielt der Kandidat für das Schiedsgericht der AfD, Ralph Weber. In seiner Bewerbungsrede wetterte der Greifswalder Rechtsprofessor am Sonntag gegen die "Lügenpresse". Der 55-Jährige sagte, der Vorwurf der Volksverhetzung gegen Parteimitglieder sei "kein großes Problem mehr". Dieser Verdacht werde "zur Diktatur der freien Meinungsäußerung" eingesetzt und sei deswegen "mindestens nicht ehrenrührig". Die Partei wählte einen weiteren Rechtsausleger in das Landesschiedsgericht: den Anwalt Sascha Jung. Er ist nach eigenen Angaben Mitglied in der vom bayerischen Verfassungsschutz beobachteten Burschenschaft Danubia. Diese wird mit rechtsextremistischen Kreisen in Verbindung gebracht. Wegen dieser Mitgliedschaft hatte der Freistaat Bayern Zweifel an Jungs Verfassungstreue und verwehrte ihm den Zugang in den Staatsdienst. Jung ist seit einem Monat Mitglied der AfD.

Spitzenkandidat hat Verständnis für Federaus Auftritt

Für das AfD-Führungsduo aus dem Spitzenkandidaten Leif-Erik Holm und seinem Co-Vorsitzenden Matthias Manthei könnte eine andere Personalie zum Problem werden. Denn der Landesverband streitet sich mit seiner Angestellten, der ehemaligen Landesgeschäftsführerin Petra Federau. Sie ist abgemahnt und beurlaubt worden, offenbar gibt es Unregelmäßigkeiten, die auch die Anwälte beschäftigen. Federau wollte sich nicht äußern, beim Parteitag war von "Intrigen" gegen Federau die Rede. Holm widersprach: "Es gibt keine Intrigen." Ansonsten gab er mit Blick auf das Verfahren eher wortkarg. Holm äußerte außerdem Verständnis für Federaus Auftritt beim Parteitag. Dem NDR sagte er, er hätte die Worte "Umvolkung" und ähnliches zwar nicht gewählt. Hinter diesem Begriff stehe aber das Problem der "unkontrollierten Massenzuwanderung" und es sei richtig, dass Federau das angesprochen habe.

Auf der Kandidatenliste fehlen nicht nur Frauen

Federau ist die einzige Frau unter den ersten 15 Kandidaten. Auch das bereitet der AfD-Doppelspitze Kopfschmerzen. Frauen haben in der Partei offenbar kaum eine Chance. Holm bedauerte das. Das "scharfe Wort" in der Partei schrecke Frauen möglicherweise ab, sie seien wohl eher "harmoniebedürftig". Nicht nur bei Frauen offenbart die AfD-Kandidatenliste Lücken: Ein Experte für Bildung und Kultur - zwei der wichtigsten Themen im Land - fehlt. Der Kandidat der Parteispitze, das Vorstandsmitglied Lars Löwe, scheiterte gleich in mehreren Anläufen. Der Lehrer an der Förderschule in Neukloster hatte gegen andere Bewerber keine Chance. Allerdings kamen mehrere Juristen auf die vorderen Listenplätze, neben dem Co-Vorsitzenden und Amtsrichter Manthei, der Rechtsanwalt Enrico Komning aus Neubrandenburg und sein Kollege Christoph Grimm.

Partei will bei Landtagswahl 20 Prozent holen

Der Parteitag offenbarte auch ein tiefes Misstrauen untereinander. Es gab immer wieder die Befürchtung, dass Stimmzettel nicht richtig ausgezählt werden könnten: Während der Wahlgänge mussten Türen geschlossen bleiben - aus Angst vor Manipulation. Für den 4. September hat sich die AfD viel vorgenommen: Spitzenkandidat Holm sagte zum Abschluss, er wolle mindestens 20 Prozent bei der Landtagswahl holen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 21.02.2016 | 16:00 Uhr