Stand: 16.06.2017 14:04 Uhr

Hamburger Fußballtrainer als Islamist enttarnt

Hamburgs Verfassungsschutz hat am Donnerstag nach eigenen Angaben einen als Fußballtrainer tätigen Funktionär der verbotenen islamistischen Organisation Hizb ut-Tahrir enttarnt. Mustafa H. soll demnach als Trainer in Flüchtlingsunterkünften aber auch bei Germania Schnelsen gearbeitet haben. Dort hat er das Flüchtlingsteam betreut. Das bestätigte ein Sprecher des Hamburger Fußballverbands NDR 90,3.

Werbung unter jungen Flüchtlingen

Auch als Dolmetscher soll Mustafa H. Kontakt mit Flüchtlingen gehabt haben. Dabei hat er laut Verfassungsschutz für seine islamistische Organisation versucht, vor allem junge, meist afghanische Flüchtlinge anzuwerben. Die betroffenen Einrichtungen und Vereine wurden über die Ermittlungen informiert.

Verein will Trainer nicht vorverurteilen

Dem Vorsitzenden von Germania Schnelsen, Jörg Wohlgemuth, wurde nahegelegt, dem Trainer das Coaching der Flüchtlinge und die Nutzung der Plätze zu untersagen. Zweimal pro Woche trainierte Mustafa H. in Schnelsen eine Flüchtlingsmannschaft von 20 bis 30 Personen. Der Verein, der Mustafa H. nicht vorverurteilen will, hat bislang keine Konsequenzen gezogen, aber ihm geraten, für Aufklärung zu sorgen. "Nett, höflich, zuvorkommend, sportlich kompetent" - so wird Mustafa H. vom Vereinsvorstand beschrieben. Am Montagabend wird sich Wohlgemut mit seinen Vorstandskollegen beraten.

Hamburger Fußballverband will Satzung überdenken

Erst vor zwei Tagen wurde der Hamburger Fußballverband vom Verfassungsschutz informiert. Geschäftsführer Karsten Marschner sagte, er gehe davon aus, dass Germania Schnelsen zügig handeln werde. Der Verband will nun seine eigene Satzung überdenken, um künftig selbst reagieren und eine Sperrung verhängen zu können. Einen solchen Fall habe es im Verband noch nicht gegeben, sagte Karsten Marschner NDR 90,3.

Organisation seit 2003 verboten

In Deutschland ist die islamistische Organisation Hizb ut-Tahrir seit 2003 verboten, weil sie antisemitische Propaganda betreibt und ähnlich wie der sogenannte "Islamischer Staat" ein weltweites Kalifat errichten will, in dem die Scharia gilt. In Hamburg gehören laut Verfassungsschutz rund 140 Menschen der islamistischen Organisation Hizb ut-Tahrir an.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 16.06.2017 | 13:00 Uhr

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