Stand: 25.04.2017 16:58 Uhr

ZDF in der Reform: Wo bleiben die Magazine?

von Daniel Bouhs

Es ist ein schleichender Prozess, doch nach Jahren des Umbaus zeigt sich ein klares Bild: Das ZDF streicht klassische Wochenmagazine und setzt stattdessen auf Dokus und monothematische Sendungen. Chefredakteur Peter Frey spricht nun gegenüber ZAPP von einer "strategischen Entscheidung" und sagt dazu auch, sein Sender habe "einfach zu viele Magazine" im Programm gehabt. "Dadurch ist eine große Unübersichtlichkeit entstanden."

Das ZDF Logo an einem Gebäude © imago stock&people

ZDF in der Reform: Wo bleiben die Magazine?

ZAPP -

Das ZDF baut sein Programm seit einigen Jahren um. Magazine werden gestrichen, dafür werden mehr Dokus ins Programm genommen. Diese seien nachhaltiger, so Chefredakteur Frey.

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Die erste Sparwelle bei den Magazinen liegt bereits sechs Jahre zurück. 2011 - Frey war bereits Chefredakteur - gingen sowohl die "ZDF.reporter" als auch "Abenteuer Wissen" und "ZDF.umwelt" vom Sender. Stattdessen kamen "planet e", "TerraXpress", "ZDF Zoom" und "ZDF Zeit". In einigen Wochen streicht Frey zudem "ML Mona Lisa". Frey nimmt dafür "konstruktiven Journalismus" ins Programm - ebenfalls in Form von Dokumentationen, teils produziert gemeinsam für das Zweite und Arte.

Dokumentationen haben mehrere Vorteile

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Dokumentationen seien nachhaltiger, argumentiert ZDF-Chefredakteur Peter Frey.

Für den Programmplaner Frey haben Dokumentationen gleich zwei Vorteile. "Sie ermöglichen originellere Zugänge, bei denen man auch die Protagonisten besser kennen lernt", sagt er. Außerdem seien Dokumentationen "nachhaltiger": Sie könnten leichter als Magazinbeiträge wiederholt werden, etwa auf 3sat und Phoenix, vor allem aber auf ZDFinfo. Frey hat den Digitalkanal zuletzt zu einem Doku-Kanal umgebaut. Der sei vor allem bei Zuschauern unter 50 Jahren erfolgreich, eben vor allem: mit Dokumentationen. Auch hier brauche es ständig Nachschub, sagt Frey, auch aus dem Hauptprogramm.

Fernsehkritikerin Diemut Roether von epd medien kann Freys Kurs nachvollziehen - vor allem, weil das ZDF Hunderte Stellen einsparen müsse und Magazine aufwendiger seien als Dokumentationen. Allerdings seien die Ergebnisse mitunter zu dürftig. "Die Herangehensweise ist im Grunde ähnlich wie bei Magazinbeiträgen: Die Journalisten gehen an die Themen mit einer These heran und suchen nur noch nach Beweisen, die ihre These bestätigen", mahnt Roether. Klassisches Dokumentarfernsehen gehe aber ergebnisoffen an Themen heran und lasse sich beim Blick auf die Welt überraschen.

"Strukturelles, qualitatives Problem"

So wundere es sie auch nicht, dass das ZDF für seine Dokumentationsreihen in den vergangenen Jahren keine Grimme-Preise mehr erhalten habe. "Da zeigt sich ein strukturelles, qualitatives Problem", meint die Beobachterin. Reihen wie "ZDFzoom" und "ZDFzeit" seien "ein bisschen sehr allgemein gehalten und oberflächlich", sagt Roether gegenüber ZAPP. "Wir als Fernsehkritiker sind oft enttäuscht, was dabei rauskommt."

Frey kontert, für ihn sei "das größere Gut", mit "ZDFzoom" überhaupt erst mal "eine größere filmische Form für investigativen Fernsehjournalismus" auf seinem Sender durchgesetzt und "erfolgreich am Markt platziert" zu haben - womit er die Quote meint. Der Chefredakteur räumt allerdings auch ein: "Es gibt manchmal Stoffe, bei denen man sich wünscht, dass das Label 'ZDFzoom' oder 'ZDFzeit' nicht davorstehen müsste, weil natürlich auch Unikate das Fernsehen interessant und spannend machen."

Magazin füllen 27 Prozent Fläche beim ZDF

Trotz dieses Umbaus dürfte das ZDF aber Marktführer bleiben, wenn es um den Magazin-Anteil am Programm geht. Jedenfalls haben Magazine im Zweiten auch im vergangenen Jahr noch knapp 27 Prozent der Programmfläche ausgemacht, wie aus Daten hervorgeht, die demnächst in den "Media Perspektiven" veröffentlicht werden. Zum Vergleich: Im Ersten machten Magazine im Jahr 2016 knapp 23 Prozent des Programms aus.

Zwei Kategorien der Magazine will Frey dann auch erhalten: die Magazine am Abend, zur sogenannten Primetime, also das Wirtschaftsmagazin "Wiso", das Politmagazin "Frontal 21" und das "Auslandsjournal". Außerdem hält Frey an seinen tagesaktuellen Magazinen fest. Hier möchte er allerdings hinter den Kulissen sparen. Zusammen mit der Streichung von "ML Mona Lisa" bildet das seine zweite Magazin-Sparwelle.

Ländermagazine rücken zusammen

Dafür zieht das "Mittagsmagazin" vom Mainzer Lerchenberg zum "Morgenmagazin" ins Berliner Hauptstadtstudio. Studio und Infrastruktur lastet künftig sogar auch die ARD aus: Wenn das ARD-"Mittagsmagazin" vom Bayerischen Rundfunk zum Rundfunk Berlin-Brandenburg zieht, sendet es ebenfalls aus dem Berliner Innenhof des ZDF.

Frey rückt zudem die Redaktionen seines Ländermagazins "Drehscheibe" und seines Boulevardmagazins "Hallo Deutschland" in der Mainzer Sendezentrale zusammen. Im einstündigen Zeitfenster der "Drehscheibe" am Mittag, das die Landesstudios bespielen, sollen zudem "längere filmische Strecken" laufen, die "durchaus auch mit ZDFinfo korrespondieren können" - eine Mischform also, die das Magazin nicht abschafft, aber mit dem Genre "Dokumentation" zusammenbringt. Auch hier: mehr Doku im Programm.

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 26.04.2017 | 23:20 Uhr