Stand: 31.10.2016 08:40 Uhr

Angebliches IS-Bekenntnis wirft Fragen auf

Die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) hat einen tödlichen Messerangriff in Hamburg für sich reklamiert. Wie NDR 90,3 berichtete, verbreitete der Mitteilungsdienst Amaq, der den Extremisten nahesteht, die Meldung. Ein "Soldat des IS" habe die Tat am 16. Oktober ausgeführt. An besagtem Tag war ein 16-Jähriger an der Alster von einem Unbekannten mit mehreren Stichen getötet worden. Bisher fehlte den Ermittlern in diesem Fall eine heiße Spur, weder Täter noch Tatwaffe konnten gefunden werden und über das Motiv war auch nichts bekannt.

Verfassungsschutz warnt vor Hysterie

Kann es tatsächlich sein, dass der IS in Hamburg zugeschlagen hat? Ermittler und Geheimdienste waren davon offenbar bisher nicht ausgegangen. "Wir sind selbst völlig überrascht", hieß es in der Nacht auf Sonntag bei der Hamburger Polizei. Aus Sicherheitskreisen sind ähnliche Aussagen zu hören. Der Hamburger Verfassungsschutz warnte am Sonntag vor Hysterie. Die Bundesanwaltschaft prüft und der Staatsschutz ermittelt mit. Es gebe derzeit zwar keine konkreten Hinweise, aber auch keinen Grund, an der Mitteilung von Amaq zu zweifeln, heißt es.

Die verbreitete Nachricht konnte zunächst nicht unabhängig verifiziert werden. Üblicherweise reklamieren die Extremisten aber über die Kanäle von Amaq Anschläge für sich. Und ganz untypisch wären eine solche Tat und auch das folgende Muster für den IS nicht. Einzeltäter planen ihre Tat, schlagen zu und dann bekennt der IS: "Es war einer von uns." Solche vom IS "ferngesteuerten" Attentäter seien eine besondere Herausforderung für die Ermittler, sagte Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen.

Viele Fragen bleiben offen

Die verbreitete Nachricht wirft aber bisher vor allem Fragen auf: Die von Amaq zunächst auf Arabisch und Englisch verbreitete Mitteilung lässt etwa offen, ob die angeblichen Opfer verletzt oder getötet wurden. Die gewählten Formulierungen lassen keinen eindeutigen Schluss zu. Weiter heißt es darin, der "Soldat des IS" habe die Attacke "als Reaktion auf die Aufrufe ausgeführt, Bürger der Koalitionsländer (gemeint ist offenbar das internationale Bündnis gegen die Terrormiliz) anzugreifen".

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Der Jugendliche war nahe der Kennedybrücke an der Alster angegriffen worden.

Mit derartigen Aufrufen hat der "Islamische Staat" seine Anhänger in der Vergangenheit wiederholt zu Gewalt angestachelt. Für Zweifel am IS-Hintergrund sorgt auch, dass das angebliche Bekenntnis erst zwei Wochen nach der Tat erfolgte. "Ziel des 'IS' - auch bei Bekennungen - ist regelmäßig, Angst und Verunsicherung zu verbreiten", sagte Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) am Sonntag. "Deshalb ist es richtig, dass die Ermittlungen mit Hochdruck, aber auch mit professioneller Unaufgeregtheit und in alle Richtungen weiter geführt werden." Die Leitung der Ermittlungen bleibt erst mal bei der Hamburger Mordkommission, wie NDR 90,3 berichtete. Diese verfolge eine Spur jenseits des Terrorverdachts. Mehr werde aus ermittlungstaktischen Gründen aber derzeit nicht bekannt gegeben.

Tödliche Messerattacke an der Kennedybrücke

Der 16-Jährige war am 16. Oktober gegen 22 Uhr angegriffen und niedergestochen worden. Er saß mit seiner Freundin auf den Stufen unterhalb der Kennedybrücke. Ein Unbekannter stach laut Polizei mehrfach auf den Jungen ein. Anschließend stieß er die 15-Jährige in die Alster und lief auf dem Wanderweg in Richtung der Straße Alsterufer davon. Der 16-Jährige wurde mit lebensgefährlichen Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht, wo er wenig später starb. Das 15-jährige Mädchen konnte sich nach Polizeiangaben selbst ans Ufer retten.

Nach dem Verbrechen am Alsterufer hatte die Polizei mitgeteilt, der mutmaßliche Täter sei schätzungsweise 23 bis 25 Jahre alt und 1,80 bis 1,90 Meter groß. Von dem Angreifer und der Tatwaffe fehlt trotz intensiver Suche bislang jede Spur. Am vergangenen Donnerstag stellten Beamte das Tatgeschehen am Alsterufer nach, um weitere Erkenntnisse zu sammeln.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 31.10.2016 | 08:00 Uhr

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