Stand: 30.07.2017 18:14 Uhr

Messerangreifer: Nachbarn hatten Angst vor ihm

Der Messerstecher von Barmbek - er ist kein Unbekannter in der Flüchtlingsunterkunft in Hamburg-Langenhorn. Hier wohnte der 26-jährige abgelehnte Asylbewerber, bevor er am Freitag in einem Supermarkt einen Mann tötete und mehrere Menschen verletzte. Die Stimmung in dem Flüchtlingsheim ist seitdem gedämpft.

"Verschlossen und unheimlich"

Trauer, Wut und Unsicherheit sind spürbar. Viele Anwohner haben ein mulmiges Gefühl. Hardi, ein junger Afghane, beschreibt den 26-Jährigen als "verschlossen und unheimlich".

Zimmernachbar hatte Angst

Agim Fejza aus dem Kosovo ist dem 26-Jährigen öfter begegnet - er war sein direkter Zimmernachbar. "Ich habe mehrfach gesagt: Bitte machen Sie etwas, der Mann ist aggressiv. Meine Frau hatte viel Angst und auch meine Kinder."

"Keine Überraschung"

Er habe sein Zimmerfenster fast nie öffnen können, sagt Fejza, immer habe es nach Cannabis gerochen. Vielleicht zehn Mal pro Tag habe der 26-Jährige einen Joint geraucht. "Er ist ein psychisch kranker Mann", sagt Fejza. Dass etwas passiert ist, sei für ihn keine Überraschung. Er ist erleichtert, dass der Mann jetzt eingesperrt ist.

Menschen aus vielen verschiedenen Ländern

In dem Flüchtlingsheim leben Menschen aus vielen verschiedenen Ländern. "Wir sind zusammen mit Afrikanern, Türken, Arabern", sagt ein afghanischer Bewohner. Eine Frau erklärt: "Man hat Angst, weil hier so viele Leute sind, man kennt sie nicht gut." Sie fürchtet, dass noch etwas passieren könnte. "Es ist schrecklich, meine Familie will hier weg und nachts nicht mehr raus", sagt ein Mann.

Betroffenheit bei deutschen Anwohnern

Viele deutsche Anwohner bedauern die Unruhe, die jetzt entstanden ist. Einer von ihnen ist Ronald Bücker. "Es ist ein Jammer für die Anlage", sagt er. Er sei selbst seit zwei Jahren aktiv im "Willkommensteam" und möchte den Leuten im Flüchtlingsheim seine Solidarität zum Ausdruck bringen: "Sie werden es alle noch schwerer haben, einen Praktikumsplatz oder einen Arbeitsplatz zu bekommen", sagt Bücker. "Mir geht das persönlich sehr nahe." In der Diskussion nach der Messerattacke fordern nun viele eine konsequentere Abschiebepraxis.

Messerattacke im Supermarkt

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 30.07.2017 | 17:45 Uhr

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