Stand: 02.03.2016 20:15 Uhr

Sexarbeiter formieren sich gegen Gesetz

Das geplante Prostitutionsschutzgesetz ist hoch umstritten: Seit Mittwoch diskutieren Sexarbeiter auf einem dreitägigen Kongress in Hamburg, wie sich das Gesetzesvorhaben auf ihren Arbeitsalltag auswirken wird.

Konrgess der Sexarbeiterinnen in Hamburg

Bundesweiter Kongress zur Sexarbeit

Hamburg Journal -

Die offene Fachtagung berät über Themen wie Migration in der Sexarbeit, Straßenprostitution sowie die Auswirkungen von Sperrgebietsverordnungen.

3,29 bei 7 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

"Ein Unding"

Eine von ihnen ist Undine de Rivière: Außer ihrem Personalausweis solle sie künftig noch eine weiteres amtliches Papier in ihrer Handtasche mit sich führen, sagt die 42-Jährige - einen Hurenausweis, wie sie es nennt. Die Bundesregierung will nämlich, dass sich alle Prostituierten künftig registrieren lassen. "Ein Unding", sagt die Sprecherin des Berufsverbandes für erotische und sexuelle Dienstleistungen. "Das Ganze nennt sich Prostituiertenschutzgesetz. Von Schutz ist in diesem Gesetz leider nicht viel für uns zu sehen sehen, es ist ein Überwachungs- und Kontrollgesetz, was uns aktiv schadet, uns aktiv gefährdet."

"Holt uns aus der Schmuddelecke"

Bild vergrößern
Sexarbeiterin Undine de Rivière: "Von Schutz ist in diesem Gesetz leider nicht viel für uns zu sehen sehen."

Die Registrierungspflicht dränge viele Sexarbeiterinnnen nur in die Illegalität. Auch weitere Eckpunkte des geplanten Gesetzes sehen Praktikerinnen, Soziologen und Juristen kritisch. So auch die Kondompflicht für Freier: Wie bitte schön soll das denn kontrolliert werden?, fragen viele. "Wenn Ihr uns wirklich helfen und schützen wollt, holt unseren Berufsstand aus der Schmuddelecke", sagt Undine de Rivière. "Gewalt gegen Sexworker ist eine direkt Folge des Stigmas."

Sie wünsche sich mehr Rechte für sich und ihre Kolleginnen und anonyme Beratungsangebote. Nur so könnten zum Beispiel auch illegale und misshandelte Prostituierte erreicht werden.

Kritik auch von Fegebank

Hamburgs Zweite Bürgermeister Katharina Fegebank (Grüne) äußerte sich bei ihrer Rede auf dem Kongress am Berliner Tor ebanfalls skeptisch zu Plänen einer Pflicht zu Anmeldung und Beratung für Sexarbeiter. Das Ziel, Frauen zu schützen, Selbstbestimmung zu stärken und Menschenhandel zu beschränken, unterstützte sie uneingeschränkt. "Ich frage mich allerdings, ob die bisher vorliegenden Eckpunkte des Gesetzes diese Ziele erreichen werden", sagte Fegebank.

Gesetz soll 2017 kommen

Mitte 2017 soll in Deutschland soll das neue Gesetz in Kraft treten. Die schwarz-rote Koalition in Berlin hat sich nach langem Ringen auf Eckpunkte geeinigt. Ende März soll der Entwurf im Bundeskabinett beraten werden. Vorgesehen sind unter anderem eine Kondompflicht und schärfere Regeln für die Zulassung von Bordellbetreibern. Die Prostituierten müssen künftig einmal im Jahr zum Gesundheitsamt und sich beraten lassen. Zudem müssen sie sich im Zwei-Jahres-Rhythmus bei einer Behörde anmelden. Gegen die Pläne regt sich aber Widerstand bei Prostituierten und Verbänden.

Weitere Informationen

Widerstand gegen Prostituiertenschutzgesetz

Gegen das geplante Prostituiertenschutzgesetz formiert sich Widerstand bei Prostituierten und Verbänden. Am Mittwoch treffen sich Sexarbeiter aus ganz Deutschland in Hamburg. (28.02.2016) mehr

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 02.03.2016 | 19:30 Uhr