Stand: 08.03.2014 09:52 Uhr

"Als Frau musst du dich immer beweisen"

Die Hamburgerin Nina Fasel ist eine der wenigen Frauen auf dem Bau.

Der Betonmischer rumpelt, jemand hämmert und irgendwo dudelt ein Radio. Es ist staubig. In einer Ecke steht ein Dixi-Klo. Eine ganz normale Baustelle in Hamburg-Altona. Mit einer Besonderheit: Im Keller verputzt Nina Fasel die Wände. Sie ist als Frau auf der Baustelle eine absolute Ausnahme - im ganzen Norden, vermutlich sogar deutschlandweit. 93 Männer haben 2013 in Hamburg ihre Prüfung zum Maurergesellen abgeschlossen - keine Frau war dabei. In den Vorjahren sieht das kaum anders aus. Nur 2009 - da machte Fasel ihren Abschluss, als einzige Frau.

Der Traumjob auf der Baustelle

"Mir war schon immer klar, dass ich irgendwas mit meinen Händen machen will. Ich kann mir nicht vorstellen, den ganzen Tag im Büro zu sitzen", sagt sie über ihren Berufswunsch. Doch allein bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz steht sie zunächst vor ungeahnten Schwierigkeiten. 150 Bewerbungen schreibt sie - und bekommt nur Absagen. Und das trotz guten Praktikumszeugnissen und Realschulabschluss. "Es heißt immer, wenn man eine Frau einstellt, dann braucht man Extra-Umkleideräume und Extra-Toiletten. Ich glaube allerdings, dass sich viele Männer einfach nicht vorstellen können, mit einer Frau zusammen zu arbeiten", sagt Fasel.

Keiner will sie ausbilden

Schließlich bildet ihr Vater sie aus, der einen Handwerksbetrieb leitet. "Ich wusste einfach nicht mehr, was ich machen sollte." Leichter ist es für sie deswegen trotzdem nicht. "Ich hab mir viele dumme Sprüche angehört. Am Anfang war das ganz schlimm", sagt sie. Ein Kollege fragt sie, ob sie nicht lieber Krankenschwester werden wolle. "Manchmal dachte ich schon: 'Ach lasst mich doch alle in Ruhe, ich gehe jetzt und komme nie wieder'."

Und nicht nur auf der Baustelle sind die Menschen skeptisch: Wenn Fasel morgens auf dem Weg zur Arbeit in der Bahn sitzt, gucken die Leute. Frauen in Bauarbeiterkluft sieht man selten. Immer draußen, immer dreckig, immer körperlich arbeiten - das passt nicht zu gängigen Rollenklischees.

Unternehmen profitieren von Frauen im Team

Vielleicht ist es gerade das, was Fasel antreibt: "Ich hatte als Frau immer das Gefühl, mich beweisen zu müssen." Erfolgreich schließt sie ihre Gesellenprüfung ab, macht sogar ihren Meister und arbeitet mittlerweile als Maurerin in einem Betrieb in Hamburg. Im Team hat sie ihren Platz gefunden. "Ich denke, dass Unternehmen davon profitieren, dass sie eine Frau dabei haben", sagt sie selbstbewusst. "Ich achte auf andere Dinge, als die Männer." Kollegen, die ihr blöde Sprüche drücken, schüchtern sie nicht mehr ein: "Denen sag' ich schon, wenn sie die Klappe halten sollen."

Wenn sie von Trockenbau, Fassaden sanieren, Fliesen legen und Malerarbeiten spricht, merkt man, dass sie für ihren Job brennt. Auf ihre pinke Handyhülle oder den rosafarbenen Kragen verzichtet Fasel deswegen noch lange nicht. "Ich bin auch mal Mädchen", sagt sie lachend. "Wäre ja schlimm, wenn ich privat so wie auf'm Bau rumlaufen würde."

Zukunft auf dem Bau? Nein danke!

Ernst wird Fasel allerdings, wenn es um die Zukunft geht. Denn Baustelle und Babys, das passt nicht zusammen. "Wenn ich jetzt schwanger würde, könnte ich meinen Job sofort an den Nagel hängen. Heben darf ich dann nicht mehr. Und danach Teilzeit arbeiten ist auch nicht möglich", sagt sie. Langfristig hofft sie deswegen, als Meisterin vom Büro aus Arbeiten koordinieren zu können, anstatt selbst Schaufel und Maurerkelle zu schwingen: "Wenn mir jemand die Chance dazu gibt ..."

Dieses Thema im Programm:

Der Tag | 08.03.2016 | 05:00 Uhr

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