Stand: 07.03.2016 18:26 Uhr

AfD: "OZ" distanziert sich von Lokal-Bericht

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Die "Ostsee-Zeitung" distanziert sich von einem Artikel in einer Lokal-Ausgabe. (Archivbild)

Der AfD-Landesvorsitzende Matthias Manthei kann sich über gute Presse der besonderen Art freuen: Sein Vater Günter hat für eine Lokal-Ausgabe der "Ostsee-Zeitung" einen redaktionellen Bericht über die Gründung der AfD-Ortsgruppe Anklam und den Auftritt des eigenen Sohnes in der Heimatstadt verfasst. In dem Aufmacher-Artikel lässt sich der freie Mitarbeiter des Blatts zu einem Lobgesang auf die Partei - Wahlkampfmotto: "Mut zur Wahrheit" - und ihren Landeschef hinreißen. Die Chefredaktion der "Ostsee-Zeitung" hat sich inzwischen von dem Beitrag in der Ausgabe "Vorpommern-Greifswald" distanziert und spricht von einem "Fehler".

"Parteien-Landschaft der Nach-Wende-Ära" verändert sich

In dem Artikel vom vergangenen Dienstag versucht Manthei senior dem Treffen der AfD-Sympathisanten in einem Anklamer Restaurantsaal etwas Großes beizumessen. Mit der Gründung der AfD-Ortsgruppe habe sich die "Anklamer Parteien-Landschaft der Nach-Wende-Ära" verändert, meint der Autor, ein gelernter Tierarzt. Der Vater des AfD-Landeschefs greift bei seiner Berichterstattung auf Vokabular der rechtspopulistischen Partei zurück und behauptet, dass "Flüchtlingschaos, Einbruchsrekorde und Eurokrise" mit der AfD "nun auch in Anklam thematisiert" würden. In der Stadt hätten sich jene getroffen, die "aus Enttäuschung über die Alt-Parteien zu Nichtwählern geworden sind".

"Liebesbrief an die AfD"?

Reporter Günter Manthei lobt seinen Sohn, einen Amtsrichter aus Greifswald: Dieser habe gemeinsam mit Co-Landeschef Leif-Erik Holm "ruhig, juristisch fundiert und ohne Hassvokabular" das Wahlprogramm erläutert. Und er bringt ein Foto ins Blatt, das das Duo beim gemeinsamen Auftritt in dem Restaurantsaal zeigt. Zuschauer sind nicht im Bild. Sie kommen auch nicht zu Wort. Es fehlt auch die Information, wer einer möglichen AfD-Ortsgruppe in Anklam vorsteht. Als Co-Autor des Beitrags firmiert der Lokal-Chef der "Ostsee-Zeitung", Steffen Adler. Adler hat offenbar die politischen Reaktionen auf die AfD-Veranstaltung zusammengetragen, unter anderem die des SPD-Landtagsabgeordneten Patrick Dahlemann. Der Sozialdemokrat findet den Beitrag "befremdlich und speziell". Für ihn klingt der Artikel nach einem "Liebesbrief an die AfD". Das sei "oberpeinlich" für die Partei, so Dahlemann. Diese schwafele von Lügenpresse, lasse aber "Vater Manthei" über Veranstaltungen des Sohnes berichten. Das zeige, was die AfD unter unabhängigen Medien verstehe.

"OZ"-Chefredakteur: "Handwerklich nicht akzeptabel"

Die Chefredaktion der "Ostsee-Zeitung" in Rostock räumte auf Anfrage Fehler ein. "Was hier passiert ist, entspricht natürlich nicht dem Stil der politischen Berichterstattung der 'OZ'. Wir achten insbesondere in politischer Berichterstattung auf klare Trennung von Bericht und Meinung und selbstredend darauf, dass Autoren in keiner Abhängigkeit zum Gegenstand der Berichterstattung stehen", erklärte Chefredakteur Andreas Ebel. Die Art des Berichts sei "handwerklich nicht akzeptabel". Allerdings habe man erst im Zuge der Anfrage erfahren, dass Günter Manthei der Vater von AfD-Landeschef Matthias Manthei ist. Der Vorgang sei ausgewertet worden. "Herr Manthei wird in Zukunft nicht mehr über politische Inhalte für die 'OZ' berichten", heißt es aus der Chefetage.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 07.03.2016 | 18:15 Uhr