Stand: 13.10.2017 15:22 Uhr

Studie: Hamburger Viertklässler belegen Platz 12

Bundesweit haben sich die Viertklässler innerhalb der vergangenen fünf Jahre in Mathe und Deutsch verschlechtert, in Hamburg fiel das Ergebnis im Vergleich insgesamt besser aus: Das ist das Resultat der Studie IQB-Bildungstrend 2016, die die Kultusministerkonferenz (KMK) am Freitag in Berlin veröffentlicht hat. Demnach hat sich das Niveau von Hamburgs Viertklässlern in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt in Mathematik und beim Zuhören kaum verändert, dafür geht es beim Lesen bergauf. Deutliche Schwächen haben die Grundschüler der Hansestadt weiter bei der Rechtschreibung.

Um zwei Plätze verbessert

Nach der Studie hat sich Hamburg unter den 16 Bundesländern im Vergleich zur Leistungserhebung 2011 von Platz 14 auf Rang 12 verbessert, liegt damit aber weiter im unteren Drittel. "Das sollte uns Mut machen - aber wir können und wollen noch weiter nach vorn kommen", erklärte Schulsenator Ties Rabe (SPD). Für ihn ist klar: "Ohne ausreichend Lehrer kann es keinen Bildungserfolg geben."

Bald Lehrer ohne Lehramtsstudium?

Gegen den Lehrermangel seien kurzfristige Schritte und längerfristige Konzepte nötig, sagte Rabe. Er zeigte sich offen dafür, verstärkt Uniabsolventen ohne Lehramtsstudium einzustellen. Der IQB-Bildungstrend zeige, dass es richtig gewesen sei, eine Mathe- und Rechtschreiboffensive zu starten.

Während sich die Leistungen in Mathe auf der sogenannten 500er-Skala laut Schulbehörde bundesweit um minus 17 Punkte verschlechterten, blieben sie in Hamburg mit minus 1 Punkt nahezu stabil. Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Zuhören: Im Bereich Lesen kann Hamburg als einziges Bundesland um neun Punkte zulegen. "Hamburg kann sich klar vom schlechten Bundestrend absetzen", erklärte Rabe. "Kein anderes Land hat den Bundestrend so deutlich überflügelt."

Bei der Rechtschreibung hapert es

In der Rechtschreibung erreicht der Studie zufolge nicht einmal jeder vierte Grundschüler aus Hamburg den Mindeststandard. Ein Sprecher der Schulbehörde wies aber darauf hin, dass die Grundlage der Werte im Bereich der Orthografie für die Hansestadt nicht repräsentativ seien. Der Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund liegt in den Stadtstaaten wie Hamburg höher als im Bund.

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Der IQB-Bildungstrend 2016

Die komplette Studie finden Sie auf der Seite des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen - auch die Ergebnisse aus den norddeutschen Ländern. extern

Die schulpolitische Sprecherin der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Birgit Stöver, erklärte, Rabe müsse sich die Frage stellen, ob die Gelder für die Bildung effektiv eingesetzt würden. "Das alles vor dem Hintergrund, dass kein Land pro Grundschüler mehr Geld ausgibt als Hamburg." Die Linken-Schulexpertin Sabine Boeddinghaus sagte, die Grundschulen bräuchten mehr Unterstützung bei der Inklusion und der Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund.

30.000 Kinder haben teilgenommen

Seit der Vorgängererhebung 2011 hat sich die Zusammensetzung der Schülerschaft verändert. Der Anteil der Viertklässler mit Migrationshintergrund hat sich bundesweit durch den Flüchtlingszuzug auf 34 Prozent erhöht. Die Studie wurde im Auftrag der Kultusminister der Länder vom Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) an der Humboldt-Universität zu Berlin erstellt. Teilgenommen haben rund 30.000 Schüler der vierten Jahrgangsstufe aus allen 16 Ländern. Seit der Vorgängererhebung 2011 hat sich die Zusammensetzung der Schülerschaft verändert. Der Anteil der Viertklässler mit Migrationshintergrund hat sich bundesweit durch den Flüchtlingszuzug auf 34 Prozent erhöht.

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