Stand: 01.09.2015 16:16 Uhr

"Stimmen des Nordens" gegen Fremdenhass

Zahlreiche Prominente setzen sich für die Aktion "Stimmen des Nordens" ein.

Mit der Aktion "Stimmen des Nordens" wehren sich Prominente aus Politik, Kirche, Unterhaltung und Kultur gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus. Zu den mehr als 70 Beteiligten zählen die Sänger Udo Lindenberg und Roger Cicero, Bischöfin Kirsten Fehrs und die Ministerpräsidenten Torsten Albig (Schleswig-Holstein), Stephan Weil (Niedersachsen) und Erwin Sellering (Mecklenburg-Vorpommern). Ihre Videos sind auf der Internetseite des Projekts zu sehen.

Stimmen für Weltoffenheit und Toleranz

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Moderator Pilawa: Keiner verlässt sein Land freiwillig.

Keiner verlasse sein Land freiwillig, sagte Moderator Jörg Pilawa am Dienstag bei der Präsentation. Wenn Menschen, die so viel in ihrer Heimat aufgegeben und sich Gefahren ausgesetzt hätten, hier nicht willkommen seien, beschäme ihn das nicht nur. "Das macht mich so was von wütend, dagegen muss man die Stimme erheben", sagte Pilawa. Er selbst habe bei seinen zahlreichen Afrika-Reisen eine herzliche Gastfreundschaft erlebt. Ziel der Aktion ist es, dass möglichst viele Menschen ihre Stimme für Weltoffenheit und Toleranz erheben. Jeder Einzelne kann ab sofort ein Statement als Video-Selfie per Whatsapp oder per E-Mail an die Seite senden oder auch auf Facebook teilen. Dabei könne es sich um Argumente oder persönliche Erlebnisse handeln, sagte Initiator Max-Fabian Wolff-Jürgens. "Egal ob gesprochen, gesungen oder gerappt, sachlich oder ärgerlich, poetisch oder klare Kante." Wichtig sei, dass viele spontan und engagiert mitmachen.

"Da müssen wir wirklich helfen"

Die Flüchtlinge, die derzeit nach Deutschland kommen, hätten unvorstellbares Grauen erlebt, sagte NDR Moderator Carlo von Tiedemann. "Da müssen wir wirklich helfen." Die Flüchtlinge wüssten, ergänzte Jörg Pilawa, dass jeder 50. bei der Überfahrt auf dem Mittelmeer ertrinkt. Promi-Model Micaela Schäfer berichtete davon, wie sie früher als dunkelhäutiges Mädchen große Angst vor Rechtsradikalen gehabt habe. Es müsse mehr Begegnungen zwischen Deutschen und Flüchtlingen geben, forderte Sänger Gunter Gabriel.

"Position beziehen und Video verschicken"

Initiator der Aktion ist der 20-jährige Hamburger Schauspielschüler Max-Fabian Wolff-Jürgens, der bereits die Aktion "Jung gegen Rechts" gegründet hat. "Stimmen des Nordens" verstehe sich als Willkommenszeichen für die Flüchtlinge und als Aufforderung an die Politik, mehr Menschlichkeit zu zeigen, sagte Wolff-Jürgens. Die Beteiligung sei denkbar einfach: "Smartphone nehmen, Position beziehen und Videoaufnahme verschicken." Auch wenn die Aktion "Stimmen des Nordens" heißt, dürften sich auch Menschen aus Süddeutschland beteiligen. Für Flüchtlinge läge schließlich ganz Deutschland im Norden, ergänzte Erotik-Moderatorin Lilo Wanders.

Beteiligt mit eigenen Videos sind die Ohnsorg-Schauspielerin Heidi Mahler, der ehemalige Michel-Hauptpastor Helge Adolphsen, die beiden Alt-Bürgermeister Hans-Ulrich Klose und Ortwin Runde (beide SPD), Ex-Tagesschau-Sprecher Jo Brauner und Roncalli-Direktor Bernhard Paul. Die "Dandys" haben eigens einen Song für die Aktion komponiert. Die Videos werden auf der Internetseite, bei Facebook und im YouTube-Kanal zu sehen sein. Um Missbrauch zu verhindern, sollen sie aber vorher geprüft werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 01.09.2015 | 17:00 Uhr