Stand: 08.03.2016 06:30 Uhr

Zahl der Wohnungseinbrüche deutlich gestiegen

Hamburgs Polizei bekommt die steigende Zahl der Wohnungseinbrüche offenbar nicht in den Griff. Wie Polizeipräsident Ralf Martin Meyer bei der Vorstellung der polizeilichen Kriminalstatistik für 2015 sagte, stieg die Zahl der Einbruchsdelikte im Vergleich zum Vorjahr um 20,2 Prozent auf 9.006 Fälle. Allerdings blieb es in 3.751 Fällen bei einem Einbruchsversuch. Aufklären konnte die Polizei von diesen Taten nach eigenen Angaben 8,7 Prozent (0,4 Prozent mehr als im Vorjahr). Die niedrige Aufklärungsquote sei vor allem auf professionelle "reisende Täter" zurückzuführen. Unter Verdacht stehen vor allem Einbrecherbanden aus den Balkanländern.


Nicht einmal jede zweite Tat wird aufgeklärt

Die Zahl der Straftaten insgesamt stieg 2015 nur leicht um 1,7 Prozent auf 243.959 Fälle. 43,8 Prozent der Taten wurden von der Polizei aufgeklärt - 0,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Beamten ermittelten 73.808 Tatverdächtige, 54,8 Prozent von ihnen waren Deutsche. Zu berücksichtigen ist dabei, dass bei etwa jedem sechsten nichtdeutschen Tatverdächtigen (17,6 Prozent) wegen eines Verstoßes gegen das Aufenthaltsrecht ermittelt wurde. Die Polizei zählt ferner jeden Tatverdächtigen nur einmal, egal wie viele Taten ihm vorgeworfen werden.

Innensenator: "Stabile Entwicklung"

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Innensenator Grote spricht von einer "stabilen Entwicklung".

Die Polizei habe auch in 2015 "gute, erfolgreiche Arbeit" geleistet, sagte Innensenator Andy Grote (SPD). Die Kriminalstatistik insgesamt zeige für Hamburg eine stabile Entwicklung. "Wir haben Bereiche, in denen es positive Veränderungen gibt, aber wir haben auch Bereiche, in denen wir nicht zufrieden sind mit der Entwicklung." Die Polizei habe auf problematische Veränderungen wie bei den Einbrüchen und der Rockerkriminalität mit der Einrichtung von Sonderkommissionen reagiert. Der Senator appellierte an alle Hamburger, ihre Wohnungen zu sichern und verdächtige Beobachtungen der Polizei zu melden.

Mehr Mordfälle

Die Gewaltkriminalität nahm im vergangenen Jahr um ein Prozent auf 8.815 Fälle zu. Dabei handelte es sich meistens um Raubüberfälle und Körperverletzungen. Die Polizei registrierte 79 Straftaten gegen das Leben (22 mehr als 2014) und 17 Morde (sieben mehr als 2014). Dabei wurden die meisten Fälle aufgeklärt. Die Zahl der Vergewaltigungsdelikte sank laut Statistik von 167 auf 145.

Kräftiger Anstieg bei Drogenkriminalität

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Vor allem der Drogenhandel in St. Pauli bereitet der Polizei Sorgen. (Themenbild)

Einen kräftigen Anstieg verzeichnete die Polizei bei der Rauschgiftkriminalität. Die Zahl der Delikte nahm um 10,9 Prozent auf 9.413 Taten zu. Noch möchte niemand von einer offenen Drogenszene auf St. Pauli sprechen. Aber im Bereich Balduintreppe, Silbersackstrasse und Bernhard-Nocht-Straße wird mittlerweileTag und Nacht gedealt. Laut eines internen Protokolls zur Rauschgiftlage, das NDR 90,3 vorliegt, sind dort fast immer bis zu 50 Dealer und Drogenabhängige. Im Vergleich zum Vorjahr seien im Jahr 2015 sowohl die Konsumentendelikte als auch der Handel und Schmuggel von Drogen gestiegen. Ab mittags verlagere sich die Drogenszene vom Hamburger Berg über Reeperbahn und Talstraße in Richtung Nobistor. Immer dann, wenn es Polizeieinsätze gibt. Mittlerweile sollen sich auch die Anwohner massiv beschweren. Ähnlich ist die Lage in St. Georg rund um den Hansaplatz, wie aus dem internen Polizeiprotokoll hervorgeht.

CDU fordert mehr Polizisten

Angesichts des Anstiegs der Kriminalität in Hamburg fordern Polizeigewerkschaften und Opposition mehr Beamte. Die CDU-Bürgerschaftsfraktion verlangte am Montag die Einstellung von 100 zusätzlichen Polizeianwärtern pro Jahr und die Besetzung aller freien Zivilfahnderstellen. "Wer Verbrecher fangen will, der braucht auch Polizisten", erklärte der Innenpolitiker Dennis Gladiator.

Personalmangel in anderen Bereichen wegen Sokos?

Sein FDP-Kollege Carl Jarchow kritisierte, dass die dauerhafte Einrichtung von Sonderkommissionen gegen Einbrecher und Rocker die allgemeine öffentliche Sicherheit wegen Personalmangels gefährde. Joachim Lenders, CDU-Abgeordneter und Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, pflichtete dem bei. "Es hilft nichts, einige personalintensive Einsätze gegen Einbrecher zu fahren, um sich dann in anderen Bereichen zu entblößen." Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Gerhard Kirsch, forderte den Senat auf, den strategischen Ansatz zu mehr Bürgernähe wieder deutlich stärken. Großdienststellen, zentrale Sachbearbeitung zum Beispiel bei Betrugsstraftaten sowie die katastrophale Personalsituation machten die Entfernung der Polizei von den Bürgern dieser Stadt offenkundig.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 07.03.2016 | 15:00 Uhr