Stand: 09.09.2015 09:26 Uhr

Facebook-Hetzer soll seinen Job verlieren

von Jochen Lambernd, NDR.de

"Wir TRAUERN NICHT sondern wir FEIERN ES! Nur ein Flüchtling, ein Flüchtling ist zu wenig: Das Meer hat schon mehr Flüchtlinge geschluckt!"

Mit diesen Worten hat der Berliner Benjamin Sch. den dreijährigen Flüchtlingsjungen Aylan Kurdi im Internet verhöhnt. Dieser war im Mittelmeer ertrunken, seine Leiche wurde am Strand nahe des türkischen Badeortes Bodrum angespült. Weltweit waren Menschen bestürzt und ergriffen. Der 26-Jährige aus der Hauptstadt hingegen setzte auf der Facebook-Seite "Berlin wehrt sich" den oben zitierten menschenverachtenden Beitrag ab. Das Echo in den Medien und sozialen Netzwerken auf diesen Eintrag war groß. Bei der Polizei gingen etliche Strafanzeigen gegen den 26-Jährigen ein. Eine Hausdurchsuchung war die Folge. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Transporteur für Hermes

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Ähnlich wie auf diesem Symbolfoto hat der 26-Jährige aus Berlin für den Hermes-EinrichtungsService gearbeitet.

Ein in einem Online-Beitrag der "Bild"-Zeitung veröffentlichtes Foto zeigt den Mann in einem Pullover des Hamburger Logistikunternehmens Hermes. Die Verantwortlichen in der Hansestadt sind erschüttert über den Vorfall. Wie Unternehmenssprecher Martin Frommhold NDR.de auf Anfrage mitteilte, war Benjamin Sch. für eine Zeitarbeitsfirma tätig. "Diese hat ihn Ende August an ein Berliner Logistikunternehmen vermittelt, das im Auftrag des Hermes EinrichtungsService Großstücke wie Kühlschränke etc. zu Privatkunden fährt." So sei der Mann dann wohl auch an die Hermes-Arbeitskleidung gekommen.

Wie Frommhold weiter sagte, hat der Berliner Logistikbetrieb aufgrund der Hinweise aus der Hamburger Hermes-Zentrale die Zeitarbeitsfirma informiert, den Mann nicht weiter einsetzen zu wollen. Die Zeitarbeitsfirma habe mitgeteilt, den 26-Jährigen ebenfalls nicht mehr beschäftigen zu wollen.

"Verhaltenskodex muss respektiert werden"

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Unternehmenssprecher Frommhold betonte, dass Hermes jede menschenverachtende Äußerung verurteile.

Frommhold betonte Hermes' Stellenwert als weltweit aktives Unternehmen. "Für uns arbeiten Menschen verschiedenster Nationalitäten - derzeit rund 60 - und darauf sind wir stolz", heißt es auf der Internetseite. Hermes verurteile "jedwede rassistische und menschenverachtende Äußerung". Der Unternehmenssprecher verwies auf den firmeninternen Verhaltenskodex, gegen den solche Äußerungen verstoßen. Dieser Kodex sei sowohl für eigene Mitarbeiter als auch für Angestellte von Kooperationspartnern formuliert. "Wer die hier fixierten Werte nicht respektiert, muss mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen rechnen."

Appell des Bundesjustizministers an Facebook

Bundesjustizminister Heiko Maas appellierte erneut an Facebook, schärfer gegen rassistische und fremdenfeindliche Einträge in dem Online-Netzwerk vorzugehen. "Das Internet ist kein rechtsfreier Raum, und Facebook darf auch kein Forum für Neonazis sein", sagte der SPD-Politiker am Dienstag bei der ersten Lesung des Justizhaushalts im Bundestag. Im Fall des Berliner Facebook-Hetzers hätten Polizei und Justiz immerhin schnell gehandelt.

tagesschau.de
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Totes Flüchtlingskind an türkischer Küste angespült

Der dreijährige Aylan Kurdi liegt tot am Strand von Bodrum. Ein Polizist findet ihn. Über dieses Foto wird weltweit diskutiert. Mehr bei tagesschau.de (03.09.2015) extern

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