Stand: 31.08.2016 10:53 Uhr

Virales Foto: Der nackte Mann im Hintergrund

Posieren fürs persönliche Abschlussfoto, das gehört für Highschool-Schüler in den USA dazu. "Ich liebe meine Abschlussfotos", twitterte Schülerin Jillian Henry aus dem US-Staat Oregon, die sich für das Shooting am Ufer des Flusses Willamette aufgestellt hatte. Auf den getwitterten Bildern ist sie allerdings nicht allein zu sehen. Hinter Henry steht ein Mann im Fluss, mit Hund - und vor allem: unbekleidet.

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Der malerische Fluss Willamette: Hier geriet der nackte Mann mit aufs Foto (aber das hier ist nur ein Symbolbild).

"Full frontal" heißt eine solche Aufnahme im Hollywood-Jargon. An deutschen FKK-Stränden ein normaler Anblick, in den USA, gerade in den Medien, eine absolute Ausnahme. Ob unwissend oder absichtliches "Photobombing", der Tweet mit dem nackten Mann bescherte der 17-Jährigen gewaltige Aufmerksamkeit: 120.000 Likes zählt er bisher, 42.000 Mal wurde er weiterverbreitet - ein viraler Hit, befeuert durch die Medien.

Twitter-Anfrage von Journalisten noch und nöcher

Und wer schon immer mal selbst miterleben wollte, wie Journalisten bei solchen Internet-Geschichten deren Urheber kontaktieren und ob sie überhaupt um Erlaubnis für die Nutzung eines Fotos fragen, braucht nur einen Blick auf die Reaktionen unter Henrys Tweet werfen: BuzzFeed*, "New York Magazine", CNN, "Daily Mirror", "New York Post", "New York Daily News", "Daily Mail", Fox 12 Oregon TV - in den Replys bittet in den ersten 24 Stunden nach der Veröffentlichung ein Journalist nach dem anderen um Kontaktaufnahme per privater Nachricht, Mail oder Telefon. "Wie die anderen Reporter möchte ich gerne mit dir sprechen - für 'The Oregonian'", schreibt etwa Kale Williams.

Das Medieninteresse fällt natürlich auch den "normalen" Twitter-Nutzern auf. "Journalisten behandeln die Story, als wäre es der Kennedy-Mord", schreibt Ali B. Nicht zu Unrecht. "Hey Jill, ich bin kein Reporter, möchte dich nicht interviewen und deine Bilder nirgendwo verwenden. Herzlich Glückwunsch zum Schulabschluss!", meint Andrew Nystrom.

Den nackten Mann hat wohl niemand gefragt

Klar ist natürlich auch, dass einige Medien sich die Fotos einfach herunterladen und unter Angabe der Bildquelle "Twitter" selbst veröffentlichen - mutmaßlich ohne sich die Erlaubnis von Henry oder der Fotografin einzuholen. Geschweige denn die des nackten Mannes. Dessen Identität scheint zu diesem Zeitpunkt noch ungeklärt zu sein. Ebenso wie die Frage, ob er denn durch sein unbekleidetes Umherwandeln in der Öffenlichtkeit anderen das Recht einräumt, ihn nackt im Internet zu zeigen. Immerhin, einige wie BuzzFeed machen Gesicht und Geschlechtsteil des Mannes unkenntlich, wohingegen mancher Twitter-Nutzer per Bildbearbeitung möglichst nah heranzoomt.

* Das Online-Medium BuzzFeed hat offenbar als erstes angefragt und mit Henry gesprochen. ZAPP stützt sich hier auf diese Informationen und hat das Foto nicht selbst verifiziert.

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 31.08.2016 | 23:20 Uhr

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