Stand: 18.08.2017 14:24 Uhr

Hanseat und Comeback-Spezialist

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Seit seiner Kindheit ist Hamburg seine Heimat: Olaf Scholz.

Olaf Scholz ist seit Jahrzehnten eine prägende Figur in der SPD. Lange pendelt er zwischen Landes- und Bundespolitik hin und her. Er ist stellvertretender Juso-Chef, Hamburgs Innensenator, Gerhard Schröders Generalsekretär, Bundesarbeitsminister und schließlich bringt er die SPD 2011 in Hamburg zurück an die Macht. Im November 2016 bringt SPD-Parteichef Sigmar Gabriel Hamburgs Ersten Bürgermeister sogar als Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl 2017 ins Gespräch - bis die Wahl auf Martin Schulz fällt.

In Hamburg-Altona verwurzelt

Scholz wird am 14. Juni 1958 in Osnabrück als Sohn von Kaufleuten im Textilgewerbe geboren. In Hamburg wächst er auf und tritt bereits mit 17 Jahren in die SPD ein. Anschließend studiert er Rechtswissenschaften und lässt sich in Hamburg-Altona nieder, wo er bis heute mit seiner Frau, der Politikerin Britta Ernst, wohnt und sich tief verwurzelt fühlt. Schon seine Großeltern stammen aus Altona.

Von 1982 bis 1988 ist er stellvertretender Juso-Chef. Zehn Jahre später schafft es Scholz zum ersten Mal in den Bundestag - bei der Wahl 1998, die den Regierungswechsel zu Rot-Grün unter Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) zur Folge hat. Vor seiner Zeit als Bundestagsabgeordneter hat Scholz jahrelang als Fachanwalt für Arbeitsrecht gearbeitet.

"Liberal, aber nicht doof"

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Scheute als Hamburger Innensenator keine harten Maßnahmen.

Hamburgs damaliger Bürgermeister Ortwin Runde (SPD) ernennt Scholz 2001 für wenige Monate zum Innensenator. Er löst den glücklosen Hartmuth Wrocklage (SPD) ab und versucht energisch, gegen Kriminalität durchzugreifen. Scholz stoppt den Stellenabbau bei der Polizei, kündigt Programme gegen Jugendkriminalität und harte Maßnahmen gegen Drogendealer an. Außerdem fordert er einen schärferen Umgang mit radikal-islamischen Vereinigungen. Bekannt wird sein Spruch: "Ich bin liberal, aber nicht doof."

Dann verliert die Hamburger SPD die Wahlen gegen die CDU unter Ole von Beust, die Schill-Partei und die FDP - nicht zuletzt auch aufgrund der Verluste der Grünen, damals noch GAL. Bei der darauffolgenden Bundestagswahl kehrt Scholz zurück ins Parlament in Berlin.

Schröders treuer General

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Scholz ist bekannt für seinen Arbeitseifer, wird aber auch kritisiert für mangelnde Basisnähe.

Ende 2001 wird er in den Bundesvorstand der Sozialdemokraten gewählt. Der damalige SPD-Vorsitzende Schröder macht ihn 2002 zum Generalsekretär. Gelobt wird er unter anderem für seinen unermüdlichen Arbeitseifer und seine Intelligenz. Er gilt als Organisationstalent und Strippenzieher, aber es gibt auch andere Stimmen. Kritiker werfen Scholz damals vor, er habe kaum Charisma und keinen Kontakt zur Basis. Seine Rhetorik sei monoton. Der Spitzname "Scholzomat" entsteht, weil er sich öffentlich zwar geschliffen, aber oft wenig inhaltsreich zu äußern pflegt. Das Nachrichtenmagazin "Spiegel" bezeichnet Scholz als "Erfüllungsgehilfen des Kanzlers", weil er im Streit um die "Agenda 2010" treu an der Seite von Gerhard Schröder steht. Als dieser 2004 den Parteivorsitz abgibt, tritt auch Olaf Scholz vom Amt des Generalsekretärs zurück.

Ein Jahr später gelingt ihm ein Comeback auf Bundesebene als parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion. 2007 erbt Scholz dann von seinem Förderer Franz Müntefering (SPD) das Amt des Bundesarbeitsministers. Vor den Bundestagswahlen 2009 ist er im Schattenkabinett des SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier weiter als Minister vorgesehen, doch dann löst die schwarz-gelbe Koalition die Regierung ab.

Comeback in Hamburg

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Seit 1998 verheiratet: Olaf Scholz und Britta Ernst, die ebenfalls politisch aktiv ist.

Olaf Scholz ist von 2000 bis 2004 SPD-Landesvorsitzender in Hamburg. Im November 2009 wird er erneut an die Spitze gewählt, im Juni 2010 mit großer Mehrheit im Amt bestätigt. Für die SPD tritt er bei der Bürgerschaftswahl im Februar 2011 dann als unumstrittener Spitzenkandidat an - und holt für seine Partei 48,4 Prozent der Stimmen und damit die absolute Mehrheit der Sitze in der Hamburgischen Bürgerschaft. Auch bei der Bürgerschaftswahl 2015 siegt die SPD mit Scholz als ihrem Spitzenkandidaten. Die absolute Mehrheit kann er allerdings nicht halten. Die SPD koaliert in der Folgen mit den Grünen.

Fehleinschätzung des G20-Gipfels

Scholz' guter Ruf als verlässlicher Organisator trägt im Juli 2017 einigen Schaden davon: Der G20-Gipfel in Hamburg bringt nicht die erhofften Bilder der großen Weltpolitik - sondern ist geprägt durch Randale und Chaos. Im Vorfeld hatte Scholz für die Sicherheit in der Stadt garantiert: "Es wird Leute geben, die sich am 9. Juli wundern werden, dass der Gipfel schon vorbei ist", sagte der Erste Bürgermeister. Doch zunächst kommt der Verkehr in der City fast völlig zum Erliegen. Und dann eskalieren die Ausschreitungen der Gipfelgegner - vor allem im Schanzenviertel kommt es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen: Barrikaden brennen, viele Läden und ganze Straßenzüge werden verwüstet.

Die Aufarbeitung der Vorfälle beschäftigen noch Wochen später die Politik. Aus der Hamburger CDU werden Forderungen nach einem Rücktritt des Bürgermeisters laut. "Ein Bürgermeister, der die Lage so eklatant falsch einschätzt, der dafür sorgt, dass manche Stadtteile einem wütenden Mob überlassen werden und der dann nicht einmal in der Lage ist, eigene Fehler einzugestehen, der darf für Hamburg keine weitere Verantwortung mehr tragen", kritisiert CDU-Fraktionsschef André Trepoll. Scholz lehnt einen Rücktritt jedoch ab.

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Drei Tage Chaos in Hamburg

Die Zeit des G20-Gipfels war eine schwere Belastungsprobe für Hamburg: Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei, heftige Krawalle. Wie konnte es dazu kommen? mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Talk Show | 24.03.2017 | 22:00 Uhr

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