Stand: 22.03.2016 14:31 Uhr

Ohlsdorfer Friedhof: Ideen der Hamburger gefragt

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Seit 1995 ist der Anteil der Sargbeisetzungen von 40 auf fast 25 Prozent gesunken.

Der Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg soll komplett umgestaltet werden. Weil es weniger Sargbeisetzungen gebe und sich die Bestattungskultur verändere, gebe es auf dem Friedhof viele Flächen, die sich neu nutzen ließen, sagte Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) am Dienstag. Vorstellbar seien etwa Obstwiesen oder Blumengärten, das Angebot von Kutschfahrten und die kulturelle Nutzung ausgedienter Kapellen.

Hamburger sollen ihre Ideen einbringen

Finanzielle Unterstützung bekommt Hamburg vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau- und Reaktorsicherheit, das "die nachhaltige Sicherung und Entwicklung des weltgrößten Parkfriedhofs" bis 2018 mit zwei Millionen Euro fördern will. Die Stadt beteiligt sich laut Kerstan mit einer weiteren Million Euro. Der Senator appellierte an alle Hamburger, sich aktiv mit eigenen Ideen und Vorstellungen einzubringen. Maßgeblich für die Umgestaltung unter dem Motto "Ohlsdorf 2050" sei allerdings, dass alle Neuerungen "in sensiblem Einklang" stehen müssen mit dem Parkfriedhof als Trauer- und Gedenkort. Auch der Naturraum des Kultur- und Gartendenkmals dürfe nicht angetastet werden.

Friedhofsfläche könnte halbiert werden

Erste Überlegungen sehen laut Umweltbehörde vor, dass Beisetzungen sich künftig auf eine Friedhofsfläche von rund 100 Hektar konzentrieren und neue Grabstätten nur noch auf diesen Flächen vergeben werden. Dieser Plan kommt einer annähernden Halbierung der bislang für Gräber vorgehaltenen Flächen gleich. Die Zahl der Beisetzungen in Hamburg hat den Angaben zufolge seit 1995 um 22 Prozent abgenommen. Der Anteil der Sargbeisetzungen sei um 40 Prozent auf fast 25 Prozent zurückgegangen.

Friedhofsführungen informieren über Pläne

Die Hälfte des insgesamt 400 Hektar großen Friedhofs wird bereits heute als Parkfläche genutzt. Hamburger Haushalte bestehen zu mehr als 50 Prozent aus nur einer Person. Viele Kapellen des Friedhofs bleiben leer, weil viele Abschiede ohne Trauerfeiern stattfinden. Derzeit sind etwa 250 Mitarbeiter auf dem Friedhof Ohlsdorf beschäftigt. Bis zu 30.000 Menschen kommen pro Jahr. Sie besuchen die Gräber oder nutzen das weitere Areal zum Spazierengehen.

Ab sofort soll es thematische Friedhofsführungen geben, die über die Pläne zur Umgestaltung informieren. Entsprechende Info-Tafeln sollen nicht nur auf dem Friedhof, sondern auch in angrenzenden Stadtteilen platziert werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 22.03.2016 | 17:00 Uhr