Stand: 29.07.2015 15:00 Uhr

Baustelle am "KoZe": Polizei rund um die Uhr

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Mehrere Polizisten sollen die Baustelle auf dem Gelände der ehemaligen Gehörlosenschule rund um die Uhr bewachen.

Die Baustelle an der ehemaligen Gehörlosenschule im Hamburger Münzviertel soll weiterhin von der Polizei bewacht werden. Dort hatte der Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG) am Montag einen Bauzaun errichten lassen. Das Schulgebäude, das nach einer Asbestsanierung abgerissen werden soll, liegt direkt neben dem linksalternativen "Kollektiven Zentrum" (KoZe), das sich in einer früheren Kita auf dem Gelände befindet.

Dauereinsatzstelle der Polizei

Die Norderstraße wird jetzt zur Dauereinsatzstelle der Polizei. Rund um die Uhr stehen bis zu sechs Bereitschaftspolizisten vor dem Bauzaun, wie NDR 90,3 berichtete. Auf der Straße parken Mannschaftswagen. Nachts wird der Schulhof mithilfe eines Lichtmasts ausgeleuchtet. Dazu dröhnt ein Stromerzeuger. Die Nutzer des "Kollektiven Zentrums" sind genervt. Ein Aktivist sagte NDR 90,3: "Wir gehen davon aus, dass der LIG das hier zum Eskalieren bringen will, um die öffentliche Meinung auf seine Seite zu ziehen, um hier eine möglichst konfliktfreie Räumung zu erreichen." Man sei wütend und könne nicht nachvollziehen, was dort gerade passiert.

Kritik an Plänen für Flüchtlingsunterkunft

Um sich von der Polizei abzugrenzen haben die Linken nur zwei Meter von dem Bauzaun entfernt eine Art Barrikade aus Brettern und Sperrmüll errichtet. Die Ankündigung der Stadt, nach dem Abriss der ehemaligen Gehörlosenschule dort über den Winter Flüchtlinge in Containern unterzubringen, wird von den "KoZe"-Aktivisten kritisiert: dafür hätte man doch gleich das leer stehende Schulgebäude nutzen können.

Konflikt spitzt sich zu

Der Konflikt um die Zukunft des "Kollektiven Zentrums" hatte sich in den vergangenen Tagen zugespitzt. Am Dienstagabend blockierten linke Aktivisten im Münzviertel mehrere Straßen. Rund 80 Menschen beteiligten sich an dem Protest. Die Polizei rückte mit einer Hundertschaft an - erst nach Stunden beruhigte sich die Lage wieder. Am Montag hatten mit dem Errichten des Bauzauns die Vorbereitungen für Abrissarbeiten auf dem Gelände an der Norderstraße begonnen. Dabei ging es jedoch nicht um die Räumung der von linken Gruppen besetzten früheren Kita, sondern um das Aufstellen eines Bauzaunes um das Schulgebäude im hinteren Teil des Hofes. Dieses soll bald abgerissen werden. Wann die besetze Kita geräumt und schließlich ebenfalls abgerissen wird, hängt laut zuständiger Finanzbehörde von den weiteren Baufortschritten ab.

Investor will Wohnungen bauen

Der Investor Hanseatische Bau Konzept (HBK) will auf dem Gelände in zentraler Innenstadtlage rund 400 Wohnungen bauen. Anfang Juli hatte der Bezirk Hamburg-Mitte dem Investor eine Abrissgenehmigung erteilt. Dagegen wenden sich jedoch die Mitglieder des "Kollektiven Zentrums". Sie nutzen seit Monaten die Räume und haben unter anderem eine Schneiderei und eine Fahrradwerkstatt eingerichtet. Sie waren zunächst von einem Kulturverein geduldet worden, der einen Nutzungsvertrag mit dem Bezirk über einen Teil der Räume hat. Politiker der CDU aber auch Experten der Polizei befürchten, dass sich an dieser Stelle eine "zweite Rote Flora" etablieren könnte.

Weitere Informationen

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In Hamburg werden auf dem Gelände der von linken Gruppen genutzten ehemaligen Gehörlosenschule im Münzviertel unter Polizeischutz Abrissarbeiten vorbereitet. Eine Demo dagegen verlief friedlich. (27.07.2015) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 29.07.2015 | 15:00 Uhr