Stand: 10.03.2017 15:17 Uhr

Warum der Elbtower ein "Scholz-Tower" wäre

von Reinhard Postelt
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Reinhard Postelt kommentiert die Pläne für den "Elbtower"

Wenn eines Tages tatsächlich ein Wolkenkratzer an den Elbbrücken steht, ist er für mich der "Scholz-Tower". Sie halten diese Zuschreibung für zu platt? Ich normalerweise auch. Aber ich konnte miterleben, wie beflügelt Olaf Scholz das Projekt am Mittwoch vorstellte. Er verknüpfte den Wolkenkratzer in nie dagewesener Weise mit seinem Namen: "Ich sage auch für mich als Bürgermeister: Ich möchte, dass die Hamburgerinnen und Hamburger, wenn das fertig ist, sagen: Das hat der Olaf Scholz gut gemacht! Und nicht: Guck mal! Das ist mir schon wichtig."

Streben nach Höherem

Aber warum strebt der grundsolide Olaf Scholz plötzlich nach Höherem? Im Hintergrund-Gespräch mit ihm wird das klar. Erstens, er will Hamburgs Wahrnehmung in der Welt steigern, um mehr Investitionen und Touristen nach Hamburg zu locken. O.k., mit der Olympia-Bewerbung ist das gründlich misslungen. Gerade deshalb beeindruckt mich der Mut von Olaf Scholz.

Jedem Bürgermeister sein Wahrzeichen

Da ist noch etwas Zweites. Es steckt ein glühender Stadtentwickler und Architekt im Anzug des kühlen Juristen. Scholz kennt alle Städtebau-Theoretiker, er reist im Urlaub gern zu Wahrzeichen der Architektur. Viele Hamburger Bürgermeister haben Landmarken für die Geschichte gesetzt, die mit ihrem Namen verbunden sind: Henning Voscherau die Hafencity, Ole von Beust die Elbphilharmonie. Jetzt also der Scholz-Tower.

Scholz als sicheres Fundament

Droht unserer Stadt Schaden durch das Ego eines Bürgermeisters, wie bei Ole von Beusts Elbphilharmonie? Ich meine: Nein, ein Desaster wird Olaf Scholz unbedingt verhindern. Sonst ist sein Image, ordentlich zu regieren, ramponiert. Rein privat finanziert wäre das Hochhaus. Kein Cent Steuergeld. Nur die weltweit besten Architekten. Und Investoren, die eine Milliarde Euro stemmen. Alles fließt in einen Knebelvertrag, der unzuverlässige Investoren stoppt. Den hat der Jurist Scholz schon zusammen mit der Hafencity GmbH geschrieben, bevor auch nur ein Wort des Projekts an die Öffentlichkeit kam. Genau das Gegenteil der Elbphilharmonie.

Die Latte liegt hoch

Dennoch bin ich skeptisch, ob der Turm je gebaut wird. Denn Olaf Scholz sagte im Rathaus einen Satz, der das Projekt zum Einstürzen bringen könnte: "Wir wollen das Ganze nur, wenn uns Vorschläge gemacht werden, die jedermann in dieser Stadt überzeugen, die von jeder Zeitungs- und jeder Fernseh-Redaktion in dieser Stadt bejubelt werden."

Damit liegt die Latte noch höher als 200 Meter, dem Maß des Hochhauses. Denn die Nörgler sehen schon wieder das Ende Hamburgs voraus und auch Hamburgs Kulturszene murrt. Es wäre schade, denn dieser Turm markiert: Hamburg traut sich was! Nicht nur der Bürgermeister.

Weitere Informationen

"Elbtower" an den Elbbrücken geplant

Die Hamburger Hafencity soll an ihrem östlichen Ende ein neues Wahrzeichen erhalten. Geplant ist der Bau des Wolkenkratzers "Elbtower", der 200 Meter hoch werden soll. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Der Hamburg-Kommentar | 11.03.2017 | 08:40 Uhr

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