Stand: 05.12.2010 10:00 Uhr

Wo sind die Frappant-Künstler hin?

von Heiko Block, NDR.de
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Die ehemalige Viktoria-Kaserne in Altona ist die neue Heimat der Frappant-Künstler.

Monatelang standen die Künstler von Frappant e.V. in der Öffentlichkeit, besiedelten sie doch das leer stehende Frappant-Gebäude in der Großen Bergstraße in Hamburg. Zusammen mit der Initiative "Kein Ikea in Altona" kämpften sie gegen den Neubau eines Möbelhauses in der Fußgängerzone. Nachdem sich die Altonaer in einem Bürgerentscheid für Ikea entschieden hatten, musste der Verein allerdings aus dem Gebäude ausziehen und siedelte in die ehemalige Viktoria-Kaserne im Zeiseweg in Altona um. Seitdem ist es um den Verein etwas ruhiger geworden. Gianna Schade, Vorstand und Gründungsmitglied, gewährt NDR.de einen Einblick in das neue Domizil und räumt ein: "Hier ist es etwas einfacher für uns."

Mehr als 140 Künstler in der Viktoria-Kaserne

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Fotografin Gianna Schade ist Gründungsmitglied des Künstlervereins.

Unter dem Dach des Frappant e.V. arbeiten derzeit mehr als 140 Kreative aus verschiedenen Bereichen zusammen. Bildende Künstler, Designer, Architekten und Stadtplaner, Fotografen, Filmemacher und Illustratoren haben in der Kaserne ihre Ateliers, Studios oder Werkstätten bezogen. An jedem Wochenende werden Ausstellungen, Konzerte, Lesungen oder Anwohnerflohmärkte veranstaltet. Sonnabends ist ab 20 Uhr geöffnet, sonntags von 14 bis 19 Uhr.

Laut Schade stehen 200 Künstler auf der Warteliste. Aber der Platz ist begrenzt, auch weil ein Teil des Hauses noch vom Fachbereich Hydrobiologie der Universität genutzt wird. Der Verein bemüht sich deshalb um die Nutzung des gesamten Gebäudes - vor allem aus finanziellen Gründen. "Wir brauchen mehr Platz, um endlich Gelder reinzukriegen", sagt die 30-Jährige. "Derzeit leben wir von unseren Reserven. Im Frappant mussten wir uns um Geld weniger Sorgen machen."

"Für jeden ist etwas dabei"

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Auch Yuri Solovei hat sein Atelier in der ehemaligen Kaserne.

Etwa 16.000 Euro Miete zahlen die Künstler derzeit. Hatten die Kreativen in der Großen Bergstraße noch etwa 37.000 Quadratmeter Platz, sind es jetzt "nur" noch knapp 4.000 Quadratmeter. "Im Frappant konnten wir uns natürlich austoben, hier ist mittlerweile jede Ecke schon besiedelt", erklärt Schade. "Positiv sind aber die unterschiedlichen Größen der Räume. Für jeden ist etwas dabei."

Mietvertrag wird bis 2012 verlängert

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Gordon Müllenbach bei der Arbeit.

Eine gute Nachricht erhielt der Verein Ende November. Der Mietvertrag wird bis 30. Juni 2012 verlängert. Schade: "Wir würden gerne länger hierbleiben, schließlich wohnen wir fast alle in Altona." Eigentlich war geplant, dass auf dem Grundstück ein neues Schulgebäude gebaut und das Gebäude abgerissen wird. Doch die Pläne sind durch das Scheitern der Schulreform auf Eis gelegt. Darüber ist der Verein erleichtert, herrschte doch zuletzt lange Ungewissheit.

Im März 2009 Einzug ins Frappant-Gebäude

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Judith Mall hat sich in einem ehemaligen Laborraum niedergelassen.

Im März 2009 waren die Künstler ins Frappant gezogen und hatten den Verein gegründet, um die Interessen der einzelnen Mitglieder besser vertreten zu können. Wenig später wurden Teile des Büro-Komplexes renoviert. Die Räume, in denen sich früher das Arbeitsamt Altona befand, standen zuvor 20 Jahre lang leer. Am 1. August 2009 wurde eine 400 Quadratmeter große Ausstellungsfläche eröffnet. Die Resonanz war groß, allein zur Vernissage kamen 800 Gäste.

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Der Eingang zu den Ausstellungsräumen befindet sich im Innenhof.

Der vorherige Eigentümer des Frappants, die Immotrading GmbH, die das Gebäude mit zweimonatigen Mietverträgen dem Verein überließ, kündigte allerdings den Zwischennutzungsvertrag zum 30. November 2009. Die Künstler schalteten daraufhin Anwälte ein und starteten mit der Stadt Gespräche über ein Alternativgebäude in Altona. Nach langen und schwierigen Verhandlungen wurde schließlich die Viktoria-Kaserne als neue Heimat für die Künstler auserkoren. In der ersten Märzwoche 2010 zog der Verein um.

Freude über Heizung in neuen Räumen

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Auch Büroräume wurden eingerichtet: Die Stadtplaner Lisa Buttenberg (r.), Sophie Naue und Rudolf Klöckner.

An den unfreiwilligen Umzug denkt Schade ungern zurück. Sie bedauert den Abriss des Frappant-Gebäudes. "Da dort zunächst sowieso nichts passiert ist, hätten sie uns auch noch im Sommer drin lassen können", ärgert sie sich - räumt aber ein: "Die Räumlichkeiten in der Kaserne sind schon etwas besser." Vor allem gebe es eine Heizung. Die fehlte nämlich im Frappant-Gebäude. Der strenge Winter 2009/2010 sei nicht einfach gewesen. "Im Skianzug zu arbeiten war keine gute Erfahrung. Dafür konnten wir aber immerhin auf dem Parkdeck Schlittschuh laufen."

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 21.01.2010 | 18:00 Uhr

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