Stand: 14.07.2015 09:30 Uhr

LeFloid interviewt Merkel: Vis-à-vis im Neuland

von Melanie Stein

Merkel auf YouTube. LeFloid als Interviewer. Neuland für beide Protagonisten bei #NetzFragtMerkel. Ein ungewohntes Szenario - von Journalisten erahnt und ausgeschlachtet.

Martin Fuchs im Interview mit ZAPP. Der Blogger und Politikberater betreibt das Portal hamburger-wahlbeobachter.de und beobachtet die Politikszene. © NDR Fotograf: Melanie Stein

"Investigatives Interview? Darum ging es nicht"

ZAPP

"Muttis Liebling", "Kuschelinterview" - viele fanden das Interview von YouTuber LeFloid mit Merkel enttäuschend. Schuld seien zu hohe Erwartungen, meint Politikexperte Martin Fuchs.

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Das mediale Bohei gab es schon, bevor YouTuber Florian Mundt das Interview mit Bundeskanzlerin Angela Merkel geführt hatte. Alle großen Tageszeitungen hatten über den 27-Jährigen Psychologiestudenten berichtet, der mit seinen 2,6 Millionen Abonnenten die junge Zielgruppe zwischen 16 und 24 Jahren erreicht. Videoblogger LeFloid konnte und wollte den medialen Anfragen für ein "Interview zu dem Interview" nicht nachkommen. So entschieden er und sein Management schon von vornherein, Bitten dieser Art ins Leere laufen zu lassen.

Vorher gewusst und dann doch überrascht

Nicht selten lag Spott schon in der Bewertung der Vorberichterstatter. In fiktiven Szenarien beschrieben "Welt Online" und "FAZ" ("Sigi in Bibis Beauty Palace") beispielsweise vor Ausstrahlung des Interviews, wie unbeholfen sie sich ein Aufeinandertreffen von YouTubern und Politikern in Deutschland vorstellten. Trotzdem wunderten sich viele Kommentatoren im Nachhinein über mangelnde journalistische Standards. So schrieb die "FAZ" von der "Fragestunde von Mundt, die man beim besten Willen nicht Interview nennen kann". Und der "Stern" titelte online "LeFloid scheitert an LaMerkel". 

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Video: Merkel im LeFloid-Interview

Was interessiert junge Menschen wirklich? Der YouTuber LeFloid hat Fragen gesammelt und sie Angela Merkel gestellt. Zum Interview. extern

Authentisch an der Oberfläche

Klar, das Interview war keine investigative Meisterleistung, doch diesen Anspruch hat es auch nie gehabt. Wer sein Format kennt, der weiß, dass Florian Mundt Inhalte kommentierend streift, nicht aber in die Tiefe geht. Seine Themen sind häufig dem Boulevard zuzuschreiben. Er hat jedoch das Talent, eine Vielzahl junger Menschen für gesellschaftliche Debatten zu interessieren - eine Fähigkeit, die die wenigsten traditionellen Medien besitzen. Deshalb ist es kaum verwunderlich, dass Mundt im Interview mit Angela Merkel keine professionelle Gegenposition einnahm, um durchweg konfrontative Fragen zu stellen. Er gab seine persönliche Meinung preis und blieb trotz der ungewohnten Situation an einem für ihn ungewohnten Drehort bei sich selbst. Nur seine unerwartet affirmative Haltung gegenüber Merkel, die sich vermutlich seiner Unsicherheit zuschreiben ließ, überraschte Journalisten wie YouTube-Fans.

Netzreaktion: Blogger können keine Journalisten ersetzen

Während Angela Merkel dem YouTuber LeFloid ein Interview gab, fallen entsprechende Frageformate in der ARD oder auf der Bundespressekonferenz in diesem Sommer weg. Entsprechend beschäftigte einige Medien im Vorfeld die Frage, ob YouTuber und Blogger die klassischen Journalisten ersetzen könnten. Das können sie nicht. So der Tenor im Netz.

Selbst einige Fans von LeFloid zeigten sich enttäuscht, kommentierten auf seiner Facebook-Seite, es sei "nichts weiter als ein Werbevideo für Merkel". Dass er seinen Zuschauern, die ihm eigene Fragen mitgegeben hatten, "nicht gerecht" geworden sei.

Unabhängig davon, ob die persönliche Erwartungshaltung einzelner Zuschauer erfüllt wurde, Merkel und LeFloid haben neben ihrer geschickten Eigen-PR zumindest erreicht, dass politische Themen in einer jungen Zielgruppe diskutiert werden. Das war laut des Politikbeobachters und Social-Media-Experten Martin Fuchs auch eines der Hauptziele der Veranstaltung.