Stand: 21.01.2016 19:30 Uhr

U-Bahn-Drama: Justizsenator weist Vorwürfe zurück

Hamburgs Justizsenator Till Steffen (Die Grünen) hat am Donnerstag die Kritik zurückgewiesen, Hamburg habe die Gefahr durch den U-Bahn-Schubser von Berlin falsch eingeschätzt. "Ich finde es in solchen Fällen nicht hilfreich, solche voreiligen Schuldzuweisungen zu machen", sagte Steffen am Donnerstag in Richtung des Berliner Innensenators Frank Henkel (CDU). Dieser hatte am Mittwoch nach der Tat des 28-Jährigen am U-Bahnhof Ernst-Reuter-Platz gesagt: "Es muss die Frage gestellt werden, warum dieser Mann mit seiner Vorgeschichte nicht frühzeitiger gestoppt wurde." Laut Staatsanwaltschaft ist der 28-Jährige kein unbeschriebenes Blatt: Der Angreifer habe bereits als Jugendlicher 2002 eine schwere Straftat, eine gefährliche Körperverletzung und Raub begangen.

Verdächtiger schweigt zu den Vorwürfen

Das Motiv des Mannes ist noch unklar. Denn nach dem tödlichen Angriff auf eine 20-Jährige in dem Berliner U-Bahnhof Ernst-Reuter-Platz schweigt der mutmaßliche Täter. Das teilte die Berliner Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit. Der in Hamburg geborene 28-Jährige soll am Dienstagabend in Berlin mit Anlauf eine Frau vor eine heranfahrende U-Bahn gestoßen haben. Die 20-Jährige wurde gegen 23.40 Uhr auf dem U-Bahnhof Ernst-Reuter-Platz in Charlottenburg von dem Zug überrollt und getötet, wie die Polizei mitteilte. Zeugen hielten den Mann fest und übergaben ihn den Polizisten.

"Erkrankung im Schizophrenie-Bereich"

Der 28-Jährige kam am Mittwoch in eine psychiatrische Klinik. Es gebe Anhaltspunkte für eine erheblich geminderte Schuldfähigkeit. Er leide an einer Erkrankung im Schizophrenie-Bereich, sagte ein Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft. Nach seinen Angaben war der 28-Jährige wegen Sachbeschädigung in Hamburg bereits in psychiatrischer Betreuung. Der Mann habe auch mit Drogen zu tun gehabt. Eine Blutprobe nach dem Angriff habe allerdings keine Hinweise auf Alkohol oder Drogen ergeben.

Der in Hamburg geborene und aufgewachsene Mann hatte sich laut Staatsanwaltschaft erst etwa zwei Stunden in Berlin aufgehalten, als es zu der Attacke kam. Er habe vergeblich versucht, in der Obdachlosenunterkunft Franklinstraße in Charlottenburg unterzukommen. Er sei dann zum Bahnhof Zoo geschickt worden und kam so auf den Bahnsteig der Station Ernst-Reuter-Platz. Auf dem Weg in eine andere Unterkunft sei es zu der Tat gekommen. Sein Opfer wählte er offenbar nicht bewusst: Die Polizei geht bislang davon aus, dass sich das Opfer und der mutmaßliche Täter nicht kannten.

Weitere Informationen

Mann aus Hamburg schubst Frau vor U-Bahn

Der Mann, der in Berlin eine 20-Jährige vor eine U-Bahn gestoßen hat, ist ein polizeibekannter Hamburger. Der psychisch kranke 28-Jährige äußerte sich bisher nicht zu den Vorwürfen. (21.01.2016) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 21.01.2016 | 19:00 Uhr