Stand: 12.07.2017 11:02 Uhr

BDK: Warnungen vor G20-Gewalt waren deutlich

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Aus Sicht des BDK waren die schweren Krawalle während des G20-Gipfels vorhersehbar.

Nach den Krawallen am Rande des Hamburger G20-Gipfels hat der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) Vorwürfe zurückgewiesen, die Polizei habe die Bedrohung durch linksextreme Gewalttäter unterschätzt. Der Vize-Vorsitzende Sebastian Fiedler sagte im NDR Info Interview, die Lageeinschätzung sei sehr präzise gewesen und habe genau das vorhergesagt, was auch passiert sei. Auch der aktuelle Verfassungsschutzbericht, den Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) erst wenige Tage vor dem Gipfel vorgestellt habe, erhalte viele Hinweise auf solche Szenarien. Wer jetzt als politischer Verantwortungsträger behauptet, er sei von den Ausschreitungen überrascht worden, sage "definitiv nicht die Wahrheit", betonte Fiedler. Die Warnungen seien aussagekräftig und deutlich gewesen.

Kritik an Wahl Hamburgs als Gipfelort

Aus Sicht des BDK-Vize-Chefs sei es deshalb auch noch zu früh, jetzt über mögliche Fehler der Polizei zu sprechen. Die Sicherheitskräfte seien mit einer Lage konfrontiert gewesen, die sie am besten vermieden hätten. Fiedler kritisierte in diesem Zusammenhang die Entscheidung der Politik, den Gipfel in Hamburg zu veranstalten. Ein anderer Ort "wäre das allerbeste gewesen". Die Polizei habe alle verfügbaren Kapazitäten in der Hansestadt zusammengezogen. Dies habe aber letztlich nicht gereicht, um die Sicherheit der Hamburger zu gewährleisten. Dafür nun der Polizei die Schuld zu geben, sei abenteuerlich, so Fiedler.

Fiedler: Ermittlungsbehörden müssen gestärkt werden

Für die Polizei sei jetzt von Interesse, dass als Konsequenz aus den Vorfällen in Hamburg "wirksame Hebel umgelegt werden, wie in der Zukunft solche Szenarien verhindern werden". Es gehe nicht nur darum, mit Bereitschaftspolizisten und Spezialkräften solche kritischen Lagen zu beherrschen. "Dann ist das Kind schon in den Brunnen gefallen", sagte Fiedler. Vielmehr müsse darüber diskutiert werden, wie man Linksextremismus künftig beherrschen und Tausende gewaltbereite Personen in den Griff bekommen könne. Dafür sei es notwendig, unter anderem den polizeilichen Staatsschutz und den Verfassungsschutz zu stärken sowie in Europa neue Wege zu gehen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Infoprogramm | 12.07.2017 | 07:20 Uhr

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