Stand: 07.07.2014 18:00 Uhr

ZDF blufft bei Zuschauer-Voting

von Boris Rosenkranz
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Die Frauenrunde bei "Deutschlands Beste!"

Wir müssen noch mal auf "Deutschlands Beste!" zurückkommen, die Chartshow, die vorige Woche an zwei Abenden im ZDF lief. Johannes B. Kerner präsentierte die "besten" Deutschen, die das ZDF zuvor per Umfrage ermittelt hatte. Zu dem Format und seinem (Un-)Sinn ist eigentlich alles gesagt. Nur noch nicht dazu, dass das ZDF seine Zuschauer, muss man leider so sagen: verarscht hat. "Deutschlands Beste!" wurde mit viel Tamtam beworben. Anfang Mai schrieb das ZDF in einer Pressemitteilug, eine "repräsentative Umfrage" des Meinungsforschungsinstituts Forsa habe Namen von 100 Männern und 100 Frauen ergeben, "aus denen die Zuschauer auswählen können". Unter zdf.de oder per Post sollten sie abstimmen, welche der 100 Männer und 100 Frauen sie superduper finden. In einem Trailer rief Kerner später dann noch mal selber auf: „Sie sollen entscheiden! Stimmen Sie ab!“, sprach er in die Kamera. "Wer ist Deutschlands bester Mann, und wer ist Deutschlands beste Frau?"

Abstimmung ohne Einfluss

Vielleicht ist das ja ein Missverständnis, aber: Klingt doch so, als wäre das eine Abstimmung, oder? Eine Abstimmung, bei der man, wenn man mitmacht, Einfluss auf das Ergebnis nehmen kann. Jeder. Geradezu demokratisch. Tja, um gleich alle zu enttäuschen, die sich die Mühe gemacht haben, da Namen anzuklicken oder anzukreuzen in der Hoffnung, das brächte was: Ihre Stimme war ungefähr so viel Wert wie ein Autogramm von Johannes B. Kerner - nichts. Wie sich auf ZAPP Anfrage herausstellt, war die Abstimmung ein Bluff. Die Ergebnisse wurden gar nicht in das Endergebnis einberechnet. Auch das wurde, nach Angaben des ZDF, allein durch eine (zweite) Forsa-Umfrage ermittelt. Damit wurden nicht nur die ZDF-Zuschauer, sondern offenbar auch die Leser der "Hörzu" an der Nase herumgeführt. Denn auch sie rief zur Kür der besten Teutschen auf: "So wählen Sie mit!", erklärte die Zeitschrift in ihrer Ausgabe vom 17. Mai. "Sie können Ihre Stimme für bis zu zehn Personen abgeben, maximal je fünf Männer und fünf Frauen." Offenbar war es erfolgreich. Später schreibt "Hörzu": "Auch viele von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, haben nach unserem Aufruf mit abgestimmt. Herzlichen Dank an alle Teilnehmer! Das Ergebnis, die Plätze fünfzig bis eins, stellt Johannes B. Kerner live in Köln vor." Stimmt: Die Ergebnisse hat Kerner vorgestellt. Live. In Köln. Nur eben ohne die "Hörzu"-Stimmen einzubeziehen. "Bei dem Online-Voting handelte es sich um ein sendungsbegleitendes Angebot mit Gewinnspiel, in das auch die Stimmen der 'Hörzu'-Leser Eingang fanden", so das ZDF. Doch weil man das Online- und Postkarten-Ergebnis ja nicht mit der Forsa-Umfrage zusammenrechnen konnte, weil der Spaß so nicht mehr repräsentativ gewesen wäre, "wurde es nicht für das Ranking verwendet". Nur: Warum macht das ZDF dann so ein Voting?

"Hörzu" ist irritiert und will Klarheit

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Die Männerrunde bei "Deutschlands Beste!"

Bei der "Hörzu" ist man reichlich irritiert, muss erst mal intern recherchieren. "Wenn das so wäre, dass die Stimmen nicht einberechnet wurden", sagt ein Mitarbeiter, "dann hätten wir das nicht gemacht." Das war am Morgen. Am Nachmittag teilt „Hörzu“ mit: „Weiterhin gehen wir immer noch davon aus, dass die Abstimmung so abgelaufen ist, wie von uns in 'Hörzu' kommuniziert." Was interessant ist. Immerhin sagt das ZDF ja, dass sie nicht so abgelaufen ist. Vielleicht denken Sie jetzt: "Na, und? Diese belanglose Wahl da im ZDF.“ Mag sein. Aber darum geht es nicht. Es geht darum, dass das ZDF suggeriert, man könne mit seiner Stimme etwas bewirken; und dass auch die "Hörzu" das tut; und dass Tausende Menschen das glaubten. Der Sender aber ignoriert die Daten nicht nur einfach, Kerner tat in den Shows auch so, als wäre das Online-Voting mit drin.

Glaubwürdigkeit? - egal!

Das untergräbt nicht nur die Glaubwürdigkeit des Senders, mit das höchste Gut des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, es dürfte auch die vielen Fans und Prominenten ärgern, die im Netz dazu aufriefen, etwa für Lena Meyer-Landrut abzustimmen. Statt für Lena oder andere Promis warben die Fans also vielmehr als Promo-Maschinen fürs ZDF und trommelten - gratis - für die Show, womit wir wohl bei dem Grund wären, weshalb das ZDF das so machte: günstige Werbung. Im Gegenzug lockte der Sender mit drei Spielekonsolen, die nach eigenen Angaben unter den Teilnehmern verlost werden. Die Rechnung ging wohl auf: Beide Shows hatten eine ordentliche Einschaltquote. Und der Zuschauer ist der Dumme.

Pressemitteilung des ZDF zu "Deutschlands Beste!" (08.07.2014)

Das ZDF hat sich soeben per Pressemitteilung erklärt:

"Deutschlands Beste!" hatte sich in zwei Sendungen vorgenommen, die beliebtesten deutschen Frauen und Männer zu ermitteln. Dazu gab es drei Umfragen, um die Besten-Liste zu erstellen: eine repräsentative Forsa-Befragung, ein Online-Voting sowie einen "Hörzu"-Leseraufruf. Bei der Auswertung stellte sich heraus, dass das Online-Voting durch Fan-Gruppen stark beeinflusst worden war. Zu diesem Zeitpunkt hat sich die Redaktion dazu entschieden, sich auf die repräsentative Forsa-Umfrage zu stützen. Wie sich heute bei einer internen Nachprüfung herausstellte, wurden dennoch Ergebnisse des Zuschauer-Votings mit den Ergebnissen der Forsa-Umfrage vermischt. ZDF-Showchef Oliver Fuchs: "huldige ich mich bei unseren Zuschauern, den Teilnehmern der Sendung und bei allen, die abgestimmt haben. Künftig wird das ZDF bei 'Deutschlands Beste!' auf Internet-Votings verzichten und ausschließlich auf repräsentative Umfragen setzen."