Stand: 04.01.2016 19:02 Uhr

Urteile im Prozess gegen Eros-Center-Gang

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Vor dem Hamburger Amtsgericht wurden vier Mitglieder der Eros-Center-Gang zu Haftstrafen verurteilt.

Nach dem Überfall auf Türsteher einer Kiez-Diskothek hat das Amtsgericht in Hamburg am Montag vier Mitglieder der sogenannten Eros-Center-Gang zu Haftstrafen zwischen eineinhalb und vier Jahren verurteilt. Der Richter sprach bei der Verkündung der Urteile von einer bedenklichen Nähe der Polizei zur organisierten Kriminalität, wie NDR 90,3 berichtete.

Blutiger Streit vor Diskothek

In dem Prozess ging es um einen Vorfall im Januar des vergangenen Jahres. Mitglieder der Eros-Center-Gang hatten Security-Mitarbeiter einer Diskothek im Stadtteil St. Pauli überfallen, nachdem diese sie an der Tür abgewiesen hatten. Der Hauptangeklagte erhielt eine Gesamtstrafe von vier Jahren, wie ein Gerichtssprecher sagte. Er soll unter anderem einem Mann mehrere Zähne ausgeschlagen haben. Darum wurde der Angeklagte auch zur Zahlung eines Schmerzensgeldes von 10.000 Euro verurteilt. Ein Mitangeklagter muss für drei Jahre und einen Monat ins Gefängnis, ein weiterer für zwei Jahre und drei Monate. Nur der jüngste der vier Männer kam mit einer Bewährungsstrafe von anderthalb Jahren davon. Er muss allerdings 300 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Richter: Selbstjustiz darf nicht geduldet werden

Ein fünfter Täter, der einem Security-Mitarbeiter ins Fußgelenk geschossen hatte, ist auf der Flucht. Die Tat sei eine gezielte Racheaktion gewesen, sagte der Richter in seiner Urteilsbegründung. "Wir müssen deutlich machen, dass Selbstjustiz und Bestrafungsaktionen nicht geduldet werden", so der Richter.

Prozess im ersten Anlauf geplatzt

Im ersten Anlauf war der Prozess Ende Juli vergangenen Jahres geplatzt. Ein Schöffe hatte vertraulichen Kontakt mit einer Verteidigerin aufgenommen und ihr anzügliche E-Mails geschickt. Daraufhin hatte das Gericht einem Befangenheitsantrag der Staatsanwaltschaft stattgegeben.

Rechtsfreie Räume im Rotlichtmilieu?

Im Verlauf des Prozesses kamen auch die Machtstrukturen auf dem Kiez zur Sprache. Dabei wurde deutlich, dass offenbar der frühere Betreiber des Eros-Centers das Sagen hatte. Und dieser wurde auch von der Polizei als Vermittler hinzugezogen, wenn es Probleme im Milieu gab. Durch diese Nähe der Polizei zur organisierten Kriminalität herrschten im Hamburger Rotlichtmilieu nahezu rechtsfreie Räume, sagte der Richter. Der frühere Betreiber des Eros-Centers selbst konnte dazu nicht vernommen werden. Er ist seit Wochen im Kosovo untergetaucht.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 04.01.2016 | 16:00 Uhr