Stand: 20.02.2016 16:21 Uhr

Demonstranten fordern Erhalt des Pudel Clubs

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Nach Angaben der Polizei demonstrierten etwa 2.500 Menschen für den Erhalt des Golden Pudel Clubs.

Eine Woche nach dem Feuer im Hamburger Golden Pudel Club sind laut Polizei am Freitag etwa 2.500 Unterstützer des Szeneclubs auf die Straße gegangen. "Unsere Ruine kriegt Ihr nicht!" hieß es auf einem großen Transparent. Die Demonstranten zogen nach dem verlorenen Heimspiel des FC St. Pauli vom Millerntorstadion aus über die Reeperbahn bis zum Club im Stadtteil St. Pauli. Die Teilnehmer kündigten an, sich gegen Spekulanten wehren zu wollen, die das Grundstück am Elbufer erwerben wollen.

"Eine Oase der Gentrifizierung und einen Ort, an dem viele unterschiedliche Menschen zusammenkommen", nannten einige Demonstranten den Musikclub. Der Demonstrationszug endete mit einer Kundgebung des Veranstalters Christoph Schäfer am "Park Fiction" oberhalb des Pudels. Bis auf wenige Knallkörper, die gezündet wurden, verlief der Abend friedlich.

Betreiber wollen so schnell wie möglich wieder eröffnen

Auf der Demo war auch von einer baldigen Wiedereröffnung des Clubs die Rede. Charlotte Knothe, Mitglied des Betreiberkollektives, bestätigte NDR.de, dass das Ziel sei, die Räume jetzt bald zu sanieren. "Der Pudel soll so schnell wie möglich wieder eröffnen." Allerdings müssten noch einige Dinge geklärt werden. Ein genauer Zeitpunkt könnte deshalb nicht genannt werden. "Wir müssen die Räume komplett sanieren. Holzverkleidung, Tresen, Möbel, DJ-Pult - alles muss leider raus", sagte Knothe.

Protest gegen Asylpolitik des Senats

Wer für den Brand vor einer Woche verantwortlich ist, bleibt weiter unklar. Ein Flüchtling, der regelmäßig auf der Pudel-Terrasse übernachtete und der bei dem Feuer seine Papiere verlor, ist inzwischen entlastet worden, wie NDR 90,3 berichtete. Kurz nach dem Feuer hatte er für Verwirrung gesorgt, als er aussagte, dort eine Kerze brennen gelassen zu haben. Die Polizei verdächtigt den Mann jedoch nicht, da der Brand nicht auf der Terrasse, sondern in einem Schuppen ausbrach.

Nach Angaben des Einwohner-Zentralamtes war der Ghanaer illegal in Hamburg. Er sei im Juli 2015 erstmals festgestellt worden und habe damit entgegen einiger Medienberichte nicht zur sogenannten Lampedusa-Gruppe gehört. Es habe eine Ausreiseaufforderung vorgelegen. Darum sei er, als er sich am Montag bei der Behörde Ersatz für seine Papiere beschaffen wollte, festgenommen worden und sitzt jetzt im Abschiebegefängnis im brandenburgische Eisenhüttenstadt. Von dort soll er nun nach Ghana abgeschoben werden. Aus diesem Grund wurde am Freitagabend auch gegen die Asylpolitik des Hamburger Senat protestiert.

Grundstück soll zwangsversteigert werden

Das Pudel-Grundstück soll weiterhin aufgrund eines Streits zwischen den Eigentümern Mitte April zwangsversteigert werden. Dazu muss ein Gutachten überarbeitet werden. Bisher war der Verkehrswert des 329 Quadratmeter großen Grundstücks samt Haus mit 510.000 Euro angesetzt.

Laut Bezirksamt Altona sieht der Bebauungsplan auf dem Grundstück einen zweigeschossigen Bau mit maximal 260 Quadratmetern Nutzfläche vor. Eher vage sei dort festgehalten, dass eine Nutzung als Gaststätte mit Kunst und Musikprogramm erhalten bleiben solle, sagte Behördensprecher Martin Roehl. "Wir würden uns freuen, wenn es an dieser Stelle einen Ort gäbe, an dem sich die Off-Szene treffen könnte."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 20.02.2016 | 07:00 Uhr