Stand: 09.02.2016 14:30 Uhr

Schlick-Problem: Hoffnung für Hamburg

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Saugbagger wie die "Alexander von Humboldt" bringen den Schlick aus dem Hamburger Hafen.

Schleswig-Holstein wird in Zukunft deutlich mehr Hafenschlick aus Hamburg annehmen: Das Kieler Kabinett hat am Dienstag beschlossen, dass in den kommenden fünf Jahren Sedimente in der Nordsee verklappt werden können - ohne dass es eine Obergrenze gibt. Die Regelung kann um weitere fünf Jahre verlängert werden.

Kontingent beinahe aufgebraucht

"Der Handlungsdruck ist groß. Die Schiffbarkeit des Hamburger Hafens ist bereits deutlich beeinträchtigt, weil sich zu viel Schlick ansammelt", sagte Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne). Das Land sei deshalb bereit, Hamburg zu helfen. Bislang darf lediglich Schlick aus dem Hauptfahrwasser der Elbe in die Nordsee gebracht werden. Und das auch nur mit einem streng begrenzten Kontingent, das beinahe aufgebraucht ist.

Fahrrinne oder Hafenbecken? Bald egal

Schlick aus den Hafenbecken schafft Hamburg bisher in der Regel zur Elbinsel Neßsand. Von dort wird er meist innerhalb weniger Tage wieder zurück in den Hafen gespült. Aufgrund der neuen Vereinbarung könne diese umstrittene Kreislaufbaggerung reduziert werden, sagte Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne). In Zukunft wird nicht mehr unterschieden, wo der Schlick liegt - in der Fahrrinne oder in den Hafenbecken.

Fünf Euro pro Tonne Trockenmasse

Wie in den vergangenen Jahren soll der Schlick auch in Zukunft in das Seegebiet Tonne E3 vor Helgoland gebracht werden. Habeck sprach von der "am wenigsten bedenklichen ökologischen Variante". Hamburg zahlt dafür zahlt im Gegenzug fünf Euro pro Tonne Trockengewicht an die Stiftung Nationalpark, etwas mehr als bislang.

Zulassung noch nicht geklärt

Die Stadt verpflichtet sich, dafür zu sorgen, dass weniger Schlick anfällt, sagte Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos). "Wir werden Strombaumaßnahmen entwickeln und umsetzen, damit das anfallende Baggergut nachhaltig reduziert werden kann." Noch aber sind nicht alle Details geklärt. Damit der Schlick in Zukunft in die Nordsee gebracht werden kann, braucht Hamburg noch eine wasserrechtliche und eine naturschutzrechtliche Zulassung. Daran will Schleswig-Holstein auch Umweltverbände, Fischer und die Tourismuswirtschaft beteiligen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 09.02.2016 | 14:00 Uhr