Stand: 23.02.2015 19:24 Uhr

#szleaks und #tazgate: Die Chronologie

Anfang letzter Woche veröffentlichte der "taz"-Journalist Sebastian Heiser auf seinem Blog acht Jahre alte Dokumente, die Gefälligkeitsjournalismus und Schleichwerbung bei der "Süddeutschen Zeitung" belegen sollen. In der Folge entwickelte sich eine lebhafte Debatte, in der unter anderem auch die Berichterstattung von ZAPP eine Rolle gespielt hat.

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Ziel eines Spionageangriffs: Das Redaktionsgebäude der "tageszeitung" in Berlin.

Gegen Ende der Woche wurde dann bekannt, dass Heiser offenbar die Computer und Accounts von Kollegen in der "taz"-Redaktion ausgespäht hatte. Eine Chronologie der Ereignisse aus Sicht der ZAPP Redaktion.

Montag, 16. Februar 2015

Sebastian Heiser veröffentlicht auf seinem privaten Weblog schwere Vorwürfe gegen die "Süddeutsche Zeitung" (SZ). Die Zeitung, die sich heutzutage als "Sturmgeschütz des Finanzamtes" geriere, habe 2007 "selbst ihre Leser auf die Steuerhinterziehung im Ausland hingewiesen und sich dafür von Banken bezahlen“ lassen. Heiser sei in der Redaktion dafür zuständig gewesen. Heiser versucht, seine Vorwürfe mit Tonmitschnitten von Gesprächen und Konferenzen mit seinen ehemaligen Kollegen und Vorgesetzten zu untermauern.

Auch ZAPP hatte 2011 einen Beitrag über Heisers Recherchen für die "taz" zur Platzierung verdeckter Werbung in Zeitungen und Zeitschriften gemacht. Unter falschem Namen, getarnt als Chef einer fiktiven PR-Agentur, besuchte er die Anzeigenabteilungen großer Zeitungen und versuchte werbliche Inhalte unterzubringen, die nicht als Anzeigen gekennzeichnet waren, sondern in Verlagssonderbeilagen erscheinen sollten. Einige Verlage und Zeitungen gingen darauf ein.

Die ZAPP Redaktion prüft deshalb am vergangenen Montag sofort die von Heiser erhobenen Vorwürfe, kommt aber - ähnlich wie andere Kollegen - zu dem Ergebnis, dass Heiser seine Vorwürfe nicht wirklich stichhaltig belegen kann. Auf den entsprechenden Sonderseiten der "SZ" werden zum Beispiel beim Thema "Geldanlage" verschiedene Varianten abgewogen, auch Risiken werden benannt und diskutiert.

Zwar wird auch auf legale Steuersparmodelle hingewiesen, wie etwa, dass es in Österreich keine Erbschaftssteuer gebe, aber der Vorwurf der von Banken gekauften Schleichwerbung für Steuerhinterziehung auf ausländischen Konten erscheint weit hergeholt. ZAPP entschließt sich, in der Sendung am Mittwoch, den 18. Februar nicht über das Thema zu berichten.

Dienstag, 17. Februar 2015

Die "Süddeutsche Zeitung" weist Heisers Vorwürfe gegenüber newsroom.de und meedia.de zurück. Außerdem räumte Heiser gegenüber newsroom.de ein, er hätte seine Vorwürfe "vielleicht früher äußern müssen". Er bedauert, "kein Medium gefunden" zu haben, "das dies früher veröffentlichen wollte", erwähnt allerdings nicht, dass es nach Informationen von ZAPP auch bei der "taz" bis zuletzt juristische Bedenken gegen die Veröffentlichung gab.

Auch Panorama und ZAPP hatte Heiser das Thema 2009 angeboten. Beide Magazine lehnten damals ab. ZAPP berichtete 2009 mehrfach über versteckte PR in den Medien, fand aber, dass der beschriebene Fall nicht die Tragweite hatte, die Sebastian Heiser ihm zumisst. Daran hat sich aus Sicht von ZAPP nichts geändert: Hinzu kommt jedoch, dass Vorwurf und vermeintliche Belege die Recherche-Methoden aus Sicht von ZAPP nicht rechtfertigen.

Donnerstag, 19. Februar

Am Donnerstag melden sich in Sachen #szleaks weitere Stimmen zu Wort, die Heisers Enthüllungen - und vor allem deren Zustandekommen - eher kritisch bewerten. Volker Lilienthal, der die systematische Schleichwerbung in der ARD Vorabendserie "Marienhof" aufdeckte, und auf den Heiser sich berufen hatte, widerspricht: Heisers Vorgehen sei "nicht gerechtfertigt".

Der Journalistik-Professor Frank Überall bezeichnet die #szleaks auf newsroom.de als "Sturm im Wasserglas" und Heisers Mitschnitte als "strafbar". Zudem erfährt newsroom.de, dass es in der Nacht einen Einbruchsversuch bei der "taz" gegeben hat.

Freitag, 20. Februar

Am Freitag schließlich überschlagen sich die Ereignisse: newsroom.de-Chefredakteur Bülend Ürük berichtet, dass es den Verdacht gebe, ein "langjähriger Redakteur" habe bei der "taz" die Computer von Kollegen mithilfe sogenannter Keylogger ausspioniert. Dabei handelt es sich um einen USB-Stick, der jedoch sämtliche Tastatureingaben aufzeichnet. Ürük verwendet für den Vorgang den Begriff #tazgate.

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Hat er Kollegen ausgeforscht? Der Journalist Sebastian Heiser.

Nach wenigen Stunden wird von verlässlichen Quellen bestätigt, dass es sich bei dem verdächtigten Redakteur um Sebastian Heiser handele. Laut "taz" äußert sich Heiser weder seinem Abteilungsleiter noch einem Mitglied der Geschäftsführung gegenüber zu den Vorwürfen. ZAPP entscheidet sich nach sorgfältiger Abwägung den Verdacht unter Nennung des Namens zu melden. Auch in der Vergangenheit hat ZAPP, zum Beispiel im Fall Doris Heinze, die Namen der Beteiligten genannt. Auch "Die Welt" und die "FAZ"berichten unter Nennung des Namens, andere Medien entscheiden sich dagegen.

Montag, 23. Februar

Die "taz" will die Vorwürfe in einer internen Anhörung klären. Doch der Termin wird von Seiten des Verdächtigten nicht wahrgenommen. Die "taz" spricht von einer "Spionageaffäre“. Nach Erkenntnissen der EDV-Abteilung seien "RessortleiterInnen ebenso betroffen wie aktuelle oder ehemalige RedakteurInnen". Bislang seien "Daten von 16 Mitarbeiteraccounts gefunden“ worden. Die "taz" hat nach eigenen Angaben "arbeitsrechtliche Schritte" eingeleitet und Strafanzeige erstattet.

Diese Chronologie wird laufend aktualisiert. Am kommenden Mittwoch wird ZAPP ausführlich über #szleaks und #tazgate berichten.