Stand: 09.06.2015 21:00 Uhr

Drittes Kreuzfahrtterminal nimmt Betrieb auf

In Hamburg hat am Kronprinzkai in Steinwerder das dritte Kreuzfahrtterminal offiziell den Betrieb aufgenommen. "Mit dem Terminal haben wir die Voraussetzungen für steigende Anlaufzahlen und Schiffsgrößen geschaffen", sagte Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) am Dienstag bei der Eröffnungsfeier. Ein Schiff lag allerdings nicht am Kai, es sollte keine Reederei bevorzugt oder benachteiligt werden. "Wir sind für alle da", sagte Horch. Die gesamte Hamburger Wirtschaft profitiere vom Kreuzfahrtboom. "Schon heute hängen mehr als 1.500 Arbeitsplätze von der Branche ab und tragen zu einer Wertschöpfung von rund 270 Millionen Euro jährlich bei", betonte der Senator.

Kapitäne grüßen aus aller Welt

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Während der Feier wurden Videobotschaften von Kreuzfahrt-Kapitänen aus aller Welt eingespielt.

"Der Kreuzfahrtstandort Hamburg hat sich in den letzten Jahren gut entwickelt, dies werden wir mit dem neuen Terminal noch weiter vorantreiben", sagte Sacha Rougier, Geschäftsführerin der Cruise Gate Hamburg GmbH, bei der Eröffnungsfeier im Terminal. Kapitäne zahlreicher Kreuzfahrtschiffe grüßten per Filmeinspielung die rund 300 Gäste.

Das Terminal besteht aus zwei Gebäuden und mit insgesamt rund 9.000 Quadratmetern Fläche. Damit ist es größer als die beiden bestehenden in Altona und der Hafencity. Der Ankunfts- und der Abfahrtsbereich sind getrennt, bis zu 8.000 Gäste können gleichzeitig an und von Bord gebracht werden.

Neubau 16 Millionen Euro günstiger

Erfreulich: Der Neubau wurde mit 64 Millionen Euro etwa 16 Millionen günstiger als veranschlagt. Dadurch werde die geplante Nutzungsgebühr (Terminal Occupancy Fee) bei voraussichtlich 6,60 Euro pro Passagier liegen, hieß es. Sie wird von den Reedereien entrichtet. Die Anreise zum neuen Terminal im etwas entlegenen Kaiser-Wilhelm-Hafen erfolgt entweder per Bus oder Auto, ein Fährshuttle über die Elbe zur Innenstadt soll noch folgen. Der Parkplatz hat 1.500 Stellplätze. Die Parkgebühren, pro Woche 99 Euro, sollen zur Refinanzierung des Terminals beitragen.

Flughafen gibt Hilfestellung

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Zur Eröffnung des neuen Kreuzfahrtterminals gab es ein buntes Showprogramm.

Um die Logistik für die immer größer werdenden Kreuzfartschiffe zu bewältigen, hat der Hamburger Flughafen seine Expertise im Terminalbetrieb eingebracht. "Die bisherigen Testanläufe - mit und ohne Proviantierung der Schiffe - haben funktioniert", sagte Flughafenchef Michael Eggenschwiler. Einige Punkte könnten aber noch verbessert werden, darunter die spärliche Straßen-Beschilderung auf dem Weg zum Terminalgelände. Fünf Kreuzfahrtschiffe testeten die Anlage.

"Meilenstein für Tourismusstandort"

"Das neue Terminal ist ein weiterer Meilenstein für den Tourismusstandort und ein weiterer Impuls für die touristische Erschließung der südlichen Elbseite", sagte der Chef von Hamburg Tourismus, Dietrich von Albedyll, im Vorfeld der Eröffnung. Bei Anläufen von zwei und mehr Schiffen gleichzeitig habe es in der Vergangenheit Engpässe gegeben. Jetzt erschließe sich die Stadt weiteres Potenzial. Denn der Kreuzfahrttourismus boomt. 2014 waren allein aus Deutschland 1,77 Millionen Reisende auf hoher See unterwegs. Bis 2016 soll die Branche die Zwei-Millionen-Marke knacken, erwartet der Deutschland-Chef des Kreuzfahrtverbandes CLIA, Michael Ungerer. Er ist auch Chef der Reederei Aida, die in diesem Jahr 55 mal Kurs auf Hamburg nimmt und damit die stärkste Präsenz zeigt.

Insgesamt sollen in diesem Jahr 164 Mal Kreuzfahrtschiffe die Hamburger Terminals anlaufen und insgesamt rund 525.000 Gäste bei An- und Abreise abgefertigt werden. Im Rekordjahr 2014 gab es 189 Anläufen mit fast 590.000 Passagieren. In Nordeuropa sieht sich Hamburg als Kreuzfahrtstandort hinter dem britischen Southampton und Kopenhagen in Dänemark auf Rang drei. Ein viertes Kreuzfahrtterminal ist laut Senator Horch noch nicht in Planung. Allerdings könnte er sich das auch wegen der Hamburger Olympia-Bewerbung durchaus vorstellen - beispielsweise könnten Sportstätten nach den Spielen dafür genutzt werden.

Noch kein Landstromanschluss

Umweltschützer kritisierten die Luftverschmutzung durch die Kreuzfahrtschiffe. Am dritten Hamburger Kreuzfahrtterminal gibt es noch keinen Landstromanschluss, der die Luxusliner vergleichsweise umweltfreundlich mit Strom versorgt. Dies sei aber unbedingt wünschenswert, so der NABU Hamburg.

Hamburgs neues Kreuzfahrtterminal eröffnet

Karte: Kreuzfahrtterminals in Hamburg

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 09.06.2015 | 21:00 Uhr