Stand: 17.02.2016 06:00 Uhr

Uni Hamburg: Holzwirtschaftsstudium vor dem Aus?

Großer Wirbel um einen kleinen Studiengang: In Hamburg gibt es Überlegungen, den Studiengang Holzwirtschaft zu schließen. Denn der zuständige Fachbereich Biologie muss sparen. "Na und?" werden jetzt viele denken. Doch so unwichtig sind Holzwirte nicht - und das Zentrum für Holzwirtschaft an der Uni gilt sogar als international führendes Forschungszentrum.

Mammutbäume wachsen zwischen Los Angeles und Seattle - und in Hamburg-Lohbrügge. Hier, am Uni-Campus im Südosten der Hansestadt kennt man sich mit Holz aus. Auch Buchen und Eichen stehen auf dem Gelände. Aber so standfest wie die Bäume ist der Studiengang Holzwirtschaft möglicherweise nicht.

Angespannte Stimmung wegen Sparmaßnahmen

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Für Ökonomie-Professor Udo Mantau und seine Studenten gibt es keine Gründe, warum der Studiengang abgesägt werden sollte.

Sandra Mader studiert Holzwirtschaft im fünften Semester. Die Stimmung unter den Kommilitonen sei unruhig, sagt sie. Auf einer Vollversammlung sei deutlich geworden, dass wegen der bevorstehenden Sparpläne der gesamte Bereich Holzwirtschaft gestrichen werden soll.

Der Studiengang Holzwirtschaft gehört zum Fachbereich Biologie. Bis 2020 muss dieser 1,5 Millionen Euro einsparen - etwa zehn Prozent seines Etats. Die gesamte übergeordnete sogenannte MIN-Fakultät mit den naturwissenschaftlichen Fächern ist von Einsparungen betroffen.

"Holzwirte werden gesucht"

Udo Mantau ist Ökonomie-Professor bei der Holzwirtschaft. Um die Auflagen zu erfüllen, habe er mit seinen Kollegen bereits einen Sparvorschlag gemacht, sagt er. Offenbar vergeblich: "Der Fachbereich, der eine Empfehlung abgeben kann, hat sich so entschieden, dass er den Studiengang Holzwirtschaft als Ganzes streichen möchte."

Mantau vermutet, der Fachbereich wolle sich auf sogenannte Exzellenzinitiativen konzentrieren - zu Lasten der Holzwirtschaft. Der Studiengang ist klein: 250 Studenten, 60 Angestellte. Kein Grund ihn abzuwickeln, so Mantau. Er sei der einzige Studiengang in dieser Form in Deutschland. "Die Studierenden finden reißenden Absatz. Heute beschäftigen sich auch die Energie- und die Abfallwirtschaft mit Holz." Ebenso seien Holzwirte in der Chemiebranche und im Maschinenbau gefragt.

Erforschung neuer Verarbeitungswege

Das gilt auch für das Thema Nachhaltigkeit. Holz spielt als nachwachsender Rohstoff eine zunehmend wichtige Rolle, neue Verarbeitungswege werden derzeit erforscht. Der Studiengang arbeitet mit  anderen Forschungseinrichtungen zusammen. Darunter ist auch das Thünen-Institut, das dem Bundeslandwirtschaftsministerium zugeordnet ist.

SPD-Abgeordneter besorgt

Die Politik vor Ort hat bereits reagiert. Gerhard Lein ist SPD-Wahlkreisabgeordneter in Hamburg-Bergedorf und Mitglied im Wissenschaftsausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft. Er könne die Sorgen der Studenten und Professoren in der Holzwirtschaft nachvollziehen und wolle nun Gespräche mit allen Beteiligten führen. "Dass die große MIN-Fakultät in Hamburg den Standort Lohbrügge ins Gespräch gebracht hat, macht mir schon Sorge", sagt Lein.

Die Unileitung Hamburg will sich zu der möglichen Schließung der Holzwirtschaft nicht äußern. Begründung: Es finde derzeit eine fachbereichsinterne Diskussion statt und es gebe noch keine Beschlüsse der zuständigen Gremien. Zurückhaltung auch in der Wissenschaftsbehörde: Man wolle dem "Meinungsbildungsprozess nicht vorgreifen", hieß es auf Anfrage von NDR Info.

Reaktion aus Brüssel

Die Studenten und Professoren haben die Information über eine mögliche Schließung derweil breit gestreut. Reaktionen gibt es sogar schon aus Brüssel, von der europäischen Papierindustrie. Das Zentrum für Holzwirtschaft sei in der Diskussion um erneuerbare Energien enorm wichtig, heißt es in einem Schreiben an die Wissenschaftssenatorin in Hamburg.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 17.01.2016 | 08:20 Uhr