Stand: 25.02.2015 19:34 Uhr

Die Sache mit den Namen

von Steffen Eßbach, Redaktionsleiter ZAPP
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Steffen Eßbach steht als ZAPP Redaktionleiter zu seiner Entscheidung.

ZAPP hat sich am vergangenen Freitag entschieden, den Namen des "taz"-Mitarbeiters Sebastian Heiser in einer ersten Pressemeldung zu dem unter dem Begriff "tazgate" bekannt gewordenen Vorgang zu nennen. Ich stehe bis heute zu dieser Entscheidung.

Die ZAPP Redaktion hat jedoch nicht leichtfertig den Namen eines jungen Kollegen veröffentlicht, sondern wir haben vorher intensiv darüber diskutiert. Nach Abwägung aller Argumente, und nach Rücksprache mit dem Justitiariat des NDR haben wir dann diese Entscheidung getroffen.

Kritik an der Namensnennung  

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tazgate: Spionage durch den eigenen Redakteur?

25.02.2015 23:20 Uhr

Der "taz"-Redakteur Sebastian Heiser soll die Computer seiner Kollegen ausspioniert haben. Seit der vergangenen Woche ist mit ihm der Begriff "tazgate" verbunden. mehr

In den sozialen Netzwerken und nun auch vom DJV wurde vereinzelt Kritik daran laut. Deswegen wollen wir hier gern unsere Beweggründe in diesem ganz konkreten Fall darlegen. Das ist auch gar nicht schwer, denn es ergibt sich genau aus dem Pressekodex, aus dem auch der DJV zitiert.

Dort wird für solche Fälle in Ziffer 8 auf die Bedeutung des Falles für die Öffentlichkeit abgestellt. Die Namensnennung ist dann gerechtfertigt, wenn "eine in ihrer Art und Dimension besondere Straftat" vorliegt. Und wenn "ein Widerspruch besteht ... zwischen der gesellschaftlichen Rolle und Funktion einer Person und der ihr zur Last gelegten Tat." Schon beim Lesen dieser  abstrakten Formulierungen wird ersichtlich, wie genau sie auf den Fall Heiser passen könnten.

Drei ausschlaggebende Gründe

1.
Gibt es in jüngerer Zeit einen vergleichbaren Fall, in dem einem Redakteur einer angesehenen Tageszeitung vorgeworfen wird, so viele Rechner seiner Kollegen so perfide angezapft zu haben?

Diese Vorgehensweise wurde uns schon am Freitag glaubhaft bestätigt. Der heimliche Einsatz von sogenannten Keyloggern in Deutschland ist nicht erlaubt. Neben dem Vertrauensbruch innerhalb der Redaktion steht hier auch immer noch die viel weiterreichende Frage nach den Auswirkungen auf ehemalige und zukünftige(!) Informanten der "taz“ im Raum. Es handelt sich  zweifelsohne um eine in ihrer Art und Dimension besondere Tat. Denn hier ist neben dem Redaktionsgeheimnis potenziell auch die Pressefreiheit in Gefahr.

2.
Gibt es in jüngerer Zeit einen vergleichbaren Fall, in dem es einen derart eklatanten Bruch zwischen der zugedachten Rolle eines seriösen Zeitungsredakteurs und dem heimlichen, wiederholten und vielfachen Absaugen von Redaktionsdaten z.B. von Redakteuren, Volontären, Praktikanten und sogar vom Ressortleiter gibt? Der Widerspruch besteht - und zwar ganz massiv. Auch das wussten wir schon am Freitag  - und auch das stellt nun auch der DJV fest.

Zapp würde für sich die Nennung des vollen Namens auch niemals mit dem Verweis auf andere Medien begründen, diese Entscheidung müssen wir schon jedes Mal selbst treffen. Für uns stand hier neben den zwei genannten Argumenten noch eine dritte wichtige Überlegung im Raum:

3.
Gibt es in jüngerer Zeit einen Fall, in dem es so einen engen personellen Zusammenhang gibt zwischen den unter dem Begriff "szleaks“ bekanntgewordenen Schleichwerbe-Vorwürfen Sebastian Heisers gegenüber der "Süddeutsche Zeitung", die der Kollege auch unter Zuhilfenahme von heimlichen - und rechtswidrigen - Gesprächsaufzeichnungen in die Öffentlichkeit trug, und dem Erschleichen von Redaktionsdaten desselben Kollegen in einer weiteren Zeitungs-Redaktion?

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#szleaks und #tazgate: Die Chronologie

Mitarbeiter der "taz" sind offenbar von ihrem Kollegen Sebastian Heiser systematisch ausgeforscht worden. Eine Chronologie der Ereignisse aus Sicht der ZAPP Redaktion. mehr

Sebastian Heiser hat unter seinem Namen für sich öffentlich eine moralische Bewerterrolle von Kollegenverhalten in Anspruch genommen, der sein eigenes berufliches Handeln nach bisherigen Erkenntnissen nicht gerecht wird. Und Leser, Hörer und Zuschauer müssen wissen dürfen, mit wem sie es nun konkret in dem einen und dem anderen Vorgang zu tun haben.

Volle Nennung auch in anderen Fällen

Das hat schlicht etwas mit der Möglichkeit zur Einordnung zu tun, die sich auch an Namen und Personen festmacht. Auch das hat ZAPP in diesem Fall zur vollen Namensnennung bewogen.

Und zum Schluss: Zapp hat auch schon in anderen Fällen frühzeitig über Vorwürfe gegenüber Einzelpersonen namentlich berichtet, z.B. im Fall "Doris Heinze", "Udo Foht", "Gerd Rapior" usw. - wie viele andere Medienjournalisten auch.