Stand: 10.11.2014 14:43 Uhr

Russia Today jetzt auch auf Deutsch

von Steffen Grimberg
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Seit dem 6. November gibt es die Webseite RT Deutsch

Mal ganz ehrlich: Ein bisschen mehr Wumms hätten wir uns von "RT Deutsch" dann doch erwartet. Seit dem 6. November ist der deutschsprachige Ableger des internationalen russischen Staatsfernsehens online. Und wenn die Gerüchte stimmen, nach denen man für den deutschen Dienst in Berlin reichlich Personal angeheuert hat, ist das Angebot doch recht dürftig.

Propaganda-Kanal

RT, früher "Russia Today", soll ja bekanntermaßen die russische Sicht auf die Welt und ihre Zeitläufe bieten, genauer gesagt eine dem Kreml genehme Sicht. Das schließt zwar hier und da kritische Töne nicht aus, bedeutet insgesamt aber schon, dass RT näher an einem Propaganda-Kanal als an einem Nachrichtensender mit eindeutiger politischer Haltung wie zum Beispiel Rupert Murdochs US-amerikanische Fox-News ist. Auch wenn die Macher nicht müde werden zu betonen, dass sie sich als ernst zu nehmende Konkurrenten von Sendern wie BBC World oder CNN sehen.

Der Sitz von RT Deutsch in Berlin © NDR

Gegenläufig - Kreml-Sender auf Deutsch

ZAPP -

RT Deutsch des russischen Senders RT ist gerade online gegangen und will dem "einseitigen und oft interessengeleiteten Mainstream" etwas entgegensetzen.

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Deutsches Angebot für Medien-Skeptiker

Der deutsche Dienst kommt passend zum weit verbreiteten Unbehagen Richtung Osten und lechzt nach dem Beifall derer, die der klassischen medialen Berichterstattung eh nicht mehr trauen. Also will RT zeigen, "was sonst von den Mainstream-Medien verschwiegen oder weggeschnitten wird".

Eigene Formate Fehlanzeige

Das klappt allerdings noch nicht so ganz. Jedenfalls lässt das ausdrücklich als Nachrichten-"Show" bezeichnete Format "Der fehlende Part" weiter auf sich warten. Dafür empört sich RT Deutsch aktuell über die "mediale und politische Hetzjagd" auf die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer - was hier und da durchaus den Tatsachen entspricht. Nur sieht RT Deutsch auch gleich schon mal düstere Parallelen zum Dritten Reich, schließlich sei die 1919 gegründete GDL die älteste Gewerkschaft Deutschlands. "Eine der ersten Maßnahmen, nachdem 1933 die Nationalsozialisten die Macht ergriffen hatten, war die Zerschlagung der freien Gewerkschaftsbewegung. Apropos Geschichtsbewusstsein", heißt es in dem nicht namentlich gekennzeichneten Beitrag. 

Und immer wieder Ulfkotte

Gleich seit dem Starttag präsent ist der ehemalige "FAZ"-Journalist Udo Ulfkotte, der in seinem Buch "Gekaufte Journalisten" viel Altbekanntes mit ein paar kruden Thesen und keinen überzeugenden Belegen zusammengerührt hat. Eine ausführliche Analyse hat verdienstvollerweise der Medienjournalist Stefan Niggemeier geleistet. Ulfkottes Auftritt hat etwas vom 1989 in der DDR sanft entschlafenen "Schwarzen Kanal" des Karl-Eduard von Schnitzler. Als weiteren Kronzeugen schleppt RT Manuel Ochsenreiter, den Chefredakteur des Rechtsaußen-Blattes "Zuerst",  vor die Kamera. "Zuerst" erscheint in der Verlagsgruppe Lesen und Schenken des alten ZAPP Bekannten Dieter Munier, Ochsenreiter selbst hat seine Karriere bei der "Jungen Freiheit" und der "Deutschen Militärzeitschrift" gemacht. Da alle diese Publikationen weiter unbehelligt erscheinen, mutet Ochsenreiters Behauptung, in Deutschland gebe es doch schon lange keine Pressefreiheit mehr, umso kruder an.

Videos vom großen Bruder

Erstaunlich ist an RT Deutsch aber vor allem, dass die Seite bis auf ihre Textbeiträge komplett vom englischsprachigen großen Bruder lebt. Dessen leider höchst professionell gemachte TV-Beiträge - die, wenn es um Deutschland geht, von der Berliner Produktionsfirma Ruptly TV geliefert werden - sind einfach auf Deutsch nachsynchronisiert. Ruptly und RT Deutsch gehören beide zur staatlichen Medienholding RIA Novosti.

Schuld sind immer die USA

Der Rest des Angebots ist eher mau und unersprießlich, die Seite scheint nach dem Prinzip "Wir nehmen, was gerade da ist" bestückt zu werden. Schuld an der Weltlage, das macht ein Blick auf RT Deutsch klar, ist die USA beziehungsweise der monopolkapitalistische Imperialismus, wie es zu DDR-Zeiten geheißen hätte. Leider steht zu befürchten, dass angesichts des momentanen Erregungszustandes in Sachen Medien und Wahrheit nicht nur Margot Honecker ihre helle Freude an der Seite hat. Ein bisschen scheinen aber auch die RT Deutsch-Macher ihr eigenes Publikum zu fürchten: Die Kommentarfunktion unter den Beiträgen ist seit "Sendestart" ausgeschaltet.