Stand: 03.06.2015 16:59 Uhr

Eltern erhöhen Druck auf Kita-Tarifparteien

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Schon in der vergangenen Woche hatten Eltern und Kinder für ein Ende des Kita-Streiks demonstriert.

Vor dem Hintergrund des nun seit fast vier Wochen währenden Streiks in kommunalen Kitas machen Hamburger Eltern weiter Druck auf die Verhandlungsparteien. Der Landeselternausschuss Kindertagesbetreuung (LEA) lädt für Donnerstag, 16 Uhr, zu einer Demonstration in der Innenstadt. Unter dem Motto "Wir bringen den Gesprächsfaden - Jetzt verhandeln, Kita-Streiks beenden" wollen die Demonstranten vom Haus der Kommunalen Arbeitgeber in der Straße Beim Neuen Krahn zum Gewerkschaftshaus Besenbinderhof ziehen. Dabei wollen sie möglichst viele Gesprächsfäden symbolisch überbringen, wie es in der Ankündigung heißt. Bereits in der vergangenen Woche hatten in der Hansestadt rund 2.000 Eltern für ein Streik-Ende demonstriert.

Ausstand dauert nun schon vier Wochen

Seit dem 8. Mai befinden sich allein in Hamburg Tausende Erzieher in einem unbefristeten Streik, zu dem die Gewerkschaft ver.di, der Beamtenbund dbb und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bundesweit aufgerufen haben. Zwar setzten kommunale Arbeitgeber und Gewerkschaften ihre Verhandlungen auch am Mittwoch fort - der Ausstand wurde aber nicht ausgesetzt, was der LEA kritisiert. Denn viele Eltern hätten nach vier Wochen Streik alle Möglichkeiten, ihre Kinder anderweitig betreuen zu lassen, ausgeschöpft und bräuchten dringend eine Verschnaufpause.

Kritik an geplanter Notdienstvereinbarung

Am Freitag soll nun eine Notdienstvereinbarung in Kraft treten, die der größte Hamburger Kita-Träger Elbkinder-Vereinigung mit ver.di ausgehandelt hat. Jeweils zwei benachbarte Kindertagesstätten sollen dabei eine organisatorische Notdienst-Kita bilden, in der dann mehr Kinder betreut werden können als in den bisherigen Notgruppen. Bei vielen Eltern trifft diese Vereinbarung aber auf Kritik.

Künftig nur noch 90 statt 150 Elbkinder-Kitas geöffnet

Gab es bisher in 150 der 180 Elbkinder-Kitas Notgruppen, werden künftig nur noch 90 Elbkinder-Kitas geöffnet sein. Etliche Notgruppen, die nicht streikende Erzieher seit nunmehr fast vier Wochen geführt haben, werden in die jeweilige Tandem-Kita verlagert. Gerade für Krippenkinder sei es schwer, sich nun schon wieder an neue Räumlichkeiten, neue Erzieher und neue Kinder zu gewöhnen, kritisieren Eltern. Die Kinder litten ohnehin extrem schon unter dem Streik und würden nun ein weiteres Mal mit einer neuen Situation konfrontiert. Und auch für die Erzieher, die sich am Ausstand nicht beteiligten und die nun quasi nochmal neu eine Gruppe aufbauen müssten, sei die Neuregelung eine Zumutung. Etliche Eltern wandten sich bereits an die Elbkinder sowie den LEA, um ihren Protest kundzutun. Auch LEA-Vorstandsmitglied Tobias Joneit sagte NDR.de, besonders Krippenkinder würden durch die Umstellung auf eine neue Umgebung hart getroffen, "Für Eltern, die bisher schon eine funktionierende Notbetreuung hatten, ist die Neuregelung bitter." Allerdings sei es positiv, wenn künftig mehr Kinder betreut werden könnten als bisher - und eine Notvereinbarung könne nie alle Eltern gleichermaßen zufriedenstellen.

Elbkinder appellieren an Solidarität der Eltern

Die Elbkinder appellieren in Sachen Notdienstvereinbarung an die Solidarität innerhalb der Elternschaft - schließlich könnten statt bisher rund 6.000 Kinder künftig gut die Hälfte der 20.000 Kinder in Elbkinder-Kitas betreut werden. Durch die Neuregelung könne man nun auch Familien entlasten, in deren Kitas es bisher keinerlei Notbetreuung gegeben habe. Bestehende Elterninitiativen könnten weitergeführt werden, sofern die jeweilige Kita keine der 90 Not-Kitas ist.

Eimsbütteler Kita protestiert mit Erfolg

Eine Initiative der Kita Rellinger Straße im Stadtteil Eimsbüttel hatte mit ihrem Einspruch gegen die Notdienstvereinbarung allerdings inzwischen Erfolg: Anders als zunächst geplant muss die bisherige Notgruppe der Kita nach Protesten der Eltern und einem Gespräch bei der Elbkinder-Geschäftsführung nicht in eine Tandem-Kita umziehen. Die bestehende Gruppe bleibt am Standort Rellinger Straße, wird durch weitere Erzieher verstärkt und kann dadurch weitere Kinder aufnehmen.

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