Stand: 28.09.2015 10:28 Uhr

AfD will mehr Kinder statt Zuwanderung

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Wollen Landtagssitze für ihre Partei: die AfD-Landeschefs Leif-Erik Holm (l.) und Matthias Manthei.

Leif-Erik Holm, ehemals Moderator bei einem privaten Hörfunk-Sender, ist so etwas wie ein Schwiegermutter-Typ: Nett, korrekt und immer freundlich im Umgang. Aber als der Landeschef der Euro-kritischen und rechtsnationalen AfD am späten Sonnabendnachmittag ans Rednerpult des Parteitags geht, gibt er den Volkstribun und hält eine kurze Rede, die zwar nicht im Ton, aber im Inhalt an Auftritte des Frontmanns der NPD, Udo Pastörs, erinnert. Die AfD sei die einzig wahre Volkspartei, ruft Holm in den niedrigen Konferenzsaal eines Schweriner Hotels.

Holm: "Asylkrise" im Sinne der Deutschen bewältigen

Deutschland müsse weiter das Land der Deutschen bleiben, die "Asylkrise" müsse im Sinne der Deutschen bewältigt werden, wettert er. Diese dürften keine Menschen zweiter Klasse im eigenen Land werden. Und dann passiert Holm doch noch fast ein Ausrutscher: "Wir schaffen das", beginnt er seinen letzten Satz und merkt wohl gerade noch rechtzeitig, dass diese drei Worte für die verhasste Merkel'sche Flüchtlingspolitik stehen. Eine Politik, gegen die seine Mitglieder in den vergangenen Stunden immer wieder gezetert und gemeckert haben. Holm schickt schnell diese Worte hinterher: "Am 4. September 2016 bei der Landtagswahl."

Wahlprogramm beschlossen

Das ist das große Ziel seiner Partei: Sitze im Schweriner Schloss. Dafür haben die knapp 60 versammelten Mitglieder - acht davon Frauen - ein 20 Seiten langes Wahlprogramm beschlossen: einstimmig und nach sechs Stunden oft kleinteiliger Debatten. Ein Kernpunkt: Die AfD will Familienpartei sein. Sie will, dass Frauen mehr Kinder bekommen - möglichst mehr als zwei. Die Männer-Partei AfD nennt das "positive Bevölkerungsentwicklung". Ein Weg dahin: die Wiedereinführung von Familiendarlehen. Zuwanderung jedenfalls "ist nicht unsere Zukunft, sondern Kinder", heißt es in der Debatte.

AfD will Asylantragsverfahren in Heimatländern

Kernanliegen ist die Asylpolitik. Die AfD gibt sich großzügig, sie "sieht das Leid von Bürgerkriegsflüchtlingen und politisch Verfolgten". Dieses "Sehen" reicht ihr dann aber auch: Die "Aufnahmefähigkeit" Deutschlands sei erschöpft, Asyl-Anträge sollten nicht mehr in Deutschland, sondern in den Botschaften im Heimatland gestellt werden. Außerdem hat die AfD in ihrem Landtagswahlprogramm den Schuldigen für das Flüchtlingselend ausgemacht: Die Interventionen der USA hätten ein "heilloses Durcheinander" hinterlassen.

Sonntagsöffnung, Schuluniform

Die Partei ist stolz auf ihre "Alleinstellungsmerkmale", wie der zweite Landeschef Matthias Manthei - im Hauptjob Richter am Amtsgericht Greifswald - feststellt. Sie ist gegen die Windenergie, will die Fünf-Prozent-Hürde bei den Landtagswahlen auf drei Prozent senken und sie spricht sich für die Sonntagsöffnung der Geschäfte aus. Eine weitere Idee: Politiker dürften Fördermittel-Bescheide nicht mehr medienwirksam übergeben - vor allem nicht unmittelbar vor Wahlterminen. Außerdem: Schüler im Land sollen eine Schuluniform tragen. Die AfD will auch, dass eine Sicherheitswacht und freiwillige Polizeihelfer für mehr Ordnung sorgen.

Viele leere Stühle

Bei aller Einstimmigkeit: Der Schwung des Neuanfangs vor anderthalb Jahren scheint der jungen Partei etwas verloren gegangen zu sein. Nur knapp 60 Mitglieder kamen zum entscheidenden Programm-Parteitag, etliche Stühle blieben leer. Offenbar leidet die AfD am Aderlass durch die Abspaltung Alfa (Allianz für Fortschritt und Aufbruch). Es gab kritische Nachfragen der Basis, zum Beispiel zu den 13.500 Euro hohen Reisekosten des Vorstands aus dem Vorjahr. "Die laufen aus dem Ruder", sagte ein Mitglied. Erstaunen löste aus, dass der Vorstand für ein gerichtliches Verfahren gegen die "Ostsee-Zeitung" knapp 4.000 Euro zahlen musste, die Partei unterlag im Streit um angeblich unliebsame Berichterstattung.

Antrag auf Ausschluss eines Medienverteters scheitert

Auch am Wochenende wurde deutlich, dass die AfD ein Problem mit der Öffentlichkeit hat: Den Entwurf des Wahlprogramms hielt die Parteispitze bis zur endgültigen Abstimmung geheim, man wollte sich nicht in die Karten schauen lassen. Ähnlich medienfeindlich zeigte sich der Parteitag als der Tagesordungspunkt "Finanzen" aufgerufen wurde. Da wollten die Landesschatzmeisterin Ulrike Schielke-Ziesing und mehrere Delegierte den einzigen Journalisten ausschließen lassen. Der Antrag scheiterte erst nach Intervention des Vorstands. Man könne nicht auf der einen Seite Transparenz fordern, auf der anderen Seite aber genau diese Transparenz verwehren, hieß es. Ein Muster, das von der NPD bekannt ist, zeigte sich auch beim AfD-Parteitag: Das vermeintlich "heimliche" Fotografieren missliebiger Journalisten. Der Kreisvorsitzende der Schweriner AfD, Thomas De Jesus Fernandes, drehte sich im Schutz der Delegierten-Reihe mit seiner Kamera im Anschlag um und drückte mehrmals in Richtung des einzigen Journalisten ab. Was er mit den Aufnahmen anstellen will, bleibt sein Geheimnis.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 27.09.2015 | 07:00 Uhr