Stand: 04.02.2016 09:05 Uhr

Tourismus-Chef von Albedyll tritt zurück

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Hamburgs Tourismus-Chef von Albedyll war vor seinem Rücktritt in die Kritik geraten.

Mehr als zwei Jahrzehnte hat er das Gesicht Hamburgs in der Welt mitgeprägt - als Chef von Hamburg Marketing und der Hamburg Tourismus GmbH. Am Mittwoch ist Dietrich von Albedyll zurückgetreten, nachdem Vorwürfe gegen ihn bekannt geworden waren.

Vor Ausscheiden eigene Firma gegründet

Er wolle Schaden von Unternehmen, der Stadt und seiner Person abwenden, erklärte von Albedyll zur Begründung seines Rücktritts. Der 65-Jährige hatte vor gut einem Monat eine eigene Firma gegründet: die Albedyll Tourismus GmbH. Und das, während er noch in Diensten der Hamburg Tourismus GmbH stand - einer Gesellschaft, die mehrheitlich der Stadt gehört. Sein Vertrag sollte eigentlich Ende März enden. Mit-Geschäftsführer der neuen Firma ist ein langjähriger Auftragnehmer der Hamburg Tourismus GmbH, der PR-Unternehmer Wolfgang Raike.

"Gefährliche Interessensverquickung"

Die Oppositionsparteien die Linke und die CDU hatten in diesem Zusammenhang von einem "Geschmäckle" und "gefährlicher Interessenkollision" gesprochen. Noch am Dienstagabend wurde von Albedyll zu einem Krisentreffen in die Wirtschaftsbehörde einbestellt, wie NDR 90,3 berichtete. Dort bekam er einen Katalog von Fragen. Parallel zu den Antworten erklärte er jetzt seinen Rücktritt. Es sei eine schwierige Entscheidung gewesen, so von Albedyll. Er habe sich aber nichts vorzuwerfen. Staatsrat Andreas Rieckhof, der gleichzeitig Aufsichtsratschef von Hamburg Tourismus ist, dankte von Albedyll: "Dietrich von Albedyll hat einen hohen persönlichen Anteil an der hervorragenden Entwicklung, die der Tourismus in Hamburg genommen hat." Rieckhof versprach aber auch, dass alle Vorwürfe lückenlos aufgeklärt werden.

Reaktionen: "Überfällig", "strukturelle Probleme", "weggeduckt"

Stefan Jersch, tourismuspoltischer Sprecher der Linken, nannte den Rückzug von Albedylls überfällig. Thilo Kleibauer von der CDU sprach von strukturellen Problemen, die der Senat zu lösen habe. Es müsse verhindert werden, dass ein Geschäftsführer der Stadt Insiderinformationen aus aktuellen Projekten kurz nach seinem Ausscheiden privat vermarktet. Michael Kruse von der FDP warf dem Wirtschaftssentor Frank Horch (parteilos) vor, sich im Fall von Albedyll wegzuducken.

Linke fordert Karenzregelung für Top-Manager städtischer Unternehmen

Die Bürgerschaftsfraktion der Linken verlangte, Karenzregelungen für Senatoren auch auf Top-Manager städtischer Firmen auszudehnen. Das würde bedeuten, dass Berufsaussteiger eine gewisse Zeit verstreichen lassen müssen, bevor sie mit ihrem im Beruf erworbenen Insider-Wissen eigene Geschäfte tätigen können.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 03.02.2016 | 15:00 Uhr