Stand: 01.07.2017 18:23 Uhr

"Unzumutbare Zustände" im Containerdorf

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Verschlossene Duschen, kein Toilettenpapier, undichte Container: Polizisten haben sich über die Unterbringung in Bad Segeberg beschwert.

Das Containerdorf für Polizisten in Bad Segeberg sorgt weiter für Schlagzeilen: Am Montag mussten 220 Beamte aus Berlin die Unterkunft nach einer wilden Partynacht verlassen. Am Freitag sind deren Kollegen aus Rheinland-Pfalz aus der ehemaligen Erstaufnahme für Flüchtlinge ausgezogen - aber auf eigenen Wunsch. Die Zustände in Bad Segeberg seien "unzumutbar", heißt es vom Innenministerium in Mainz. Beamte hatten sich zuvor bei der Gewerkschaft der Polizei (GdP) über verschlossene Duschen, fehlendes Toilettenpapier und lange Wege beschwert. Ein Sprecher des Innenministeriums in Mainz sagte, zu allem Überfluss sei bei den heftigen Regenfällen auch noch Wasser in die Container gelaufen.

Anderthalb Stunden zum Essen?

Nach Angaben der Hamburger Polizei, die für den G20-Einsatz verantwortlich ist, sind nach dem Dauerregen drei Container nass gewesen. "Daraufhin hat der Polizeiführer entschieden, die Beamten umgehend woanders unterzubringen", sagte ein Polizeisprecher am Sonnabend im Gespräch mit NDR.de.

Die Polizisten sollten vor dem G20-Gipfel in Hamburg im etwa 70 Kilometer entfernten Bad Segeberg schlafen. Allein der Anfahrtsweg vom Containerdorf zu einer Verpflegungsstelle hat laut GdP mehr als anderthalb Stunden gedauert. Nach Angaben der Hamburger Polizei gibt es an mehreren Orten rund um die Uhr warmes Essen für die Beamten und morgens Frühstück. Außerdem erhält jeder zusätzlich ein Verpflegungspaket für den Einsatz.

"Probleme leicht zu beheben"

In der ehemaligen Lettow-Vorbeck-Kaserne waren kurzzeitig einige Flüchtlinge untergebracht. Die meisten Container sind laut Polizei aber neu und waren noch nie bewohnt. "Wir wollen keine 4-Sterne-Unterbringung für unsere Kolleginnen, sondern dem langen Einsatz gerecht werdende Unterkünfte, die den üblichen Standards entsprechen", sagte Achim Recktenwald von der GdP. Der Landesverband aus Rheinland-Pfalz hatte auf seiner Facebook-Seite die Kritik einiger Mitglieder veröffentlicht. Dort heißt es unter anderem: "Die Container sind sehr spartanisch eingerichtet. WC und Duschanlagen befinden sich in anderen Containern. Duschräume sind teilweise verschlossen. WC-Papier ist kaum bis gar nicht vorhanden. Mülleimer für Papierhandtücher sind nicht vorhanden. Trockenräume für Kleidungsstücke sind nicht vorhanden. Einrichtungen für die enge Freizeitgestaltung sind Fehlanzeige." Von diesen Problemen in der Unterkunft habe man erst von der Gewerkschaft erfahren, sagte der Polizeisprecher am Sonnabend: "Die hätte man leicht beheben können."

Bispingen statt Bad Segeberg

Rheinland-Pfalz unterstützt die Hamburger Polizei unter anderem mit Bereitschafts- und Einsatzpolizisten und Hundeführern. Ein SPD-Landtagsabgeordneter aus Rheinland-Pfalz hatte gefordert, den Abzug zu erwägen, wenn die Unterbringung nicht verbessert werde. Inzwischen zogen die Beamten in eine Unterkunft im niedersächsischen Bispingen (Heidekreis), wie die Polizei am Sonnabend bestätigte.

Berliner Polizisten: "Kein Freizeitangebot"

In der Nacht von Sonntag auf Montag soll es in der Unterkunft in Bad Segeberg eine exzessive Feier gegeben haben. Wachschützer hätten beobachtet, wie ein Polizisten-Pärchen Sex an einem Zaun des Containerdorfes hatte. Zudem sollen Beamte aus Berlin in einer Reihe an einen Zaun uriniert haben. Nach rbb-Informationen kam es außerdem zu einer Schlägerei mit einer Einheit aus Wuppertal (Nordrhein-Westfalen). Am Montag entschied der Hamburger Polizeiführer daraufhin, drei komplette Berliner Einsatzhundertschaften, etwa 220 Polizisten, mit sofortiger Wirkung aus dem Einsatz zu entlassen. Die Zeitung "B.Z." zitierte einige Entschuldigungen von Polizisten, wonach es "keine Fernseher, kein Freizeitangebot" gegeben habe, stattdessen habe man "aufeinander gehockt" und sich "gelangweilt". Mit der Party der Berliner habe der Zustand der Unterkunft nichts zu tun, sagte der Sprecher der Hamburger Polizei.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 30.06.2017 | 22:00 Uhr

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