Stand: 25.11.2017 10:07 Uhr

Große Wasserstoff-Anlage in Hamburg in Betrieb

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Eine Hamburger Chemiefirma nimmt die Wasserstoff-Anlage in Betrieb. Es ist die weltgrößte ihrer Art.

Die bislang größte Anlage zur Herstellung von umweltfreundlichem Wasserstoff ist am Freitag in Hamburg in Betrieb gegangen. Auf dem Gelände der Ölwerke Schindler im Freihafen wird künftig eine Elektrolyse-Anlage mit einer elektrischen Leistung von fünf Megawatt jährlich mehrere Hundert Tonnen Wasserstoff produzieren, wie die Muttergesellschaft Hansen&Rosenthal (H&R) mitteilte. Der Wasserstoff soll nicht als Energieträger, sondern als Rohstoff in der Produktion eingesetzt werden. An der Investitionssumme von zehn Millionen Euro beteiligte sich die EU mit einem Viertel.

Bei den Ölwerken Schindler produziert H&R veredelte Produkte aus Mineralöl und Parafinen, die zum Beispiel in Kosmetikartikeln wie Cremes oder Lippenstiften, aber auch in Nahrungsmitteln, Farben oder Autoreifen weiterverarbeitet werden - und zwar mithilfe von Wasserstoff. Bislang wurde dieser aus Erdgas hergestellt und dann per Laster angeliefert. Nun stellen die Ölwerke ihren Wasserstoff selber her. Mithilfe von Windenergie spaltet eine Riesen-Elektrolyseanlage Wasser in seine Bestandtteile.

Horch: "Großer Schritt in Richtung Zukunft"

Dieses Prinzip könne in Zukunft noch in ganz anderen Bereichen eingesetzt werden, erklärte Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) am Freitag. "Diese Anlage ist ein großer Schritt, Wasserstoff als Speichermedium zu entwickeln. Und deshalb bin ich sehr froh, dass es ein großer Schritt in Richtung Zukunft ist."

"Die Herstellung von Wasserstoff aus Wasser und Strom ist für uns nur der erste Schritt", sagte H&R-Geschäftsführer Niels Hansen. Langfristig sollten die fossilen Rohstoffe durch nachwachsende Quellen und synthetisierte Produkte ersetzt und mit nachhaltiger Energie produziert werden. Ziel sei die "grüne Raffinerie".

Fossile Energie überflüssig machen

Strom von Windrädern kann dann zum Beispiel auch genutzt werden, um Linienbusse und andere Industriebetriebe mit Energie zu versorgen. Fossile Rohstoffe wie Gas oder Erdöl könnten so eines Tages überflüssig werden.

Umweltschützer: Lob, aber auch Bedenken

Umweltschützer loben die Inbetriebnahme der Anlage. Der BUND spricht von einem wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. "Allerdings gibt es derzeit eine Planung, nach der die Ölwerke Schindler die von ihnen benötigte Prozesswärme aus dem umstrittenen Kohlekraftwerk Moorburg beziehen würden. Das wäre das Gegenteil von konsequentem Klimaschutz“, sagte BUND-Landesgeschäftsführer Manfred Braasch. Das Branchennetzwerk Erneuerbare Energien Hamburg lobte, dass jetzt endlich Strom aus Windkraft-Anlagen gespeichert werden kann.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 25.11.2017 | 10:00 Uhr

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