Stand: 12.08.2017 08:40 Uhr

Messerattacke von Barmbek: Späte Einsicht

von Kristine Jansen

Ist die Sicherheit der Hamburger bei Rot-Grün in guten Händen? Nach den Krawallen beim G20-Gipfel und der tödlichen Messerattacke von Barmbek schießt die Hamburger Opposition sich auf dieses Thema ein.

Bild vergrößern
NDR 90,3 Landespolitikchefin Kristine Jansen kommentiert die Aufarbeitung der Messerattacke von Barmbek.

Stunden vor dem Innenausschuss der Bürgerschaft erkannte bereits die FDP, das "Staatsversagen" von Rot-Grün sei nicht weiter hinnehmbar. Mildere Töne erst nach dem Ausschuss. Auch die CDU sieht strukturelle Fehler, will einzelnen Polizeibeamten aber keinen Vorwurf machen. Für die AfD ist die Sache ganz klar: zu viele Flüchtlinge im Land bedeuten Gefahr für die Deutschen. Daran sei Angela Merkel ebenso schuld wie Rot-Grün in Hamburg. Und die Linke hat auch einen Punkt: traumatisierte Flüchtlinge leiden in erster Linie selbst unter ihrer langen Flucht und der Ungewissheit. Ihnen wird zu wenig geholfen.

Fehlendes Zusammenspiel der Behörden

Dass im Fall des späteren Attentäters Ahmad A. Fehler gemacht worden sind, ist gar keine Frage. Erfreulich unumwunden ist die IAnalyse des Innensenators Andy Grote. Es ist wie so oft, wie auch bei den tragischen Fällen von Kindern, die in Hamburg verhungerten oder zu Tode geschüttelt wurden: das fehlende Zusammenspiel der Behörden, der Fall ging durch zu viele Hände. Bei Ahmad A. wurde zudem die Abschiebefrist versäumt. Und Stand jetzt: ein Ermittler traute sich eine Gefahreneinschätzung zu, die eigentlich ein Experte des Landeskriminalamtes hätte treffen müssen. Der Polizeibeamte schätzte Ahmad A. als labil aber ungefährlich ein und legte deshalb die psychologische Begutachtung in die Hände der Unterkunft. Ein fataler Fehler, wie sich im Nachhinein zeigt.

Ahmad A. blieb unter dem Radar

2.000 sogenannte besondere Vorkommnisse mit Flüchtlingen registrierte der zuständige Träger fördern & wohnen im Jahr. Ahmad A. fiel jedoch kein einziges Mal auf. Im gesamten Jahr 2017 kein lautes Beten mehr, keine Drogen - er kooperierte. Er bemühte sich um einen Sprachkurs. Noch am Tattag wollte er ausreisen.

Für die Zukunft besser aufgestellt?

Das entlastet die Sicherheitsbehörden nur teilweise. Tatsache bleibt: ein besser abgestimmtes Verfahren hätte schon 2016 zur Abschiebung führen können. Jetzt gibt es neue Vorschriften, die zügigeres Handeln gewährleisten sollen. Und neues Personal soll ins LKA, auch Psychologen und Islamwissenschaftler. Dahinter steht die Erkenntnis: Sicherheit ist nicht nur Innenpolitik sondern immer auch Sozialpolitik. Für Mathias P., den Ahmad A. in Barmbek erstach, kommt diese Einsicht zu spät.

Weitere Informationen

Messerangriff: Behörden ziehen Konsequenzen

Nach der Messerattacke von Barmbek wollen die Sicherheitsbehörden Konsequenzen ziehen. Hamburgs Innensenator Grote räumte vor dem Innenausschuss der Bürgerschaft Fehler der Behörden ein. (09.08.2017) mehr

Messerangreifer wollte mehr Menschen töten

Ahmad A., der in Hamburg mit einem Messer Passanten angegriffen hat, bedauert, nicht mehr Menschen getötet zu haben. Dies erklärte er nach Informationen von NDR, WDR und "SZ" in einer Vernehmung. (09.08.2017) mehr

Trepoll: Sicherheitsempfinden hat gelitten

Warum wurde der Messer-Angreifer von Barmbek trotz entsprechender Hinweise nicht genauer beobachtet? Im Interview mit NDR 90,3 fordert Hamburgs CDU-Fraktionschef Trepoll Aufklärung. (03.08.2017) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Der Hamburg-Kommentar | 12.08.2017 | 08:40 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

01:25

Großbrand in Barmbek-Uhlenhorst

17.12.2017 19:30 Uhr
Hamburg Journal
00:32

Friedenslicht in Hamburg angekommen

17.12.2017 19:30 Uhr
Hamburg Journal
02:11

Tipps zum Weihnachtsbaumkauf

17.12.2017 19:30 Uhr
Hamburg Journal