Stand: 30.12.2015 14:47 Uhr

Verfassungsschutz warnt vor Scientology-Flyern

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Nein zu Drogen, aber Ja zu Scientology? Das ist offenbar Zweck dieser Broschüren.

Der Hamburger Verfassungsschutz hat vor einer Anti-Drogen-Kampagne gewarnt, hinter der die als verfassungsfeindlich eingestufte Scientology-Organisation steckt. Seit einigen Wochen verteilt die Organisation grüne Flyer mit dem Titel "Fakten über Drogen" in Geschäften oder privaten Briefkästen. Auf den ersten Blick sieht diese aus wie eine normale Infobroschüre. Hinter dem Verein "Sag Nein zu Drogen - Sag Ja zum Leben" stecke jedoch eine Nebenorganisation von Scientology, warnt der Verfassungsschutz. Dies werde aber an keiner Stelle im Heft erwähnt. Laut Verfassungsschutz habe die Kampagne mit professioneller Drogenaufklärung und Suchthilfe wenig zu tun. Denn die Aktivitäten des Vereins erschöpfen sich im Verteilen von Infoheften. Vordringliches Ziel sei die Gewinnung und Bindung neuer Mitglieder.

Seit Jahren unter Beobachtung

Seit fast 20 Jahren wird die Scientology-Organisation vom Verfassungsschutz beobachtet. Sie verstößt nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung. Seit Jahren geht die Zahl der Anhänger von Scientology zurück. Bundesweit gibt es nach Behördenangaben etwa 3.500 Scientologen, im Einzugsbereich der Hamburger Organisation sind es rund 400.

Auf einen Blick: Scientology

Lafayette Ronald (kurz: L. Ron) Hubbard, Autor von Science Fiction und Selbsthilfe-Literatur, gründete 1954 in Kalifornien die erste "Church of Scientology". Der Begriff Scientology fußt auf dem lateinischen "scientia" (= Wissen) und dem griechischen "logos" (= Rede oder Logik). Die Anhänger der Organisation übersetzen ihn als "Wissen über das Wissen".
Über Psychotechniken vermittelt Scientology laut Hamburger Innenbehörde ihren Mitgliedern das Gefühl, auserwählt zu sein. Gleichzeitig geraten sie in psychische Abhängigkeit.
Laut Verfassungsschutz strebt die Organisation in der Gesellschaft "eine uneingeschränkte Machtposition an." Ihre Strategie sei es, mittels ihrer "überlegenen" Geistestechnologie Schlüsselpersonen in allen gesellschaftlichen Bereichen zu beeinflussen. Ziel sei die "Befreiung des Planeten" und die Errichtung einer "neuen Zivilisation" nach Maßstäben der eigenen Ideologie.
Da dies laut Verfassungsschutz "politisch bestimmten Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung" entspricht, beobachtet er die Aktivitäten der Sekte seit 1997. Andernorts, wie etwa in den USA, genießt die "Church of Scientology" den Status einer steuerbefreiten Religionsgemeinschaft.

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