Stand: 07.12.2015 14:20 Uhr

Rügen des Presserrats: "Bild" wieder ganz vorn

von Fiete Stegers

Der Deutsche Presserat registriert 2015 einen neuen Beschwerde-Rekord: Bis zum 1. Dezember erhielt er nach eigenen Angaben 2200 Beschwerden - fast 200 mehr als im Vorjahr. Insgesamt ahndete der Rat Verstöße gegen den Pressekodex mit 35 Rügen, 84 Missbilligungen und 147 Hinweisen.

In 39 Fällen sah der Presserat Beschwerden zwar als begründet an, verzichtete aber auf eine Maßnahme. In 565 Fällen sah der Presserat keinen Verstoß. (Die Anzahl der Maßnahmen stimmt nicht mit der Anzahl der Beschwerden überein, da bei mehreren Beschwerden zu einem Artikel nur eine Maßnahme ausgesprochen wird).

Acht Mal sprach der Presserat eine Rüge für die Berichterstattung der "Bild-Zeitung" aus - die schärfste Sanktion, die das Selbstkontrollgremium für Zeitungen, Zeitschriften und deren Internetauftritte aufbieten kann. Damit wurde die "Bild"-Zeitung wie in den vergangenen Jahren wieder weit häufiger als alle anderen Redaktionen für Verstöße gegen den Pressekodex (der Journalisten beispielweise zur Wahrhaftigkeit, zum Schutz von Opfern und zur Trennung von Redaktion und Werbung verpflichtet) bestraft.

Die "Bild" kassierte ein knappes Viertel der insgesamt 35 ausgesprochenen Rügen - und liegt damit leicht unter dem Durchschnitt der vergangenen 20 Jahre, wie die ZAPP-Auswertung der Rügen seit 1986 zeigt.  In manchen Jahren machten die Rügen für "Bild" mehr als ein Drittel, 1994 und 1996 sogar fast die Hälfte aller insgesamt erteilten Rügen aus.

"Facebook-Pranger" war kein Verstoß

Zugunsten der "Bild-Zeitung" entschied der Presserat bei einer Beschwerde gegen einen Beitrag, in dem die Zeitung "Facebook-Nutzer an den Pranger" gestellt und fremdenfeindliche Äußerungen von Nutzern in sozialen Netzwerken mit deren Namen und Profilbild veröffentlicht hatte. Laut Presserat handelte es sich erkennbar um politische Äußerungen der Nutzer in öffentlich einsehbaren Foren. Auch die Formulierung "Pranger" sei eine zugespitze,aber noch zulässige Meinungsäußerung. Ähnlich urteilte der Presserat im Fall der "Huffington Post".

Weitere Informationen
15:29 min

"Wer als Erster das heikelste Bild veröffentlicht"

09.09.2015 23:20 Uhr

Ein Flüchtlingskind liegt tot am Strand. Die Veröffentlichung des Fotos ist umstritten. Matthias Wiemer vom Presserat beobachtet eine Brutalisierung der Bildinhalte. Video (15:29 min)

Foto eines ertrunkenen Kindes nicht "unangemessen sensationell"

Wegen des Fotos des auf der Flucht ertrunkenen syrischen Jungen Ailan, dass die "Bild" und viele andere Medien veröffentlicht hatten, hatte der Presserat zahlreichen Beschwerden erhalten, sah es allerdings nicht als Verstoß gegen den Pressekodex an: Es sei nicht "unangemessen sensationell und entwürdigend" gewesen und habe weltweit Diskussionen über die Flüchtlingspolitik angestoßen.

Am häufigsten sprach der Presserrat 2015 Rügen wegen Verstößen gegen die Trennung von Werbung und Redaktion aus, gefolgt von Persönlichkeitsrechtsverletzungen.

3 Rügen für "Focus Online"

Nach der "Bild-Zeitung" die meisten Rügen bekam 2015 der "Focus" - genauer gesagt, Focus Online. In einem Fall hatte die Website in ihrer Rubrik "Panorama" ein Video gezeigt, in dem ein russischer Polizist vor Wölfen flüchtet, ohne erkenntlich zu machen, dass es sich um einen Werbefilm handelte. In den anderen Fällen ging es um Namensnennung bei einer Selbsttötung sowie um Schleichwerbung.

05:40 min

Populistische Töne im "SocialWeb"

25.11.2015 23:20 Uhr

Mit populistischen Tönen kann man in Krisenzeiten viel Erfolg auf Social Media Seiten haben. Doch die Strategie könnte sich als kurzsichtig erweisen. Video (05:40 min)

Zehn Jahre BILDblog

Zu den langlebigeren Internet-Projekten zählt das BILDblog. Es setzt sich vor allem mit der gleichnamigen Boulevardzeitung auseinander - und das nun schon seit zehn Jahren. mehr