Stand: 20.10.2017 15:20 Uhr

A 20 droht im Moor zu versinken

Die A 20 bröckelt und bröckelt - und droht ganz im Moor zu versinken. War das Loch an der auf rund 40 Metern Länge abgesackten Fahrbahn bei Tribsees (Landkreis Vorpommern-Rügen) vor einigen Tagen noch im Schnitt rund 2,5 Meter tief, sind es nun schon bis zu 6 Meter. Von den vier Fahrspuren in beiden Richtungen ist derzeit noch eine auf der bisher noch unversehrten Seite in Richtung Stettin frei. Doch es sei nur eine Frage der Zeit, bis auch dort die Fahrbahn wegbreche, meint Ronald Normann vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr.

Viel befahrene Straße.

A-20-Umleitungen: Verkehr belastet Anwohner

Nordmagazin -

Die A-20-Abbruchstelle bei Tribsees stellt nicht nur die Autofahrer vor Probleme. Auch für die Anwohner der Umleitungsstraße in Dettmannsdorf hat sich der Alltag stark verändert.

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"Das Ereignis wird eintreten"

"Es ist abzusehen, dass wir dort das gleiche Schadensbild haben werden wie auf der anderen Seite", sagte Normann NDR 1 Radio MV. Das sei nicht zu verhindern, denn der gesamte Untergrund sei in Bewegung. "Die Entwicklung wird so sein, dass wir diesen Straßendamm in der Form nicht halten", ist sich Normann sicher. Der eingeschaltete Baugrundgutachter habe ihm gesagt, dass er es nicht mehr lange vertreten könne, die Straße offen zu halten: "Das Ereignis wird eintreten." Bis dahin kontrollieren Vermesser vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr zweimal täglich, ob es Bodenbewegungen auf der Fahrbahn in Richtung Stettin gibt.

Autobahn 20: Wenn die Straße plötzlich versinkt

Minister hofft, dass die Fahrbahn noch etwas hält

Während das Krisenmanagement im Hintergrund über Umleitungen, eine Behelfsbrücke und die Neugründung der eigentlichen Autobahn berät, hofft Verkehrsminister Christian Pegel (SPD), dass die Fahrbahn noch möglichst lange hält, aber "wenn wir das geringste Signal haben, dass es nicht mehr durchtragend ist, werden wir komplett schließen". Es sei gewiss, dass dies irgendwann passiere, man könne nur noch nicht sagen wann. "Bisher, sagen mir die Kolleginnen und Kollegen, ist diese Fahrbahn unglaublich wacker." Sie halte sich stabiler, als ihm Fachleute noch vor zehn Tagen prognostiziert hatten. "Wir können aber nicht ausschließen, dass irgendwann demnächst diese Fahrbahn leider nicht mehr benutzt werden kann", so Pegel weiter.

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Behelfsbrücke fraglich

Pegel und Normann trafen sich am Freitag in Anklam mit dem Vorpommern-Beauftragten der Landesregierung, Patrick Dahlemann (SPD), sowie mehreren großen Unternehmen der Region - unter anderem aus der Logistik-Branche. Pegel dämpfte erneut Erwartungen nach einer schnellen Sanierung der "Lebensader A 20". Auch die bereits in der Planung stehende Behelfsbrücke stellte der Minister infrage. Entscheidend sei, auf welcher Länge der Bauuntergrund der Fahrbahn instabil ist, so Pegel. Erst dann könne entschieden werden, ob eine Behelfsbrücke gebaut werden kann. Sollte sich jedoch herausstellen, dass der Untergrund auf allen 700 Metern instabil ist, wäre der Bau einer provisorischen Brücke kaum möglich.

Schwertransporte müssen über Berlin fahren

Eine Entscheidung darüber will das Verkehrsministerium erst im Januar treffen. Vor allem Schwerlasttransporter sind von der A-20-Teilsperrung betroffen. Wegen der Fahrzeuglängen und des großen Gewichtes müssen diese Lkw weite Umleitungsstrecken fahren. Einige Unternehmen, wie zum Beispiel Hersteller für Windkraftanlagen, müssen deshalb sogar über Berlin fahren.

Unterbau der Straße hat versagt

Laut Normann vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr hat der gesamte Unterbau der Straße im bis zu 20 Meter tiefen Torf versagt. Die genauen Ursachen sollen weitere Gutachten klären. Da aber beide Fahrspuren im Jahr 2005 auf einem Damm gebaut wurden, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass die Autofahrer auch in der Gegenrichtung künftig eine Umleitung nutzen müssen. Damit die Strecke über Bad Sülze und Sanitz nicht kollabiert, suchen die Mitarbeiter der Straßenbauverwaltung bereits zusätzliche Ausweichmöglichkeiten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 20.10.2017 | 16:30 Uhr

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