Stand: 24.02.2015 19:59 Uhr

tazgate: Spionage durch den eigenen Redakteur?

Sein Stuhl blieb leer. Er hatte abgesagt und war dennoch Gesprächsthema Nummer eins auf der Preisverleihung "Journalist/in des Jahres" durch das "medium magazin" am Montag in Berlin: Sebastian Heiser, investigativer Journalist der "tageszeitung" (taz), der einst auf dieser Veranstaltung für seine Recherchen als "Newcomer des Jahres 2010" ausgezeichnet wurde. Auch sein Bild hing während der Feierlichkeiten im Historischen Museum in der Galerie der Preisträger: ein lächelnder Redakteur der "taz".

Außenfassade der taz, tagesschau

tazgate: Spionage durch den eigenen Redakteur?

ZAPP -

Der "taz"-Redakteur Sebastian Heiser soll die Computer seiner Kollegen ausspioniert haben. Seit der vergangenen Woche ist mit ihm der Begriff "tazgate" verbunden.

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Das "tazgate" und die Folgen

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Seit der vergangenen Woche ist mit ihm der Begriff "tazgate" verbunden. Heiser soll sogenannte Keylogger an Computern seiner Kollegen installiert haben. Mit einem solchen Keylogger können sämtliche Tastatureingaben an einem Rechner aufgezeichnet werden. Was der Journalist dabei herausfinden wollte, ist bisher unklar. Klar ist nur, dass solche Recherchemethoden fragwürdig sind.

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Hat er Kollegen ausgeforscht? Der Journalist Sebastian Heiser.

Sebastian Heiser war am Montag von der "taz" - Geschäftsführung und Chefredaktion zu einem Gespräch eingeladen, verbunden mit der Gelegenheit, sich zu erklären. Er kam nicht. Die Chefredaktion der "taz" wird nach eigenen Aussagen Strafanzeige erstatten. Wo er sich derzeit befindet, wissen nur wenige. Es gehe ihm gut, heißt es.

"Grenzen, die man nicht überschreiten darf"

Für viele Journalisten ist dies ein Fall mit Vorgeschichte: David Schraven, der von 2010 bis 2014 das Ressort Recherche der "WAZ"-Gruppe führte und seitdem das gemeinnützige Recherchebüro "Correct!v" leitet, sagte am Rande der Berliner Preisverleihung gegenüber ZAPP: "Es gibt Grenzen, die darf man nicht überschreiten.Die verdeckte Aufnahme von Gesprächen darf man sowieso nur machen, wenn es extreme Sachen gibt, die aufgedeckt werden könnten. So eine Anzeigenmanipulation, wie auch immer man das nennen will, bei Anzeigenbeilagen, gehört sicher nicht dazu. Und Kollegen auszuspionieren mit Keyloggern geht gar nicht."

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Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 25.02.2015 | 23:20 Uhr